Neuausrichtung des Unternehmens

„Extrem angespannt“: Thyssenkrupp entlässt Hunderte Mitarbeiter in Baden-Württemberg

Das Logo von Thyssenkrupp ist vor dem HKM-Stahlwerk auf einem Schild angebracht.
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Thyssenkrupp AG: Konzern entlässt Hunderte Mitarbeiter in Baden-Württemberg (Symbolbild).
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Der Industriekonzern Thyssenkrupp stellt sein Autogeschäft um. Dadurch fallen deutschlandweit 500 Arbeitsplätze weg - unter anderem ist auch die Region Heilbronn betroffen.

Heilbronn/Essen - Die Thyssengrupp AG ist ein Industriekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlverarbeitung, bietet daneben jedoch auch eine Vielzahl an anderen Leistungen an. Im Zuge einer Umstellung der eigenen Produktion von Automobilkomponenten sollen in ganz Deutschland rund 500 Arbeitsplätze wegfallen. Laut Angaben in einer Pressemitteilung teilt der Konzern die Branche in zwei eigenständige Unternehmen auf. Dadurch fallen auch in der Region Heilbronn Hunderte Stellen weg.

Laut Angaben der Thyssengrupp AG werde das Geschäft des automobilen Anlagenbaus bis zum 1. Oktober in zwei eigenständige Geschäftseinheiten aufgeteilt. Neben dem Standort Heilbronn werden auch im baden-württembergischen Mühlacker (Enzkreis) Arbeitsplätze abgebaut.

Thyssenkrupp AG: Zwei neue, spezialisierte Unternehmen gefährden Hunderte Arbeitsplätze

Bislang lief das Automobilgeschäft der Thyssenkrupp AG unter der Einheit System Engineering. In Zukunft werde es einen auf Karosseriemontage spezialisierten Anlagenbauer geben. Das zweite neu entstehende Unternehmen spezialisiert sich dagegen auf die Aktivitäten im Bereich der Antriebs- und Batteriemontage, wie der Industriekonzern in einer Pressemitteilung erklärte. Ziel der Teilung sei die Schaffung von zwei unabhängig voneinander arbeitenden Unternehmen mit zwei eigenständigen Produktionsprogrammen.

Für das Geschäftsfeld der Antriebs- und Batteriemontage soll nach Angaben der Thyssenkrupp AG eine Lösung außerhalb des Konzerns gefunden werden, so etwa in Partnerschaften oder in neuen Eigentümerstrukturen. „Wir haben die Neuausrichtung des Unternehmens in den letzten Monaten akribisch vorbereitet. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir sie nun Schritt für Schritt umsetzen“, sagte Ingo Steinkrüger, CEO der Thyssenkrupp System Engineering. „Als Ergebnis werden wir zwei neue, spezialisierte Unternehmen geschaffen haben, die sich in ihrem jeweiligen Marktsegment profitabel weiterentwickeln können“.

Thyssenkrupp AG: Weltweit sollen 800 Stellen abgebaut werden - 500 davon allein in Deutschland

Die Teilung des Automobilgeschäfts der Thyssenkrupp AG gehen nach Konzernangaben mit Umstrukturierungen an den einzelnen Standorten einher. Im laufenden Geschäftsjahr sollen insgesamt 800 Stellen abgebaut werden, davon fallen 500 auf Standorte in Deutschland. Der Grund für die Restrukturierung ist laut der Pressemitteilung der drastische Umsatzeinbruch durch das Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland. „Die Marktsituation im automobilen Anlagenbau bleibt nach wie vor extrem angespannt. Wir gehen davon aus, dass die Produktionszahlen der Autoindustrie frühestens in zwei bis drei Jahren wieder das Vorkrisenniveau erreichen werden“, sagte Steinkrüger.

Rund 230 Stellen entfallen auf die neue Geschäftseinheit Karosserie, wie die Thyssenkrupp AG auf Anfrage der Heilbronner Stimme bestätigte. Die Einheit hat drei Standorte in Baden-Württemberg, die besonders betroffen sind. Die Werke in Heilbronn, Weinsberg und Mühlacker werden als Einheiten angesehen und haben insgesamt rund 930 Mitarbeiter.

Auch die Daimler AG hat massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft zu leiden. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Stuttgarter Konzern eines der wichtigsten Werke in Deutschland eindampfen wird. Auch das älteste noch aktive Daimler-Werk in Berlin stellt nach 118 Jahren die Produktion ein. Grund dafür ist jedoch nicht primär die Corona-Krise, sondern die verstärkte und fokussierte Ausrichtung auf die E-Mobilität.

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