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Tierheime in Baden-Württemberg verhängen Aufnahmestopps - „mehr als traurig“

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Von: Julia Hawener

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Hunde im Tierheim
Viele Hunde wurde nach dem Ende des Corona-Lockdowns in Tierheimen abgegeben. Doch diese Tiere sind nicht das einzige, was den Einrichtungen zu schaffen macht. © dpa/Thomas Frey

Die Tierheime im Südwesten platzen aus allen Nähten. Dazu kommen gestiegene Energie- und Personalkosten. Viele Einrichtungen verhängen deshalb Aufnahmestopps.

Stuttgart - Hunde, Katzen, Hamster und Meerschweinchen: Aus Langweile und zum Zeitvertreib haben sich zahlreiche Menschen während des Corona-Lockdowns Haustiere angeschafft. Jetzt, da sich das Leben wieder normalisiert hat, scheint diese Entscheidung für einige wohl nicht ganz durchdacht gewesen zu sein. So ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitus You Gov im Auftrag der Magazin- und Zeitungsapp Readly, dass ein Fünftel der Haustierbesitzer ihre Anschaffung bereut. Das Nachspiel des Haustier-Trends bekommen auch die Tierheime in Baden-Württemberg zu spüren. Doch verantwortungslose Halter sind nur einer von vielen Gründen, weshalb die Situation in den Einrichtungen derzeit katastrophal ist, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzverbandes, der Deutschen Presse Agentur. Die Lage ist sogar so ernst, dass der Verband befürchtet, dass deutschlandweit jedes vierte Tierheim vor dem Aus steht. 

Neben dem Kapazitätsproblem geht auch die Inflation laut dem Tierschutzverband nicht spurlos an den gemeinnützigen Einrichtungen vorbei. Viele der Heime sind laut Schröder alt und energetisch nicht auf dem neuesten Stand. Kosten für Strom und Heizung seien daher mancherorts fünfmal so hoch wie vor der Krise. Schlangen, Spinnen oder verletzte Tierchen mögen es aber trotzdem warm. Und gerade bei diesen Tieren wird befürchtet, dass sie nun vermehrt ausgesetzt und abgegeben werden, da sich die Tierhalter die Mehrkosten nicht mehr leisten können. Erschwerend komme hinzu, dass der Besuch einer Tierarztpraxis ab dem 22. November teurer werde, der Mindestlohn angehoben wurde und die Spendenbereitschaft nachlasse.

Tierheime in Not: Einrichtungen in Baden-Württemberg verhängen Aufnahmestopps

Dieser finanziellen Mammutaufgabe müssen die Heime, die größtenteils von Spenden leben, nun gegenübertreten. Und das hat Folgen. Eine Einrichtung in Ulm in Baden-Württemberg hat bereits einen Aufnahmestopp verhängt, wie die Südwest Presse berichtet. Privatpersonen können dort also keine Haustiere mehr abgeben. Nur für Notfälle gilt noch eine Ausnahmeregel. Andere Heime führen Wartelisten. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, in dessen Verantwortungsbereich auch der Tierschutz fällt, machte sich zuletzt gemeinsam mit Verbandschef Schröder ein persönliches Bild von der kritischen Lage in den Tierheimen und besuchte eine Einrichtung in Stuttgart-Botnang.

Cem Özdemir besucht Tierheim
Landwirtschaftsminister Cem Özdemir zu Besuch in einem Tierheim in Stuttgart-Botnang. © dpa/Bernd Weißbrod

Dabei hatte der Bundesminister einen klaren Appell an alle potenziellen Tierkäufer: „Sie sollten vor einer Entscheidung ein bissle nachdenken und prüfen, ob sie die nötige Zeit, Platz und Kleingeld für das Tier haben“, sagte der Grünen-Politiker bei seinem Besuch des größten baden-württembergischen Tierheims in Stuttgart. „Tiere sind auch keine Weihnachtsgeschenke“, betonte Özdemir. Doch damit ist den Tierheimen in der jetzigen Situation nicht geholfen. Özdemir sicherte Hilfe zu, verwies dabei aber auch auf die Zuständigkeit der Kommunen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Das Verbot von Online-Handel hingegen sei ein europäisches Problem.

„Das ist mehr als traurig“: Internet ist schockiert über die Lage in den Tierheimen

Auf Facebook zeigen sich viele User bestürzt über die prekäre Lage in den Tierheimen und die Aussicht, dass so viele Einrichtungen eventuell schließen müssen. „Das ist mehr als traurig“, schreibt etwa ein Nutzer. „An alle, die ein Tier nach kurzer Zeit ins Tierheim bringen: Schämt euch“, kommentiert ein anderer. Einiger Facebook-User sind der Meinung, dass von der Politik mehr Hilfe kommen muss. „Man könnte die Hundesteuer als Unterstützung für die Tierheime nutzen“, schlägt eine Frau vor, während ein anderer Nutzer seine Forderung noch deutlicher macht: „Die Regierung ist in der Pflicht, die Tierheime zu unterstützen. Für alles andere ist doch auch Geld da.“

Konkrete Versprechungen, wie den Einrichtungen nun geholfen werden soll, machte Özdemir bei seinem Besuch in Stuttgart nicht. Wie der SWR berichtet, werde laut dem Minister jedoch eine Stiftung des Bundes zu Förderung von Tierheimen geprüft. Zudem kam der Minister nicht mit leeren Händen vorbei: 7.500 Euro gab es für die Stuttgarter aus dem Hilfsfonds, der für Tiere gedacht ist, die von ukrainischen Flüchtlingen abgegeben wurden. Viele Menschen aus der Ukraine hatten ihre geliebten Haustiere nämlich aus dem Kriegsgebiet mit nach Deutschland genommen. Doch in Sammelunterkünften sind Hunde und Katzen meist nicht erlaubt. So wurden die Tiere schließlich in Heimen untergebracht.

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