Ärger beim Softwarekonzern

„Unverschämt und enttäuschend“: SAP-Mitarbeiter klagen über geringe Gehaltserhöhung

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Der Softwarekonzern SAP gab Ende Januar die Gehaltserhöhungen für 2022 bekannt. Die Mitarbeiter sind mit den 2,7 Prozent absolut nicht zufrieden.
  • Valentin Betz
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Der Softwarekonzern SAP gab Ende Januar Gehaltserhöhungen in Deutschland bekannt. Die Mitarbeiter sind mit den Zahlen allerdings unzufrieden.

Walldorf - Der Softwarekonzern SAP ist für die Wirtschaft in Baden-Württemberg ein wichtiger Faktor. Die Corona-Pandemie ging zwar auch am Unternehmen mit Sitz in Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) nicht spurlos vorbei, das vergangene Jahr lief aber wieder erstaunlich gut. Entgegen der eigenen Erwartungen erzielte SAP ein Betriebsergebnis von 8,41 Milliarden Euro.

Dazu verhalf dem Softwarehersteller SAP auch ein starkes Wachstum im dritten Quartal 2021. Die Mitarbeiter in Deutschland freuten sich ebenfalls über die guten Ergebnisse des Unternehmens - allerdings nicht ganz uneigennützig. Viele hofften 2022 auf eine ordentliche Gehaltserhöhung. Wie das Handelsblatt berichtet, zeigten sich die Angestellten aber über den tatsächlichen Wert enttäuscht, der Ende Januar auf der Mitarbeiterversammlung bekannt gegeben wurde.

Gehaltserhöhung bei SAP: Mitarbeiter hatten mehr vom Softwarekonzern erwartet

Wie der Softwarekonzern bekannt gab, erhalten die rund 24.500 Mitarbeiter in Deutschland durchschnittlich eine Gehaltserhöhung von 2,7 Prozent im Jahr 2022. Für viele ist das offenbar zu wenig - dabei sind die Gehälter der Mitarbeiter bei SAP ohnehin üppig, abhängig von der jeweiligen Position im Unternehmen.

Die Mitarbeiter beklagen hingegen, dass die Gehaltserhöhung noch unter der Inflationsrate von 3,1 Prozent liege und auch die Erhöhung 2021 mit 1,2 Prozent eher niedrig ausfiel. Angesichts der Tatsache, dass das zurückliegende Jahr für SAP trotz Corona gut lief, äußerten sich Mitarbeiter nach der Bekanntgabe mit Äußerungen wie „unverschämt“ oder „enttäuschend“ in internen Chats und Foren. „Es war eine deutliche Ernüchterung zu spüren“, erklärte auch Betriebsratschef Klaus Merx dem Handelsblatt.

SAP-Mitarbeiter mit Gehaltserhöhung unzufrieden - Softwarekonzern verteidigt sich

Deutschland-Personalchef Cawa Younosi kann die Beschwerden über die Gehaltserhöhung bei SAP nicht nachvollziehen. Gegenüber dem Handelsblatt betont er, SAP investiere in Summe mehr in die deutschen Mitarbeiter als jemals zuvor. Den Arbeitnehmern stößt hingegen ohnehin schon länger auf, dass es beim Softwarekonzern SAP keinen Tarifvertrag gibt. Stattdessen richte sich die Gehaltsstruktur nach Inflationsausgleich und der Belohnung von Leistung.

Doch gerade letzteres könnte im Zusammenhang mit den Gehaltserhöhungen für zusätzlichen Ärger sorgen. Denn die 2,7 Prozent werden garantiert nur an 40 Prozent der 24.500 Mitarbeiter in Deutschland vergeben. Die restlichen 60 Prozent dürfen die Führungskräfte verteilen. Das Problem: Die sind dazu verdammt, Leistungsträger und junge Talente halten zu müssen. Geschieht das über einen finanziellen Anreiz, bleibt für andere Mitarbeiter weniger. „Es wird zur inneren Kündigung kommen“, ist sich deshalb ein Betriebsratsmitglied sicher.

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