Umstrittenes Herbizid

Schwarzwaldmilch: Molkerei aus Freiburg verbietet Einsatz von Glyphosat

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Das Unkrautmittel Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Molkerei Schwarzwaldmilch aus Freiburg hat ihren Bauern jetzt verboten, das Mittel zu verwenden.

  • Die Molkerei Schwarzwaldmilch aus Freiburg baut Futter in Zukunft ohne Glyphosat-Einsatz an.
  • Zusätzliches Futter will das Unternehmen nur noch in Europa kaufen, um den Regenwald zu retten.
  • Schwarzwaldmilch setzt sich neben Klima- und Umweltschutz auch für Tierwohl ein.

Freiburg - Der Schwarzwald ist vielen als beliebtes Urlaubsziel bekannt - weniger als Wirtschaftsstandort. Zuletzt klagten Restaurantbesitzer, die wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg kaum noch Gäste haben. Darüber hinaus machte der Schwarzwald auch mit Wolf-Sichtungen Schlagzeilen. Dass mit Schwarzwaldmilch ein Unternehmen in Freiburg angesiedelt ist, dass im Jahr 2019 einen Umsatz von 209 Millionen Euro gemacht hat, dürfte hingegen weniger bekannt sein.

Jetzt hat die Molkerei Schwarzwaldmilch aus Freiburg zum 1. Juli beschlossen, den Einsatz des Herbizids Glyphosat komplett zu verbieten. Bauern, die Futtermittel für den Milchviehbetrieb der Molkerei anbauen, dürfen auf ihren landwirtschaftlichen Flächen kein Glyphosat mehr verwenden. Das hat das Unternehmen auf seiner Homepage mitgeteilt.

Schwarzwaldmilch seit 2017 gentechnikfrei - trotzdem kommt das Glyphosat-Verbot erst jetzt

Das Unkrautmittel Glyphosat ist laut BUND ein so genanntes „Totalherbizid“. Es tötet also jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. Aber nicht nur Kritiker von Gentechnik haben ein Problem mit Glyphosat. Laut der Krebsforschungsagentur der WHO ist das Herbizid wahrscheinlich krebserregend, weshalb Glyphosat schon seit geraumer Zeit umstritten ist.

Wie die Badische Zeitung berichtet, ist die genossenschaftlich organisierte Schwarzwaldmilch bereits seit 2017 frei von Gentechnik. Dass der Einsatz von Glyphosat trotzdem erst jetzt verboten wird, hat mit der Struktur des Unternehmens zu tun. Über 1000 Landwirte beliefern das Unternehmen mit ihrer Milch. Die Höfe sind mit durchschnittlich 43 Kühen deutlich kleiner, als der bundesweite Schnitt mit 68 Kühen.

Die Molkerei Schwarzwaldmilch will in Zukunft nicht mehr, dass ihre Bauern Glyphosat zum Anbau für Futtermittel einsetzen.

Allerdings bewirtschaften die Landwirte nicht nur Grünland für Kühe, sondern betreiben auch Ackerbau. Aufgrund dieser heterogenen Struktur hatte Schwarzwaldmilch bislang von einem Verbot des Herbizids Glyphosat abgesehen. Jetzt hat das Unternehmen allerdings gemeinsam mit seinen Landwirten ein Modell für das Verbot erarbeitet. Der Milchprüfring Baden-Württemberg wird künftig kontrollieren, ob sich die Milchbauern an das Verbot halten. Um eine artgerechte Kuhhaltung zu fördern, zahlt die Molkerei laut Badischer Zeitung für Weideauslauf einen Aufschlag von brutto 1,66 Cent je Kilo (etwa ein Liter) Milch. Neue Höfe werden nur noch aufgenommen, wenn sie einen Freilaufstall haben.

Nicht nur Glyphosat-Verbot: Schwarzwaldmilch kauft zusätzliches Futter künftig nur noch in Europa

Schwarzwaldmilch wird aber in Zukunft nicht nur auf das Herbizid Glyphosat verzichten. Das Unternehmen teilte ebenfalls mit, zusätzliches Futter für die Kühe nur noch innerhalb Europas zu kaufen. „Wir möchten mit dieser bewussten Eingrenzung ein Zeichen setzen und uns ganz klar gegen die Abholzung des Regenwaldes aussprechen", heißt es dazu auf der Homepage. Besonders das eiweißreiche Soja ist eine beliebte Futterpflanze für Kühe. Es wird hauptsächlich in Südamerika angebaut, häufig werden dafür große Flächen Regenwald abgeholzt.

„Auch wenn unsere Milchbauern ohnehin bereits bisher ihre geringen Mengen an zugekauftem Futtermittel größtenteils in Europa bezogen haben, möchten wir mit diesem Schritt ein Zeichen setzen und uns ganz klar gegen die Abholzung des Regenwaldes aussprechen, auf dessen Flächen unter anderem Soja für die Futtermittelindustrie angebaut wird“, sagte Schwarzwaldmilch-Geschäftsführer Andreas Schneider gegenüber der Badischen Zeitung.

Insgesamt produzierte Schwarzwaldmilch mit seinen über 1000 Milchbauern 274,8 Millionen Kilogramm Milch. Das Unternehmen aus Freiburg spricht sich nicht nur gegen Glyphosat aus, sondern setzt sich auch für Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Tierwohl ein. So wird bei der Verpackung beispielsweise verstärkt auf Mehrwegglas gesetzt, der Betrieb läuft seit 2017 zu 100% mit Ökostrom.

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