Schlechtere Fitness

Forscher besorgt: Kinder werden durch Corona immer unfitter - Folgen „könnten verheerend sein“

Richtige Einstellung: Schluss mit ungewollten In-App-Käufen
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Kinder verbringen laut einer Studie in der Pandemie mehr Zeit vor dem Bildschirm.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Im Pandemie-Jahr haben sich Kinder weitaus weniger bewegt. Vor allem ein Negativtrend besorgt die Forscher einer Studie für den Südwesten.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat im zurückliegenden Jahr nicht nur den Schulbetrieb eingeschränkt. Für viele Kinder bedeutete die Pandemie auch weitaus weniger Sport als sonst. Bereits vor den Lockdowns zeichnete sich ein Negativtrend ab. Die Kinderturnstiftung wies im vergangenen Jahr in einer Studie darauf hin, dass Kinder in Baden-Württemberg immer dicker würden.

Angesichts dessen äußerten Sportwissenschaftler mehrfach die Sorge, dass der durch die Pandemie eingetretene Bewegungsmangel die Entwicklung der Kinder weiter beeinträchtigen könnte. Das nun veröffentlichte „Fitnessbarometer 2021“ der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg bestätigt den Verdacht. Laut der Studie leiden vor allem die motorischen Fähigkeiten der Kinder. Demnach seien die Kinder schon nach neun Monaten der Pandemie, also Ende 2020, tendenziell langsamer und weniger ausdauernd geworden. Bei Kraft, Beweglichkeit und Koordination sei das „noch nicht der Fall“, heißt es.

Kinder in Baden-Württemberg haben fast eine halbe Stunde weniger organisierten Sport betrieben

Das Schlimmste könnte dabei nach Ansicht der Forscher, die seit 2012 die Fitness von Drei- bis Zehnjährigen im Südwesten untersuchen, noch bevorstehen. Erst in den kommenden Jahren seien Aussagen über die nachhaltigen Auswirkungen der Pandemie auf die Fitness der Kinder möglich, sagte Professor Klaus Bös vom Karlsruher Institut für Technologie, das mit Sportwissenschaftlern an der Studie mitarbeitet. Aber schon jetzt müssten wieder angeleitete Bewegungsangebote im Turn- und Sportverein sowie in der Schule im Sportunterricht möglich werden. „Sonst werden die Ergebnisse im nächsten Jahr verheerend sein.“

Vor allem die Schließung der Turn- und Sportvereine im Lockdown habe sich auf den Bewegungsdrang der Kinder ausgewirkt. Im Schnitt hätte das für die Kinder 28,5 Minuten weniger organisierten Sport pro Tag bedeutet. Gleichzeitig habe die Zeit vor Bildschirmmedien um rund eine Stunde pro Tag zugenommen.

Kindern in Baden-Württemberg fehlt der Vereinssport, um motorische Fähigkeiten zu verbessern

Viele Sportvereine hatten in der Pandemie digitale Formate entwickelt, um dem Bewegungsmangel bei den Kindern entgegenzuwirken. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass Training vor der Kamera und zu Hause nicht den Vereinssport ersetzen könne. Die Qualität im Vereinssport sei besser, sagte Susanne Weimann, die geschäftsführende Vorständin der Kinderturnstiftung. „Sie spielt damit eine wichtige Rolle für die Förderung der motorischen Fähigkeiten und somit für den Aufbau und den Erhalt der Fitness.“ Zudem fördere Bewegung die psychische, soziale und kognitive Entwicklung der Kinder. Laut Robert Koch-Institut kann körperliche Aktivität auch der Entwicklung von Fettleibigkeit (Adipositas) im Kindes- und Jugendalter vorbeugen.

Nicht nur der Sportmangel setzt nach Ansicht einiger Eltern den Kindern in der Pandemie-Zeit zu. Auch die zahlreichen Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Schulbetrieb sehen Elterninitiativen als Gefahr. Zuletzt hatten im Kreis Esslingen Eltern gegen die Maskenpflicht für Kinder protestiert. Zuvor hatten auch im Landkreis Calw Tausende Eltern die Maskenpflicht bei Kindern kritisiert. Inwiefern sich ein Mund- und Nasenschutz auf die Gesundheit von Kindern auswirkt, ist indes noch nicht erforscht.

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