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Streit um Nutzung von „Faulem Pelz“ - Keine Fledermäuse im Ex-Knast

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Gefängnis "Fauler Pelz" in Heidelberg
Eine Treppe führt zu einem Gebäude des ehemaligen Gefängnisses „Fauler Pelz“. © Uwe Anspach

Schützenswerte Fledermäuse sind nicht selten ein Grund, weswegen Bauprojekte stocken. Auf den Heidelberger Ex-Gefängnis trifft das zur Freude des Sozialministeriums nicht zu. Es sieht eine weitere Hürde zur Modernisierung des «Faulen Pelzes» genommen.

Heidelberg (dpa/lsw) - Im Streit um die Nutzung des früheren Gefängnisses «Fauler Pelz» in Heidelberg sind aus Sicht des Landes alle Bedingungen für dessen Nutzung für den Maßregelvollzug erfüllt. Das Heidelberger Bauamt müsse sich jetzt rasch mit dem Antrag des Landes befassen, in dem Gebäude 80 Plätze für die Therapie alkoholkranker Straftäter einzurichten, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

So sei eine verlangte Expertise zu dem Schluss gekommen, dass in dem alten Gemäuer keine Fledermäuse lebten. «Selbst wenn es welche gäbe, so wären sie durch die Bauarbeiten laut artenschutzrechtlicher Vorprüfung auch nicht gefährdet gewesen», fügte er hinzu.

Überdies sei man der Stadt bei der Frage nach Autostellplätzen entgegengekommen, obwohl die Zahl der verlangten elf Plätze jeder Grundlage entbehre. «Auf freiwilliger Basis sind wir diesem - scheinbar für die Stadt wichtigen - Anliegen aber nachgekommen und haben unseren Stellplatznachweis entsprechend modifiziert», sagte der Sprecher weiter. Die Stadt will das landeseigene Gebäude mitten in der Altstadt der Universität überlassen.

Da die Zentren für Psychiatrie, wo drogenabhängige und psychisch Kranke behandelt werden, überfüllt sind, sucht das Land dringend nach Ausweichmöglichkeiten, bis Neu- und Erweiterungsbauten fertig sind. Damit soll auch verhindert werden, dass Straftäter wegen Platzmangels vorzeitig auf freien Fuß kommen. Für Heidelberg ist vorgesehen, 2025 das Gebäude für die Universität freizugeben. Die Stadt befürchtet angesichts von geplanten Investitionen von elf Millionen Euro aber, dass die temporäre Lösung doch zur Dauerunterbringung werden könnte.

Der Heidelberger Gemeinderat hatte beschlossen, den Bauantrag ein Jahr zurückzustellen. Durch die Einwirkung des Regierungspräsidiums Karlsruhe war dieser Plan aber zunichte gemacht worden. Sozialminister Manne Lucha (Güne) hatte dem Baurechtsamt «Drangsaliererei» vorgeworfen. Dieses stelle ständig neue Forderungen an den Bauantrag des Ministeriums. Aus Sicht des Rathauses ist es «Alltagsgeschäft», wenn geprüft werde, ob sich in dem Komplex Fledermäuse eingenistet haben.

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