1,4 Milliarden Euro

Wegen Corona: Sparkassen machen ihren Kunden ein ungewöhnliches Angebot

Ein Sparkassenlogo hängt an der Fassade einer Berliner Sparkassen-Filiale.
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Die Sparkassen wollen ihren Kunden in der Corona-Krise entgegenkommen.
  • vonEva Kaczmarczyk
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Die Corona-Pandemie dauert weiter an. Viele können aufgrund der Krise die Tilgungsraten ihrer Kredite nicht mehr zahlen. Die Sparkassen wollen ihnen entgegenkommen.

Stuttgart - Der Corona-Gipfel zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten kam am Mittwochabend zu dem Ergebnis, dass der Lockdown bis zum 7. März bestehen bleibt. Das Coronavirus in Baden-Württemberg* (BW24 berichtete) ist lang nicht besiegt und wirkt sich somit auch weiterhin massiv auf Bürger und Unternehmen aus. Für die Wirtschaft hat das Coronavirus mitunter fatale Folgen*. So verwundert es nicht, dass auch zehntausende Kreditrückzahlungen in diesen Zeiten nicht ganz einfach sind. Die Südwest-Sparkassen wollen angeschlagenen Gläubigern ein Angebot machen.

Für 60.000 Tilgungsraten von Privat- und Firmenkunden bei den Südwest-Sparkassen wurde eine Stundung genehmigt. Es handele sich hierbei um eine Rekordzahl, wie die Deutsche Presseagentur unter Berufung auf den Sparkassenverband berichtet. Die Raten werden mindestens drei und teilweise bis zu neun Monate ausgesetzt. Die Sparkassen stunden somit eine Summe von 1,4 Milliarden Euro bei einem Kreditvolumen von gut zwölf Milliarden Euro, heißt es weiter.

„Das ist ein Spitzenwert, den wir in den letzten Jahrzehnten so nie hatten“, erklärte Verbandspräsident Peter Schneider. Er betonte, dass es immer wieder vorkomme, dass einzelne Menschen nicht in der Lage seien ihre Kreditrückzahlungen zu bedienen, aber nie sei eine solche Masse vorgekommen. Durch die Stundung kämen die Sparkassen jedenfalls nicht in Bedrängnis, da nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl an Kreditverträgen davon betroffen sei.

Mitten in der Corona-Pandemie: Sparkassen kämpfen mit Niedrigzinspolitik der EZB

Deutlich mehr zu kämpfen, habe die Sparkasse mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Vor allem der Zinsüberschuss, der die traditionell wichtigste Einnahmequelle für die Sparkassen darstellt, ging über die Jahre weiter zurück. Auch die Einlagen von Privat- und Firmenkunden von 7,9 Prozent im Gesamtwert von 159 Milliarden Euro können das nicht ändern, heißt es vom Verband. Die Sparkassen sehen sich gezwungen, Strafzinsen für einzelne Kundengruppen zu verhängen, da das „Parken“ von Geld Kosten verursache.

Von den Südwest-Sparkassen wurden 2020 nur 854 Millionen Euro erwirtschaftet, 2019 waren es noch 150 Millionen Euro mehr. Trotz aller Probleme in der Corona-Krise handele es sich aber um noch „keinen dramatischen Einbruch“, so Schneider. Dennoch werde für das laufende Jahr erwartet, dass noch mehr Kunden auf Tilgungsaussetzungen angewiesen sein werden. „Die Lage einiger Geschäftskunden, die in den vergangenen zwölf Monaten zum Teil fast ein halbes Jahr schließen mussten oder nicht tätig werden konnten, wird von Tag zu Tag dramatischer“, so Schneider.

Corona-Krise: Unternehmen und Verbraucher leiden unter wirtschaftlichen Folgen

Nicht nur der Privatverbraucher und die Autobranche sind von finanziellen Schwierigkeiten betroffen, auch Gastronomie und die Tourismusbranche leiden angesichts der Corona-Krise stark. Das Statistische Landesamt in Stuttgart fand heraus: Die Zahl der ankommenden Gäste in Hotels, Pensionen und anderen Unterkünften hat sich 2020 im Vergleich zu 2019 drastisch reduziert. Die Lage in der Tourismusbranche ist erschreckend*.

Die Corona-Schutzmaßnahmen, die Ausgangssperre und die Schließung vieler Betriebe zur Eindämmung von Neuinfektionen brächten immense finanzielle Einbußen mit sich. In der Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes hieß es zwar, dass Baden-Württemberg sich „vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie als Reiseziel stetig wachsender Beliebtheit“ erfreute, doch dieser „Aufwärtstrend wurde aufgrund von Corona im Jahr 2020 unterbrochen“. Auch die Absage von Weihnachtsmärkten sorgte bei vielen Betrieben für Einbußen. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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