0 Euro statt 9 Euro

Kostenloses Ticket im Nahverkehr soll kommen, doch Bürger meckern immer noch

Stadtbahnlinie U15 am Eugensplatz in Stuttgart.
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Die Bürger in Baden-Württemberg sind von dem kostenlosen Ticket im Nahverkehr nicht überzeugt. Es müsse sich auch das Angebot ändern.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Die Verkehrsminister der Länder wollen ein kostenloses Ticket im Nahverkehr ermöglichen, doch viele Baden-Württemberger sind damit nicht zufriedenzustellen.

Stuttgart - Infolge der stark gestiegenen Energie- und Spritpreise schnürte die Ampel-Koalition ein Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger. Nicht nur soll es für Berufstätige eine einmalige Pauschale von 300 Euro geben, auch ein verbilligtes Neun-Euro-Ticket für den Nahverkehr ist vorgesehen. Die Politik in Baden-Württemberg* berät jedoch über einen anderen Vorschlag.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) äußerte bereits, dass er den Vorschlag der Bundesregierung begrüße, es aber vor allem wichtig sei, den ÖPNV dauerhaft zu entlasten. Er sprach auch davon, dass diese Maßnahme der Verkehrswende nützen könnte*. Nun geht der Verkehrsminister von Baden-Württemberg* einen Schritt weiter und wirbt für ein Null-Euro-Ticket. „Der administrative Aufwand und die Abrechnung ist für alle Verkehrsverbünde in Deutschland für eine drei Monate dauernde Aktion mega kompliziert“, sagte Hermann der Stuttgarter Zeitung.

Kostenloses Ticket im Nahverkehr reicht nicht aus - Baden-Württemberger fordern weitere Maßnahmen

Das Null-Euro-Ticket wäre für einen Verkehrsverbund deutlich leichter umsetzbar, als das Neun-Euro-Angebot. In den sozialen Medien sind einige Bürger dennoch unzufrieden und fordern weitere Maßnahmen. „Bringt mir auch nicht viel, wenn die Bahn im Monat mindestens fünfmal verspätet kommt und ein Mal ausfällt“, schreibt ein Nutzer und teilt die Meinung vieler, die sagen, mit dem Ticket müsse sich auch das Angebot im Nahverkehr verbessern. „Bahnfahren wird nicht über den Preis attraktiver, sondern über das Angebot“, so ein User. Darüber hinaus fragen sich einige, wer letzten Endes den Preis für das kostenlose Ticket zahlen werde: „Wird das dann auf die Allgemeinheit abgewälzt?“

Eine Userin kann die Kritiker nicht verstehen und ärgert sich, dass über alles gemeckert werde. Viele Bürger würden es jedenfalls begrüßen, wenn es ein kostenloses Angebot für die Nutzung gäbe. Es sei „höchste Zeit“, wie die User schreiben. „Endlich. Nur so kommt man vom Auto zumindest zum größten Teil weg“, findet eine Nutzerin. Auch eine andere sieht es als Möglichkeit, mehr Menschen zum Bahnfahren zu bewegen. Ein Mann wünscht sich, dass das Ticket auch für Kunden mit bestehenden Abonnements eingeführt werde. Tatsächlich plane man, dass Abokunden ihre Monatsrate rückerstattet bekommen.

Verkehrsminister der Länder stimmen für kostenloses Ticket

Am vergangenen Freitag (25. März) hatten die Verkehrsminister aller Länder in einer Sonderkonferenz über die Lösung abgestimmt. Mit elf gegen drei Stimmen bei zwei Enthaltungen legte man sich schließlich auf das Null-Euro-Ticket für drei Monate fest. Es solle „vollfinanziert durch den Bund“ werden. Auch Hamburg möchte eine gratis Monatskarte einführen, wie 24hamburg.de* berichtet. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) beharrt allerdings auf das Angebot des Bundes, das beschlossene Sache sei.

Experten der Verkehrsbetriebe beschweren sich allerdings über die fehlende Absprache. Außerdem würde die Regierung den verbundenen Aufwand unterschätzen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen versprach, dass man den neuen Tarif so schnell wie möglich umsetzen werde, sobald die Rahmenbedingungen schlussendlich geklärt sind. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) kündigte jedoch bereits an, dass das Sonderticket frühestens ab Mai eingeführt werden könnte, wenn nicht sogar noch später. Ohnehin gibt es in Stuttgart bereits höhere Gebühren für ÖPNV, aber auch Müll und Wasser (BW24 berichtete). *BW24 und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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