Strafe trotz gültigem SBB-Ticket

Stuttgart: Mann sucht zu lange nach seiner Fahrkarte - und muss zahlen

Wagen der SSB-U-Bahn U12 stehen an einer Haltestelle.
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Obwohl er ein gültiges Ticket hatte, musste ein Rentner in einer Stadtbahn in Stuttgart jetzt zahlen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Wer ein gültiges Ticket hat, muss vor den Kontrolleuren in der Bahn nichts fürchten. Anders ging es einem Rentner in Stuttgart: Er muss zahlen - weil er zu lange brauchte, um seine Fahrkarte zu finden.

Stuttgart - Wer kennt ihn nicht, den Ruf „Fahrkartenkontrolle“, wenn die Männer und Frauen in blauer Uniform in die Stadtbahn steigen? In manchen Menschen löst das Auftauchen der Kontrolleure Unruhe aus, hastig suchen sie nach ihrem Fahrschein. Ist er in der Hosentasche, in der Jacke oder doch im Geldbeutel? Eigentlich sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn man ein gültiges Ticket für die U-Bahn hat - was kann dann schon passieren? Ein Mann aus der Landeshauptstadt Stuttgart kann darüber eine Geschichte erzählen: Obwohl der 81-Jährige sein Seniorenticket bei sich hatte, muss er nun zahlen - eine Bearbeitungsgebühr.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, war der Mann am Morgen des 11. März mit der Stadtbahn Stuttgart von Sillenbuch zum Schlossplatz unterwegs. Auf Höhe des Charlottenplatzes wurde der 81-Jährige kontrolliert - und konnte sein Seniorenticket nicht auf Anhieb finden. Daher habe man ihm einen Beleg ausgestellt, mit dem er seine Fahrt beenden konnte, berichtet der Senior. Auf diesem war jedoch auch vermerkt, dass er ein sogenanntes erhöhtes Beförderungsentgelt in Höhe von 60 Euro bezahlen müsse.

SSB: Fahrgast konnte seinen Fahrschein nicht schnell genug finden und muss Bußgeld zahlen

Wie es kommt, dass er ein Bußgeld zahlen muss, obwohl er seinen Fahrschein dabei hatte? Weil er ihn nicht auf Verlangen vorzeigen konnte. Das ließ sich der Mann noch am selben Tag in einem Kundencenter der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) bestätigen. Weil er noch am selben Tag den Besitz des Seniorentickets nachweisen konnte, entfiel für den 81-Jährigen das erhöhte Beförderungsentgelt - die Bearbeitungsgebühr in Höhe von sieben Euro muss er dennoch zahlen. Darüber ärgert sich der Rentner nun: „Die SSB-Haltung ist realitätsfremd und inakzeptabel.“ Wie die Stuttgarter Zeitung schreibt, empfinde er es als unverschämt, dass er zur Kasse gebeten werde, obwohl er im Besitz eines Tickets sei. Das sei Rechtsbeugung.

Wie die SSB auf Nachfrage der Stuttgarter Zeitung erklärt, komme es recht häufig vor, dass Fahrgäste ihre Tickets nicht rechtzeitig finden können. Die Prüfer könnten nur beurteilen, ob ein Fahrgast seine Fahrkarte im Moment der Kontrolle vorzeigen kann, und nicht, ob er generell im Besitz eines Tickets ist. Könne ein Fahrgast seinen Fahrschein nicht vorzeigen, werde immer ein erhöhtes Beförderungsentgelt in Höhe von 60 Euro ausgestellt - dafür gebe es eine bundesweit einheitliche Regel. Seitens der SSB heiße es, man könne keine Ausnahmen machen, da man auf eine Gleichbehandlung aller Fahrgäste wert lege.

„Es geht einfach ums Prinzip“: Rentner will juristisch gegen SSB-Bußgeld vorgehen

Wenn der Fahrgast, wie im Fall des Seniors, im Nachhinein nachweisen kann, dass er oder sie zum Zeitpunkt der Kontrolle ein gültiges Ticket besessen hat, muss das Entgelt nicht vollständig bezahlt werden: Dann fallen lediglich die sieben Euro Bearbeitungsgebühr an. Das seien die Regeln im ganzen Verkehrsverbund Stuttgart. Der Mann überlege dennoch, ob er nicht juristische Schritte einleiten wird: Es gehe ihm nicht um die sieben Euro, sagt er, sondern „es geht einfach ums Prinzip“.

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