Umstrittene Werbung

„The Länd“ trotz Kritik und Spott ein Erfolg - Stuttgarter Flughafen begrüßt aber wieder im „Ländle“

Präsentation der „The Länd“-Kampagne
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Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender Mercedes-Benz AG und Douce Steiner, Zwei-Sterne-Köchin, bei der Präsentation der „The Länd“-Kampagne im Oktober 2021.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Laut einem Marketingexperten zeigt sich der Erfolg der „The Länd“-Kampagne in den ausgelösten Diskussionen. Am Flughafen Stuttgart wurde die Kampagne nun jedoch abgehängt.

Stuttgart - Seit dem vergangenen Oktober hängen in Baden-Württemberg die Werbeplakate „Willkommen in The Länd“. Mit der Imagekampagne will das Land unter anderem Fachkräfte aus der ganzen Welt in die Region locken. Stolze 21 Millionen Euro kostete die „The Länd“-Kampagne Baden-Württemberg.

Während einige Bürger im Südwesten große Fans von „The Länd“ wurden und innerhalb kürzester Zeit den Fanshop leer kauften, sorgte die PR-Aktion auf der anderen Seite auch für viel Spott im Land. „Ihr seid nicht ganz dicht“, urteilten viele auf Twitter über die Kampagne. Auch eine Werbeaktion in London wurde heftig kritisiert. Für einen Fototermin mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wurden drei Londoner Taxis mit dem „The Länd“-Slogan versehen - 22.000 Euro wurden für vier Stunden fällig.

„The Länd“-Kampagne: Spott und Kritik laut Experten Zeichen des Erfolgs

Dennoch zahlt sich die Kampagne offenbar immer mehr aus. Marketingexperte und Agenturinhaber Phil Hagebölling erklärte gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass all der Spott und die Kritik den Erfolg der „The Länd“-Kampagne in Baden-Württemberg darstellen würde. „Eine gute Kampagne muss verwundern, Schmerzen bereiten, für Kontroversen sorgen, in Zeiten der Reizüberflutung herausstechen, emotional sein und bei jungen Leuten überdurchschnittlich punkten.“

Mit dem Ausmaß an Diskussionen hatte auch der Chef der verantwortlichen Agentur „Jung von Matt Neckar“, Peter Waibel, nicht gerechnet. „Wir freuen uns diebisch, dass die Kampagne angenommen wird“, sagte Waibel damals im Gespräch mit BW24. Mit dem Kampagnen-Vorgänger „Wir können alles außer Hochdeutsch“ wurde eine „Ikone in der Kommunikationswelt“ geschaffen, die nur schwer zu toppen gewesen wäre.

Stuttgarter Flughafen begrüßt Reisende jetzt wieder im „Ländle“

Bis vor kurzem fand man die Werbeplakate mit dem „The Länd“-Slogan noch an verschiedenen Orten im ganzen Land - etwa am Hauptbahnhof und am Flughafen Stuttgart. An letzterem ist die Werbung allerdings nun verschwunden. Dort heißt es an gleicher Stelle statt „Willkommen in The Länd“ nun „Stuttgart Airport welcomes you im Ländle.“ Man habe sich laut einem Sprecher allerdings nicht der Kritik aus der Gesellschaft gebeugt. „Ursache für den Wechsel ist schlicht, dass der gebuchte Zeitraum für die Länd-Kampagne an diesem Platz vorüber ist“, lautet die Erklärung. Deshalb habe der Flughafen wieder sein eigenes Willkommensplakat aufgehängt.

Während Regierungssprecher Arne Braun die Rückkehr zum Verniedlichungswort Ländle nicht gut findet, kann man in den sozialen Medien dieser Gewinnung deutlich mehr abgewinnen. „Ländle stimmt halt. Das andere ist teures Marketing, über das alle lachen“, schreibt ein User. „Ländle - Top. The Länd - Flop“, stimmt ein weiterer zu. Viele Nutzer sehen es jedoch nach wie vor als albern an, das Schwäbische in Kampagnen unterzubringen und schämen sich dafür. „Diese Peinlichkeit ist keine gute Werbung“, so ein User.

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