22.000 Euro für Werbung

„The Länd“-Taxis in London entpuppen sich als einmaliger und teurer Witz

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sitzt in einem gelben Londoner Taxi mit „The Länd“-Logo.
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Lediglich vier Stunden lang fuhren die gelben „The Länd“-Taxis durch London. Sie waren nur als Fotomotiv für einen Termin mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gedacht.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Alles nur ein Werbegag? Wie nun herauskam, fahren durch London gar keine „The Länd“-Taxis. Diese waren lediglich für die Presse gebucht - für schlappe 22.000 Euro.

Stuttgart/London - Von den einen gefeiert, von den anderen gehasst: Die Marketingkampagne für Baden-Württemberg mit dem Slogan „The Länd“ trifft sowohl auf begeisterte Fans, aber auch auf viel Kritik und Spott. Auch ein Marketing-Experte sieht „The Länd“ kritisch. Wer nicht aus Baden-Württemberg komme, könne mit dem Slogan nichts anfangen, glaubt er. Viele Bürger schämen sich regelrecht für die Kampagne.

Dabei sollen mit dem Slogan vor allem Fachkräfte aus dem Ausland nach Baden-Württemberg gelockt werden. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam daher die Reise von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nach London. Von vielen Kameras begleitet, eröffnete er dort am 8. November 2021 eine Baden-Württemberg-Vertretung und stellte die Werbekampagne vor. Extravaganter Hingucker: Gelbe Taxis mit dem „The Länd“ Schriftzug. In deutschen Medien wurde der Grünen-Politiker gefeiert. „The Länd-Taxis fahren jetzt durch London“ war vielerorts zu lesen.

Aber von wegen: Wie jetzt herauskam, war die Werbung auf den Autos nur für wenige Stunden und für Kretschmanns Auftritt gebucht. Was viele jedoch weitaus mehr aufregen könnte, ist der horrende Preis für die „The Länd“-Aktion.

Auf Kosten der Steuerzahler: 22.000 Euro für drei „The Länd“-Taxis in London

Satte 22.000 Euro kosteten die drei bedruckten Taxis. Wie Bild erfahren hat, kam der teure Fauxpas durch die SPD-Landtagsfraktion ans Licht. Diese wollte wissen, wie lange die Taxis denn durch London fuhren. Die Antwort des Staatsministeriums: Am 8. November waren die gelben Autos für vier Stunden auf den Londoner Straßen zu finden - und lediglich für Winfried Kretschmanns Auftritt gebucht.

Kaum zu glauben, findet auch der SPD-Generalsekretär Sascha Binder. „Das ist ein schlechter Witz! Kretschmanns Sälfie geht als teuerstes Erinnerungsfoto in die Geschichte Londons ein!“, äußerte er sich gegenüber Bild. Für ihn ist die Aktion ein eindeutiges Indiz dafür, dass die „The Länd“-Kampagne nicht dafür da ist, Fachkräfte anzuwerben. Für ihn ist „The Länd“ nur eines: „Millionenschwere Selbstdarstellung, finanziert mit Steuergeld.“ Trotz allem kommen die Werbeprodukte gut an: Der „The Länd“-Fanshop ist regelmäßig ausverkauft.

Gescheiterte Kampagne? „The Länd“ größtenteils nur Baden-Württembergern bekannt

Rund 21 Millionen Euro gibt die Landesregierung insgesamt für die Image-Kampagne aus. Offenbar läuft diese in Sachen Bekanntheit bisher eher schleppend an. In anderen Bundesländern Deutschlands scheint der neue Slogan von Baden-Württemberg noch nicht angekommen zu sein. Ein „Wer wird Millionär“-Kandidat verzweifelte jüngst an einer Frage zu „The Länd“.

Ihr Ziel, Bekanntheit zu erlangen und Fachkräfte anzuwerben, scheint die Werbekampagne noch nicht erreicht haben. Selbst der Chef der Agentur, die „The Länd“ entwickelt hat, gibt zu: „die Chance zu scheitern war groß“. Lediglich in der Landeshauptstadt Stuttgart scheinen die gelben Plakate allgegenwärtig.

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