Aktion schlägt auf Facebook Wellen

Stuttgarts OB Nopper lässt Gedenktafel für Hanau-Morde von Rathaus entfernen – „Position wie von der AfD“

Stuttgart Rathaus
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Eine ohne die Genehmigung der Stadtverwaltung angebrachte Gedenktafel an der Mauer des Stuttgarter Rathauses (Archivbild) sorgt für Ärger.
  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper will die Gedenktafel für die Hanau-Morde nicht am Rathaus angebracht haben – doch es regt sich Widerstand.

Stuttgart – Ein illegal am Rathaus angebrachtes Schild zum Gedenken an die Opfer von Hanau erhitzt derzeit die Gemüter in der Landeshauptstadt Stuttgart. Hintergrund ist, dass Oberbürgermeister Frank Nopper* (CDU) das Schild, das 2021 von der Initiative „Stuttgart gegen Rechts“ angebracht wurde, entfernen will. „Vor einem Jahr hatte die Stadtverwaltung die Tafel bereits ein erstes Mal entfernen lassen, unter anderem aus Gründen der Gleichbehandlung“, heißt es zur Begründung. (BW24* berichtete)

Die illegale Anbringung eines Schildes – das großflächig fest mit dem Mauerwerk verbunden ist – ist aus Sicht der Stadtverwaltung „kein geeignetes Mittel“, um einen Prozess zum Thema Erinnerungskultur in Gang zu setzen. Kurz und gut: Die Tafel soll weg und durch eine andere Form des Gedenkens ersetzt werden. Nopper: „Wir sollten gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Erinnerungskultur eine geeignete Form des Gedenkens für alle Opfer extremistischer Gewalt finden.“

Zoff wegen Gedenktafel in Stuttgart: „Rathaus ist keine politische Litfaßsäule“

Inzwischen liegt ein Vorschlag vor, wo ein Erinnerungsort an die Opfer des Anschlags von Hanau errichtet werden kann – abseits der Rathaus-Mauer. Dass die Gedenktafel hier grundsätzlich wegmuss, finden einige Menschen richtig. Auf Facebook schreibt ein User, dass man ansonsten für alles eine Tafel aufhängen müsste. „Eine Ausnahme wären Ereignisse in der Stadt, welche man so in Erinnerung halten kann – mehr aber auch nicht.“ Ein anderer Nutzer wird noch deutlicher und textet:

„Das Rathaus ist keine politische Litfaßsäule!“ Es gibt aber auch die andere Seite, die es nicht nachvollziehen kann, weshalb die Tafel abgebaut wird. Stadtrat Luigi Pantisano (Die Linke) findet die Entscheidung der Stadtverwaltung falsch. Auf Anfrage von stuggi.tv gibt Pantisano zu bedenken, dass Nopper sonst auch keine symbolische Aktion auslasse und ergänzt: „Man sieht ihn doch dauernd beim Schleifen durchschneiden oder Spätzle schaben.“

Linken-Stadtrat ist sauer – „Positionierung hätte von AFD kommen können“

Aber ausgerechnet, wenn es um die Opfer rassistischer Gewalt gehe, nehme sich Nopper heraus und lasse die Stadt Stuttgart als Institution schlecht dastehen. Pantisano auf stuggi.tv-Anfrage knallhart: „So eine Positionierung hätte auch von der AfD kommen können.“ Stadträtin Lucia Schanbacher von der SPD steht ähnlich dazu und bemerkt, dass die Erinnerung an die Opfer von Hanau heute noch genauso aktuell wie 2020 sei. Aus ihrer Sicht ist die Demontage der Tafel wenig sinnvoll.

So eine Positionierung hätte auch von der AfD kommen können.

Luigi Pantisano, Stadtrat von Stuttgart

Schanbacher: „Ich gehe fest davon aus, dass wenn die Gedenktafel entfernt würde, im nächsten Jahr eine neue aufgehängt wird, solange bis es einen adäquaten Erinnerungsort gibt.“ Aus ihrer Sicht muss es endlich einen solchen Erinnerungsort in Stuttgart für die rassistischen Morde geben. Eine Ansicht, die auch OB Noppers Parteikollege, CDU-Stadtrat Markus Reiner, teilt. „Vielleicht kann man einen Platz in Stuttgart finden, aber das muss nicht unbedingt am Rathaus sein.“

Gedenktafel an Stuttgarter Ratshausmauer soll weg – aber es gibt ein Problem

Noch ist unklar, wie eine alternative Lösung ganz konkret aussehen kann. Fest steht, dass die Gedenktafel am Rathaus für die Opfer von Hanau noch hängt, denn: Sie ist sehr fest verklebt. „Die Tafel ist so fest mit dem Mauerwerk der historischen Fassade verklebt, dass sie bislang nicht entfernt werden konnte“, sagt Susanne Kaufmann, die Sprecherin von OB Nopper zum aktuellen Stand.

Die Gedenktafel für die Opfer von Hanau ist übrigens nicht das einzige Thema, dass in Stuttgart aktuell für Aufsehen sorgt. In einer Bananenreiferei nahe Stuttgart wurden hunderte Kilogramm Kokain* entdeckt – einer der größten Drogenfunde aller Zeiten, heißt es von der Polizei*. Und auch die rasant steigenden Gaspreise in Baden-Württemberg* sind akut ein Thema, das die Menschen hier im Südwesten beschäftigt. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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