Genetische Zwillinge

Tattoostudio-Chef rettet Mädchen mit Stammzellen-Spende das Leben

Semere Yebio im Krankenhausbett, er gibt einen Daumen nach oben.
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Semere Yebio aus Albstadt hat im Tübinger Uni-Klinikum eine Stammzellenspende abgegeben - er ist überglücklich, dass er helfen konnte und ermutigt Menschen, sich bei der DKMS registrieren zu lassen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Semere Yebio aus dem baden-württembergischen Albstadt hat sich vor zehn Jahren bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS registrieren lassen. Dank ihm lebt ein todkrankes Mädchen weiter.

Tübingen - In Deutschland erkrankt alle 45 Minuten ein Mensch an Blutkrebs. Für viele Betroffene ist eine Stammzellenspende die einzige Chance auf Heilung. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS sensibilisiert seit langem für diese Problematik. Zwar ist die Suche nach dem „genetischen Zwilling“ für Leukämie-Kranke oft schwer - wenn es klappt, ist das jedoch ein großes Glück.

Das Coronavirus* hat die DKMS im vergangenen Jahr vor ungeahnte Herausforderungen gestellt. Neuregistrierungen gingen in der Pandemie zurück. Geschichten wie die des Albstädters Semere Yebio geben in diesen Zeiten Kraft und Hoffnung. Mit einer Stammzellenspende hat der 30-Jährige einem jungen Mädchen mit Blutkrebs das Leben gerettet, wie der Zollern-Alb-Kurier (ZAK) berichtet. In Albstadt ist Yebio kein Unbekannter: Als Leiter des Tattoostudios „Lifestyle Garage“ hat er sich bereits einen Namen gemacht.

Stammzellenspende: Überraschende Nachricht kam im Herbst 2020

Es sei ein „unglaubliches Gefühl, das er jedem wünscht“, sagte Semere Yebio dem ZAK. Bereits seit zehn Jahren sei er beim DKMS registriert gewesen, als ihn im Herbst 2020 die überraschende Nachricht über seinen genetischen Zwilling erreichte. Es habe ihn so glücklich gemacht, dass er es sofort seiner Freundin erzählen musste. Nach Telefonaten mit dem DKMS brachten ein Besuch beim Hausarzt sowie einem umfangreichen Körpercheck im Krankenhaus Tübingen endgültige Gewissheit: Yebio war der geeignete Spender.

Die Entnahme der Stammzellen könne man etwa mit einer Blutplasmaspende vergleichen, sagte Yebio dem ZAK. „An beiden Armen wurden mir Zugänge gelegt und so die benötigten Stammzellen aus meinem Blut entnommen.“ Die größte Hürde seien die Selbstinjektionen im Voraus gewesen, bei der das Wachstum der Stammzellen angeregt wird. Die Angst vor der Spritze sei jedoch mit dem Gedanken an das kranke Mädchen sofort verflogen, so Yebio.

Stammzellenspender ist „unheimlich glücklich“

Stichtag für die Spende war im Dezember. „Das tolle Team in der Uni-Klinik in Tübingen empfing mich freundlich und erklärte bei einer kleinen Stärkung nochmal den gesamten Ablauf“, sagte der Tattoostudio-Besitzer dem ZAK. Drei Stunden lang habe die Prozedur der Stammzellenentnahme gedauer - es sei wie im Flug vergangen, da er nebenher lesen oder sich mit dem Smartphone beschäftigen konnte.

Nach Weihnachten erreichte ihn dann die glückliche Nachricht: Dem todkranken Mädchen wurde durch die Stammzellenpende geholfen. Im Gespräch mit dem ZAK wird deutlich, wie sehr es nicht nur ihr Leben, sondern auch das von Semere Yebio verändert hat: „Ich strotzte nur so vor Stolz und war unheimlich glücklich, mit so wenig Aufwand jemandem eine zweite Lebenschance gegeben zu haben: Ich habe ein Leben gerettet.“

Direkter Kontakt zwischen Stammzellenspender und Patientin erst in zwei Jahren möglich

Bislang weiß Semere Yebio noch nicht, wer das Mädchen ist. Rechtlich ist ein Kennenlernen von Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Stammzellenspende erlaubt. Bis dahin können sie jedoch anonym per Brief in Kontakt treten. „Das Mädchen hat sich unheimlich lieb bei mir bedankt“, sagte Yebio dem ZAK. Gerne würde er sie nach Ablauf der Frist persönlich kennenlernen - schließlich sei sie sein genetischer Zwilling.

Auf seiner Facebook-Seite teilte das Tattoostudio „Lifestyle Garage“ den Bericht über die Stammzellenspende und schrieb: „Wir möchten euch hiermit gerne aufmerksam machen, wie einfach es ist, etwas Gutes zu tun. Registriert euch bei der DKMS Deutschland und rettet Leben.“ *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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