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Stuttgart vernichtet Wohnraum für Rosensteintunnel - „Stadt benimmt sich wie ein mieser Wohnungsspekulant“

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Von: Nadja Pohr

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Der Rosensteintunnel in Stuttgart.
Für den Bau des Rosensteintunnels erwarb die Stadt Stuttgart mehrere Gebäude in der Pragstraße, um sie abzureißen. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Der Rosensteintunnel soll den Verkehr in Stuttgart entlasten. Für den Bau ließ die Stadt einige Gebäude in der Pragstraße abreißen und vernichtet weiter Wohnraum.

Stuttgart - Nach acht Jahren Bauzeit wurde im März der Rosensteintunnel in Stuttgart fertiggestellt. Der 1,3 Kilometer lange Tunnel wird künftig den Knoten am Leuze von B 10 und B 14 mit der Pragstraße beim Löwentor verbinden und soll dadurch den Verkehr in Stuttgart entlasten. Kritische Stimmen befürchteten jedoch bereits vor der Eröffnung, dass der Rosensteintunnel mehr Nach- als Vorteile mit sich bringen werde.

Tatsächlich kam es kurz nach der Eröffnung des Tunnels in Stuttgart zu Staus statt dem gewünschten Verkehrsfluss und die Bürger attestierten der Politik in Stuttgart bereits „ein Versagen de luxe“. Das 456 Millionen Euro teure Projekt in Baden-Württemberg kommt nicht gut weg. Nicht zuletzt aber auch, weil für den Rosensteintunnel eine Menge Wohnraum vernichtet wurde - und weiterhin wird.

Stuttgarter Wohnraum fällt Millionen-Projekt Rosensteintunnel zum Opfer

Zum einen ist es für die Landeshauptstadt offenbar äußerst schwierig, ausreichend günstigen Wohnraum zu schaffen. Das zeigt sich gerade auch mit dem Zustrom an Ukraine-Flüchtlingen nach Stuttgart. Zum anderen hat die Stadt im Zuge des Baus des Rosensteintunnels an der Pragstraße Häuser aufgekauft, um sie abreißen zu können. Im Bebauungsplan für den 456-Millionen-Tunnel soll der Stadt der Erwerb einiger Gebäude empfohlen worden sein.

Der Grünen-Bezirksbeirat Peter Mielert zeigt sich verärgert über das Vorgehen der Stadt. „Nie im Leben hätte ich gedacht, dass sich die Stadt Stuttgart wie der mieseste Wohnungsspekulant benimmt“, sagt er. „Also nach dem Muster vorgeht, neben noch bewohnten Wohnungen die benachbarten abzureißen und damit die Lebensbedingungen der Menschen so zu verschlechtern, dass sie gezwungen werden, den Wohnort zu verlassen.“

In Stuttgart werden weitere Wohnhäuser für den Rosensteintunnel abgerissen

Inzwischen hat sich die Stadt Stuttgart auch mit dem letzten privaten Wohnungseigentümer in der Pragstraße 148 sowie mit dem Grundstückseigentümer des Grundstücks „Bei der Meierei 1“ geeinigt. Die Gebäude sollen in naher Zukunft ebenfalls abgerissen werden. Außerdem sollen die Gespräche mit der Eigentümerin des angrenzenden Grundstücks „Bei der Meierei 3“ fortgeführt werden, heißt es. Aufgrund der zu erwartenden Lärm- und Luftschadstoffentwicklung soll das Wohnen dort nicht mehr möglich sein.

Das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg vermeldet dagegen „eine positive Entwicklung“ bei der Stickstoffdioxid-Konzentration an der Messstelle in der Pragstraße 96/98. Diese soll jedoch auf die bereits ergriffenen Maßnahmen, wie das Verkehrsverbot für Euro-5-Diesel (und älter) oder die Tempolimits zurückzuführen sein. Doch auch der Abriss zweier Gebäude soll Wirkung gezeigt haben und zu einer besseren Durchlüftungssituation und damit zu einer Abnahme geführt haben.

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