Europas größtes Sonnenteleskop

Freiburger Forscher gelingen gestochen scharfe Fotos, die „Rätsel auf der Sonne lösen“

Aufnahmen eines Sonnenflecks in höchster Auflösung
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Das größte europäische Sonnenteleskop Gregor hat gestochen scharfe Bilder der Feinstruktur der Sonne aufgenommen.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Forschern aus Freiburg gelang es mit dem dem größten Teleskop Europas, gestochen scharfe Fotos von der Sonne zu machen. Sie zeigen erstaunliche Details, die man so noch nie gesehen hat.

  • Forscher vom Leibniz-Instituts für Sonnenphysik (KIS) arbeiteten am größten Sonnenteleskop Europas - jetzt gelang ihnen ein Durchbruch.
  • Den Wissenschaftlern gelangen nach einer umfassenden Neugestaltung des Beobachtungsgeräts Aufnahmen der Sonne in einer höheren Auflösung als je zu vor.
  • Die Aufnahmen zeigen erstaunliche Details.

Freiburg - Solche Bilder von der Sonne gab es noch nie: Sie zeigen die komplizierte Feinstruktur des zentralen Sterns unseres Sonnensystems in bislang nie dagewesener hoher Auflösung. Möglich macht dies das größte europäische Sonnenteleskop Gregor, das sich auf Teneriffa im Teide Observatorium befindet und von einem deutschen Konsortium betrieben wird.

Mithilfe eines Teams aus Wissenschaftlern und Ingenieuren des Leibniz-Instituts für Sonnenphysik (KIS) in Freiburg wurde eine umfangreiche Anpassung und Neugestaltung an dem Teleskop vorgenommen. Aufgrund dieser ist es mit dem Beobachtungsgerät jetzt möglich, wissenschaftliche Details von gerade mal 50 Kilometern auf dem Stern aufzulösen.

Erstaunliche Details: Forschern in Freiburg gelingen gestochen scharfe Fotos von der Sonne

Bei einem Durchmesser der Sonne von etwa 1,4 Millionen Kilometern machen 50 Kilometer nicht mehr als einen Bruchteil aus. Es ist, „als würde man eine Nadel auf einem Fußballfeld aus einer Entfernung von einem Kilometer perfekt scharf sehen“, erklärt das KIS in einer Mitteilung.

Der Durchbruch bei dem Projekt ist überraschender Weise zu einem Teil auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Wegen der Ausgangssperre in Spanien durften die Wissenschaftler im März das Observatorium nicht mehr verlassen und arbeiteten daher intensiv an dem optischen Labor.

Normalerweise würden solche Teleskop-Umbauten mehrere Jahre dauern, wird Svetlana Berdyugina vom KIS in der Mitteilung des Instituts zitiert: „Aber die großartige Teamarbeit und die sorgfältige Planung haben zu diesem Erfolg geführt“. Die ersten Bilder mit dem neugestalteten Teleskop entstanden im Juli, nachdem die Grenzen von Spanien wieder geöffnet waren.

Die Fotos zeigen erstaunliche Details der Sonnenentwicklung. So entstanden zum Beispiel außergewöhnliche Aufnahmen von einem Sonnenfleck sowie komplizierte Strukturen des Magnetfelds des Sonne in höchster Auflösung. Doch auch Beobachtungen der Konvektion, von Turbulenzen, Sonnenplasma sowie Eruptionen auf der Sonnenoberfläche sind detailliert möglich. „Jetzt haben wir ein mächtiges Instrument, um Rätsel auf der Sonne zu lösen“, sagt Svetlana Berdyugina.

Freiburger Forschern gelingen Fotos von der Sonne in einer höheren Auflösung als je zu vor

Nicht nur in Freiburg wird geforscht - allgemein investiert der Südwesten viel in die Wissenschaft. Die Ausgaben überschreiten sogar die einiger Länder, wie beispielsweise Italien, Kanada oder Schweden. Im EU-Ranking ist Baden-Württemberg sogar Spitzenreiter. Am Universitätsklinikum in Heidelberg forschten Wissenschaftler jahrzehntelang an einem neuen Medikament, das nun Hoffnung für Millionen bedeutet.

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