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Spaßbäder in der Energiekrise - Wird der Eintritt unbezahlbar?

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Geschlossenes Hallenbad
Vor allem in großen Städten ist diese Sorge verbreitet, dass die Sparmaßnahmen wegen der Energiekrise viele persönlich belasten. © Uwe Anspach/dpa

Vor der Arbeit noch ein paar Bahnen ziehen und mit der Familie am Wochenende ins Spaßbad: Für viele ist der Schwimmbadbesuch ein Freizeitvergnügen. Doch in der Energiekrise könnte sich das ändern.

Stuttgart (dpa/lsw) - Mit kalten Saunas, leeren Rutschen und teureren Eintrittskarten starten viele Freizeitbäder im Südwesten in die Herbstsaison. Die Bäder müssten wegen der Energiekrise ihr Angebot einschränken und zum Teil auch mehr Eintritt verlangen, sagte Necdet Mantar, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft öffentliche Bäder Baden-Württemberg und Leiter der Reutlinger Bäder.

Die hohen Energiekosten treiben die Ausgaben in die Höhe: Manche Bäderleiter erwarten nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur eine doppelt so hohe Gasrechnung. Andere sparen, um einer zwangsweisen Schließung durch die Städte und Kommunen vorzubeugen.

Die Sauna ist im «Stadionbad Ludwigsburg» schon seit dem Sommer geschlossen, die Wassertemperaturen sind niedriger. Die Schritte dienten nach Angaben des Bads dazu, den Energiesparplan der Stadt Ludwigsburg umzusetzen, die ihren Erdgasverbrauch um 20 Prozent minimieren und so einen Gasmangel vermeiden will. «Wir wollen schauen, dass alle Bürger gut über den Winter kommen», sagte eine Sprecherin des «Stadionbad Ludwigsburg».

Solche Maßnahmen ergreifen laut Arbeitsgemeinschaft öffentliche Bäder Baden-Württemberg derzeit viele Einrichtungen. «Die Energiekrise trifft uns sehr hart», sagte Mantar. Er geht davon aus, dass Besucher von der Jahreswende an in den meisten Bädern mit fünf bis zehn Prozent höheren Eintrittspreisen auskommen müssen.

Gleich zehn Euro mehr pro Gast verlangt das «Badkap» in Albstadt (Zollernalbkreis) seit Mitte September. «Das halte ich für fraglich», sagt Mantar dazu. Ein solcher Energiezuschlag sei eine Ausnahme in der Branche.

Bisher drehten die Freizeitbäder noch kaum an der Preisschraube. Im großen Wasserpark «Rulantica» im Ortenaukreis sind einer Sprecherin zufolge auch erstmal keine Preiserhöhungen geplant. Bis zu einem Euro teurer ist der Besuch im Karlsruher Europabad für November. Dabei habe sich der Gaspreis für die Einrichtung versieben- und der Strompreis verfünffacht, sagte eine Sprecherin.

Im Erlebnisbad «Fildorado» bei Stuttgart verteuerten sich die Tickets der Geschäftsleitung zufolge schon im Frühjahr um 50 Cent. Mitte Oktober stehe eine weitere Erhöhung an, um zwei Euro für Erwachsene. «Man kann mit solchen Preissteigerungen die Steigerungen der Energiekosten nicht auffangen», sagte Geschäftsführer Felix Schneider. Derzeit fahre man «auf Sicht» und hoffe auf Wirtschaftshilfen für die Bäder.

Auch Markus Matz aus der Geschäftsleitung des «Aquarado» in Bad Krozingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) fordert finanzielle Unterstützung. In seinem Bad zahlen Gäste seit September drei bis vier Prozent mehr, weitere Erhöhungen ab Januar seien möglich. Bisher versuche man noch, Kinder und Familien zu entlasten.

Höhere Eintrittspreise helfen nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft ohnehin kaum, die Kosten zu decken. Einige setzen deshalb auf die Schließung der Außenbecken, wie das Heidenheimer «Hellensteinbad Aquarena» und das «Wunnebad» in Winnenden. Ohne das 50-Meter-Außenschwimmbecken habe das Bad schätzungsweise 50 000 Euro mehr pro Monat, hofft der Leiter des Bads.

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