Werbe-Aktion des Staatsministeriums

Bürgermeister wütend über „The Länd“-Kampagne - „zum Fremdschämen“

Am Ortsschild von Dischingen hängt ein Zusatzschild mit der Aufschrift „Willkommen in THE LÄND“.
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Der Bürgermeister einer Gemeinde in Baden-Württemberg ist von einem „The Länd“-Schild unter dem Ortsschild nicht begeistert (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die neue Baden-Württemberg-Kampagne „The Länd“ polarisiert. Der Bürgermeister von Neckargemünd ist von der Aktion überhaupt nicht begeistert.

Neckargemünd - Vor wenigen Tagen tauchten in ganz Baden-Württemberg an vielen Stellen gelbe Schilder mit der Aufschrift „Willkommen in the Länd“ auf. Die rätselhaften „The Länd“-Slogans verwunderten viele Menschen. Ein User postete beispielsweise ein Schild, das er am Flughafen in Stuttgart entdeckt hatte und auch am Hauptbahnhof in Stuttgart hängen solche Slogans. Zudem wurden sie augenscheinlich über Nacht an nahezu allen Stadtbahnhaltestellen in der Landeshauptstadt Stuttgart und an zahlreichen Ortsschildern von Gemeinden und Städten im Südwesten angebracht.

Am vergangenen Freitag wurde der Hintergrund der Aktion in Stuttgart offiziell enthüllt. Vor Ort waren unter anderem Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Daimler-Chef Ola Källenius als Vertreter der Wirtschaft Baden-Württembergs. Das Land will mit der Werbekampagne „The Länd“ internationale Fachkräfte in den Südwesten locken. Im Netz sorgt die „The Länd“-Kampagne dagegen für Empörung. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Neckargemünd an der Grenze zu Hessen ist von dem Schild unter dem Ortsschild überhaupt nicht begeistert, wie er auf Facebook schreibt.

„The Länd“-Schild: Bürgermeister bezeichnet Vorgehen als „Guerilla-Aktion“

Die rätselhaften Slogens für die neue Werbekampagne Baden-Württembergs tauchten mehr oder weniger aus dem Nichts auf. So auch unter dem Ortsschild der Gemeinde Neckargemünd, wie Bürgermeister Frank Volk schreibt. „Am Montag hing plötzlich am Ortseingangsschild von Neckarsteinach kommend dieses Plakat“, schreibt er. „Keiner wusste etwas davon…auch die übergeordneten Behörden nicht.“ Dass die Schilder und Slogans zum Rätseln animieren sollen, war von der Landesregierung auch so geplant. „Das ist so gedacht und soll zum Rätseln einladen“, erklärte ein Sprecher des Staatsministeriums gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Alles andere sollte eben erst am vergangenen Freitag in Stuttgart erklärt werden.

Der Bürgermeister von Neckargemünd fühlte sich jedoch offenbar von der Aktion der Landesregierung überrumpelt. „Es handelt sich um eine ‚Guerilla-Aktion‘ des Staatsministeriums“, schreibt Frank Volk auf Facebook. Deshalb sei niemand eingeweiht worden. „Ein Schlag in das Gesicht für alle Vereine und Gewerbetreibende, die ordnungsgemäß eine Plakatierungsgenehmigung benötigen und beantragen.“ In dem Post macht der Kommunalpolitiker auch seinem Ärger darüber Luft, dass die 21 Millionen Euro für die Werbekampagne auch für andere Dinge hätten aufgewendet werden können. „Man hätte Förderungen aufstocken können, beispielsweise die landesweite Ausstattung mit Sirenen, die hinten und vorne nicht reichen wird. Oder Schulen fördern.“

„Fremdschämen für so eine Aktion“: Ärger über „The Länd“-Schild in Neckargemünd

Dass die Landesregierung die 21 Millionen Euro für die Werbekampagne „The Länd“ auch sinnvoller hätte nutzen können, war auch im Netz neben dem Namen einer der Hauptkritikpunkte. Der Namenshintergrund geht auf „Ländle“ zurück, wie Baden-Württemberg oftmals im Volksmund genannt wird, soll durch die Schreibweise „The Länd“ jedoch international lesbar sein. Damit ist der Bürgermeister der badischen Gemeinde an der Grenze zu Hessen allerdings überhaupt nicht einverstanden. „Ich bin Kurpfälzer und Badener“, macht er deutlich. Deshalb sei er durch die Volksabstimmung von 1952 eben auch Baden-Württemberger. „Was ich nicht bin: Teil ‚vom Ländle‘ oder nun, von ‚The Länd‘.“

Frank Volk ärgert sich demnach nicht nur über das Auftauchen des „The Länd“-Schildes unter dem Ortsschild von Neckargemünd, sondern auch über die Werbekampagne an sich. „Wie weit geht die Verballhornung der deutschen Sprache noch?“, schreibt er. „Reichten das Gendersternchen und Großbuchstaben mitten im Wort noch nicht?“. Aus vorherigen Versuchen habe man nichts gelernt, so der Bürgermeister weiter. „Ich sage nur: ‚Cringe‘ – Fremdschämen für so eine Aktion.“

Zusätzlich zu seinem Text auf Facebook postete Volk ein Bild, welches ein „The Länd“-Schild zeigt, das an einen Mülleimer angelehnt ist. In diese Tonne hätte das Schild eigentlich wandern sollen, doch es soll nun als Beweismittel aufbewahrt werden. Das Plakatieren an Verkehrsschildern sei nämlich nicht erlaubt. „Auch nicht dem Staatsministerium.“

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