Eltern gehen auf Barrikaden

Freiburg: Schülerin spricht Türkisch und bekommt Strafarbeit – Streit noch nicht beendet

Freiburg/Schwarzwald: Ein Mädchen bekommt eine Strafarbeit, weil sie in der Pause Türkisch spricht. Das löst eine Welle der Empörung aus. Der Streit ist nach vier Wochen immer noch nicht beigelegt: 

  • In einer Grundschule im Schwarzwald (Baden-Württemberg) gibt eine Lehrerin einer Schülerin eine Strafarbeit auf.
  • Ein Schülerin hat in der Pause Türkisch gesprochen.
  • Die Eltern wollen mit einem Anwalt gegen die Strafe vorgehen.
  • Laut dem Regierungspräsidium Freiburg gibt es eine Klassenregel.

Update vom 6. August: Der Streit um die Strafarbeit ist noch nicht zu Ende. Die Eltern werfen der Lehrerin vor, von der Klassenregeln nie etwas gehört zu haben. Die Klassenregel besagt, dass in der Schule nur Deutsch gesprochen werden soll. Unter anderem verweisen sie und ihr Anwalt auf ein Mitschrieb der 9-jährigen Tochter. Auf dem Papier, das dem Spiegel vorliegt, zählt das Mädchen alle Schulregeln auf – von dem Verbot, eine Fremdsprache zu sprechen, steht allerdings nichts. Das Regierungspräsidium Freiburg schickt jedoch prompt das Schriftstück eines anderen Schulkindes – darin ist die Schulregel wiederum enthalten.

Das Regierungspräsidium Freiburg äußert sich zunächst nur zu der Deutschpflicht, die an dieser Schule nicht diskriminierend sei. Allerdings solle „die Kommunikation mit der Elternschaft auf diesem pädagogischen Feld intensiviert und damit verbessert werden." Für die Eltern reicht das aber nicht. Der Anwalt solle nun klären, ob auch für andere Sprachen wie Englisch eine Strafarbeit aufgetragen würde. Außerdem behalte er sich eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Lehrerin vor.

Die Drittklässlerin hatte bereits den Aufsatz mit dem Thema „Warum wir in der Schule Deutsch sprechen!" verfasst. Er war eine halbe Seite lang.

Schülerin spricht in der Pause Türkisch und wird bestraft – Schulbehörde verteidigt Lehrerin

Update vom 28. Juli: Wie sich jetzt herausstellt, hat sich der Vorfall an der Grundschule im Schwarzwald schon am 8. Juli zugetragen. Die Grundschule in Blumberg im Schwarzwald habe einen Migrationsanteil von 47 Prozent, zitiert der Südkurier das Regierungspräsidium Freiburg und die Schulbehörde. Da die Schüler aus 16 Nationen kommen, sei „Deutsch zu sprechen“ essentiell und würde auch regelmäßig thematisiert in den Klassen werden. Die Vorgabe „Deutsch zu sprechen“ ist Bestandteil der Klassenregeln, auf die sich Schülerinnen und Schüler zu jedem Schuljahresbeginn einigten. Bei Elternabenden werde dies ebenfalls thematisiert. In diesem Rahmen wurde auch vereinbart, dass bei Verstoß dieser Regel ein Aufsatz zum Thema „Warum wir in der Schule Deutsch sprechen“ geschrieben werden muss.

Auf Basis dieser Grundlage habe die Drittklässlerin ihre Strafarbeit erhalten. Am 8. Juli ist es zum wiederholten Mal auf einem Klettergerüst im Pausenhof zu Streitigkeiten gekommen. Zwei der Schülerinnen auf dem Klettergerüst sprachen wiederholt in der Pause Türkisch. Die anderen Schüler haben sich daraufhin bei der Lehrerin darüber beschwert.

Schon am nächsten Tag habe die Schulleitung das klärende das Gespräch mit den Eltern gesucht, diese hätten jedoch schon einen Anwalt eingeschaltet und verzichteten auf das Gespräch. Die Strafarbeit hatte die Lehrerin wieder zurückgenommen, das Mädchen hatte sie jedoch ohne das Wissen ihrer Eltern bereits abgegeben. Diskriminierungsvorwürfe weist das Schulamt entschieden zurück.

Schülerin spricht in Pause Türkisch – Reaktion der Lehrerin löst Welle der Empörung aus

Erstmeldung vom 23. Juli:Warum wir in der Schule Deutsch sprechen!“ – so lautet das Thema einer Strafarbeit, über die gerade hitzig diskutiert wird. Hintergrund: Eine Drittklässlerin wird während der Pause dabei „erwischt", wie sie mit einer Freundin Türkisch spricht. Eine Lehrerin verdonnert sie deshalb zu einer Strafarbeit.

Als das Mädchen ihren Eltern von der Strafarbeit berichtet, können sie es kaum glauben und schalten sofort den Anwalt ein. Wie der SWR berichtet, wollen die Eltern gegen die Strafe vorgehen. Der Fall wird von der Schulaufsicht nun behandelt.

Freiburg/Schwarzwald: Drittklässlerin erhält Strafarbeit – weil sie Türkisch gesprochen hat

Eine offizielle Stellungnahme der Grundschule aus dem Schwarzwald zur Strafarbeit gibt es bislang nicht, wie HEIDELBERG24* berichtet. Dafür äußert sich eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg gegenüber dem SWR. „Selbstverständlich nehmen wir derartige Vorwürfe einer Diskriminierung von Personen oder Gruppen sehr ernst“, so die Sprecherin. Man warte auf eine Antwort von der Schule. „Eine abschließende Stellungnahme liegt uns noch nicht vor. Deshalb können wir auch derzeit keine Bewertung des Vorgehens der Schule beziehungsweise der Lehrkraft abgeben.

Aber ist die Strafarbeit nicht von vornherein rechtswidrig gewesen? Tatsächlich gebe es kein generelles Verbot, sich in der Schule oder Pause in einer Fremd- beziehungsweise Muttersprache zu unterhalten. Allerdings gebe es laut der Sprecherin Situationen, in denen es aus pädagogischer Sicht Sinn macht, Schüler dazu zu zwingen, Deutsch zu sprechen. „Dazu kann beispielsweise gehören, dass man sich bei Konflikten in einer für alle Beteiligten verständlichen Sprache ausdrückt.“

Freiburg/Schwarzwald: Strafarbeit für Mädchen – Massnahme stößt auf Kritik

Die Föderation der Vereine Türkischer Elternbeiräte in Baden e.V. ist entsetzt über die Strafarbeit für das Mädchen. „Es kann nicht sein, dass Schülerinnen eine Bestrafung bekommen, weil sie außerhalb des Unterrichts im Pausenhof sich untereinander in der türkischen Muttersprache unterhalten“, teilt der Vorsitzende Kemal Ülker mit. Durch das Verhalten der Lehrerin seien die Kinder verunsichert und verängstigt worden. jol (*HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © Maja Hitij

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