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Notdienst mit großen Problemen - Stuttgarter Ärzte schlagen Alarm: „Patienten kommen nicht durch“

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Von: Nadja Pohr

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Ein Arzt telefoniert in einem Krankenhaus
Während die Rettungswagen und Notärzte „für Bagatellfälle in Anspruch genommen werden“, habe der ärztliche Bereitschaftsdienst kaum etwas zu tun, lautet die Kritik der Ärzteschaft in Stuttgart. (Symbolfoto) © IMAGO/Idhir Baha

Seitdem die Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes auf zentrale Callcenter umgestellt wurde, gibt es Probleme bei der Erreichbarkeit - lange Wartezeiten sind die Folge. Die Stuttgarter Ärzteschaft klagt über die Zustände.

Stuttgart - Anfang des Jahres 2022 wurde der ärztliche Bereitschaftsdienst mit der Rufnummer 116 117 in Baden-Württemberg auf zentrale Callcenter umgestellt. Seither laufen die Anrufe nicht mehr über die Leitstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sondern über die Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Doch der ärztliche Notdienst hat mit großen Problemen zu kämpfen. Schon kurz nach der Umstellung klagten Patienten über lange Wartezeiten oder die Erreichbarkeit über die 116 117. Da das Thema weiterhin ungeklärt ist und die Beschwerden der Kliniken zunehmen, schlagen nun auch Ärzte aus der Landeshauptstadt Stuttgart Alarm.

Stuttgarter Ärzte kritisieren Erreichbarkeit des Bereitschaftsdienstes stark: „Patienten kommen nicht durch“

Auch elf Monate nach der Umstellung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes funktioniere das System immer noch nicht. Neue Aufmerksamkeit bekam das Problem der Erreichbarkeit nun wieder, da sich die Krankenhäuser in der Region über eine wachsende Zahl von Patienten in den überlasteten Notaufnahmen beschwert hatten. Der Vorwurf lautete deshalb: Die Servicenummer der KV wird nicht genutzt. Allerdings sei das Problem nicht die Nutzung, sondern weiterhin die Erreichbarkeit, wie ein Arzt aus Stuttgart gegenüber der Stuttgarter Zeitung (StZ) klagt. „Die Patienten kommen nicht durch“, kritisiert er.

Die Anrufer würden viel zu lange in den Telefonwarteschleifen festhängen. „Deshalb verlieren die Patienten die Geduld und rufen die Nummer 112 an“, sagt der Stuttgarter Arzt. Während die Rettungswagen und Notärzte „für Bagatellfälle in Anspruch genommen werden“, habe der ärztliche Bereitschaftsdienst kaum etwas zu tun. „Damit warten am Wochenende vier Ärzte, die im Fahrdienst eingeteilt sind, zum Teil stundenlang auf Patienten, während diese ein paar Kilometer weiter vergeblich versuchen, bei der 116  117 durchzukommen“, beschreibt der Arzt die Umstände.

Ärztlicher Notdienst seit der Umstellung „weniger effizient“ - KV baut Servicestellen intensiv aus

Auch der Vorsitzende der Stuttgarter Ärzteschaft, Markus Klett, sagt der StZ, dass die 116 117 „meist dauerbelegt“ und der ärztliche Notdienst seit der Umstellung „weniger effizient“ sei. Manches sei zwar besser geworden, aber gut sei es deshalb noch nicht, so Klett. Weitere Ärzte drücken ihren Ärger noch deutlicher aus. „Das ist ein absolutes Unding, ein echter Graus“, kritisiert ein Hausarzt aus der schwäbischen Metropole. „So wie es im Augenblick läuft, geht es nicht.“

Die KV entgegnet, dass man die Servicestellen kontinuierlich ausbaue. Seit Oktober 2021 habe man das Personal verdoppelt. Derzeit arbeiten demnach 150 Angestellte in den Callcentern. Ziel sei es jedoch, „im nächsten Jahr auf 220 Beschäftige aufzustocken“. Dadurch habe sich die Situation insgesamt schon verbessert, heißt es. Lediglich an Samstagen und Sonntagvormittagen komme es noch „vereinzelt zu längeren Wartezeiten“, wie eine Sprecherin sagte. Die Ärzte können dem allerdings nicht zustimmen.

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