Kenzingen im Kreis Emmendingen

Familie kehrt aus Urlaub zurück - an ihrer Haustür macht sie eine furchtbare Entdeckung

Abgetrennter Schweinekopf liegt auf einem Tisch, daneben ein Beil.
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An der Haustür eines Mehrfamilienhauses in Kenzingen brachte ein Unbekannter einen abgetrennten Schweinekopf an. (Symbolbild)
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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In Kenzingen im Landkreis Emmendingen machten die Bewohner einer Mehrfamilienhauses am Samstag einen grauenhaften Fund. Ein bislang unbekannter Täter hatte an der Haustür einen Schweinekopf angebracht. Es könnte sich um eine anti-muslimische Tat handeln.

  • Eine Familie aus Kenzingen im Kreis Emmendingen kehrte am Samstag aus dem Urlaub zurück und macht an ihrer Haustür einen Ekel-Fund.
  • Ein Unbekannter hatte einen Schweinekopf an die Tür gehängt.
  • Es könnte sich um ein anti-muslimisches Symbol handeln. In dem Mehrfamilienhaus wohnt auch eine Familie aus Syrien.

Kenzingen/Landkreis Emmendingen - Als die Eigentümerfamilie eines Mehrfamilienhauses in Kenzingen südwestlich von Baden-Württemberg am vergangenen Samstagnachmittag aus dem Urlaub zurückkehrte, machte sie eine eklige Entdeckung. Ein durchgesägter Schweinekopf hing - mit einer etwa 15 Zentimeter langen Schraube befestigt - an der Holztür des Gebäudes.

Es ist nicht das erste Mal, dass im Jahr 2020 ein Schweinekopf in den Mittelpunkt polizeilicher Ermittlungen in Baden-Württemberg gerät. Erst Mitte Juni kam es in Vaihingen/Enz im Landkreis Ludwigsburg zu einem Fall, bei dem zwei Männer den Kopf eines gegrillten Spanferkels vor der Eingangstür des Islamischen Kulturvereins hinterließen. Die rassistische Tat wurde von Videokameras gefilmt und gelangte anschließend in die sozialen Netzwerke.

Abgetrennter Schweinekopf an Haustür: Bei der Tat könnte es sich um eine anti-muslimische Botschaft handeln

Als die Familie den Kadaver entdeckte, stockte ihr der Atem. Wie die Eigentümerin des Mehrfamilienhauses in Kenzingen gegenüber der Badischen Zeitung berichtete, soll der Schweinekopf bereits gestunken und Schmeißfliegen angezogen haben. Zwei Personen hatten die Tat beim Polizeirevier Emmendingen bereits zur Anzeige gebracht. Eine Streife der Polizei, die dem Landespolizeipräsidium in Stuttgart untergeordnet ist, habe sich daraufhin den Tatort angeschaut und mit den Mietern des Mehrfamilienhauses gesprochen.

Immer wieder kommt es zu Vorfällen, bei denen Schweineköpfe als anti-muslimisches Symbol eingesetzt werden. Im Mai 2019 ermittelte der Staatsschutz beispielsweise wegen eines abgetrennten Schweinekopfs und eines Blutbeutels, die an einer Moschee in Mönchengladbach abgelegt worden waren. Ebenfalls im vergangenen Jahr fand man in Rostock, auf einem Gelände, das für den Bau einer Moschee im Gespräch war, einen Schweinekopf.

Und auch im Fall des Schweinekopfs an der Tür des Mehrfamilienhauses in Kenzingen liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine anti-muslimische Tat handeln könnte. „Das ist kein Dummer-Jungen-Streich“, kommentiert beispielsweise Elfriede Dorer gegenüber der Badischen Zeitung. In den Augen der 70-Jährigen, die zahlreiche Asylbewerber- und Migrantenfamilien betreut, richte sich die Beleidigung gezielt an eine sechsköpfige Familie aus Syrien, die in dem Mehrfamilienhaus wohnt.

Schweinekopf an Haustür: Polizei Emmendingen ermittelt in alle Richtungen

Die syrische Familie schien die Tat jedoch gar nicht als Beleidigung gegen sich verstanden zu haben: „Sie haben gar nicht gewusst, was das soll“, so die 70-Jährige. Sowohl sie als auch Eigentümerin Elvira Motz können sich jedoch nicht vorstellen, dass es sich bei dem Schweinekopf um die Eskalation eines Streits unter Nachbarn handelt. Sie halten die Tat für rassistisch motiviert.

Wie es in einer Mitteilung des Präsidiums Freiburg heißt, ermittelt die Polizei derzeit in alle Richtungen und sucht nach Zeugen. Auf Nachfrage der Badischen Zeitung teilte ein Polizeisprecher am Montag mit, dass die Tat aufgrund ihrer Brisanz viel Aufmerksamkeit erweckt habe. Daher werde der zuständige Sachbearbeiter dem Vergehen umfangreich nachgehen. Die Ansicht, es handle sich bei dem Schweinekopf um eine gezielte Botschaft an die Familie aus Syrien, teilt der Sprecher jedoch nicht. Streng genommen könne jeder im Haus gemeint sein. Sollte sich doch herausstellen, dass die Schmähung gezielt gegen die muslimische Familie gerichtet war, werde der Fall an den Staatsschutz weitergegeben, so der Polizeisprecher.

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