Anwohner entzürnt

„Biergarten-Chaos“ befürchtet: Stadt Heidelberg verbietet Einwohnern das Sitzen vor der Haustür

Heidelberger Altstadt und Schloss
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In der Heidelberger Altstadt herrscht dicke Luft.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Anwohner in der Heidelberger Altstadt sind verzweifelt. Der Ordnungsdienst verbietet ihnen, vor ihren Wohnhäusern zu sitzen. Dabei haben sie es jahrzehntelang so gemacht.

Heidelberg - Bewohner der Heidelberger Altstadt verstehen die Welt nicht mehr. In der Pfaffengasse ist das Sitzen vor dem eigenen Haus jetzt verboten. Das hat der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) so beschlossen. Bislang ist das Aufstellen von Tischchen und Stühlchen nie ein Problem gewesen. Viel los ist in der kleinen Seitengasse eigentlich nicht.

Wie Anwohner Peter Baust der Rhein-Neckar-Zeitung berichtet, habe er gemeinsam mit drei Freunden - alle Rentner - freitagabends ein Glas Wein an einem schmalen Klapptisch getrunken. Um 21 Uhr hätte der Ordnungsdienst die kleine Zusammenkunft aufgelöst und die Personalien aufgenommen.

Die Begründung: Man wolle ein „Biergarten-Chaos“ in der Pfaffengasse verhindern. Als Baust am Tag darauf alleine vor der Tür saß, hätten die Ordnungshüter abermals vorbeigeschaut und es ihm untersagt. Mit der Begründung: Rettungswege müssen frei bleiben.

Heidelberger Anwohner entzürnt: „Anstatt die Täter zu bestrafen, straft die Stadt die Opfer“

Das Verhalten von Stadt und Ordnungsdienst sei „blanker Hohn“, meinen die Anwohner im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung. Selbst die Müllabfuhr komme problemlos durch die Gasse, daher dürfte es für den Rettungsdienst locker möglich sein. Bei dem Treffen mit der Zeitung teilte auch Kurt Baust seine Eindrücke. Mit 104 Jahren ist er der älteste Einwohner Heidelbergs. Schon seit er 17 Jahre alt ist, wohnt er in dem malerischen Haus in der Pfaffengasse - auch er saß häufig draußen.

Besonders hart trifft die Anwohner die Anweisung des Ordnungsamtes auch deshalb, weil sie seit langer Zeit den Krawall des Feiervolks aushalten müssen - oft bis spät in die Nacht hinein. Party-Gänger, die sich vor den Hauseingängen erbrechen, Müll und Scherben sind offenbar keine Seltenheit.

„Seit Jahren leiden wir unter Lärm, Schmutz, Krawall und schlaflosen Nächten“, schildern die Anwohner aus der Pfaffengasse die Situation gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung. „Anstatt die Täter zu bestrafen, bestraft die Stadt neuerdings die Opfer.“

Ordnungsamt Heidelberg: Auch Anwohner der Krämergasse wurden verscheucht

Die Menschen aus der Pfaffengasse sind jedoch nicht die ersten, die mit dem Kommunalen Ordnungsdienst negative Erfahrungen gemacht haben. Erst Ende Juni haben sich Anwohner in der Krämergasse über die Ordnungshüter geärgert, die auch ihnen das Platznehmen vor der eigenen Haustür untersagte. Die Stadt steht laut der Rhein-Neckar-Zeitung voll hinter dem Vorgehen des Ordnungsamts.

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