„Umwelteuro“ für Tagestouristen

Besucher sollen im Schwarzwald künftig Eintritt zahlen

Zwei Besucherinnen stehen auf der Aussichtplattform des Gebäude des Nationalpark Schwarzwald und blicken in den Wald.
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„Umwelteuro“ für den Schwarzwald: Tagestouristen bringen kaum Geld in die Region. Infrastruktur wie diese Aussichtsplattform beanspruchen sie aber trotzdem.
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Der Schwarzwald ist ein beliebtes Ziel für Ausflügler in Baden-Württemberg. Doch das schafft auch Probleme. Der Tourismus-Chef will deshalb künftig Eintritt von Tagesgästen verlangen.

Hinterzarten - Der Schwarzwald gehört zu den wichtigsten Tourismusregionen in Baden-Württemberg. Jedes Jahr zieht er mit seiner unberührten Natur zahlreiche Besucher an. Mit dem Titisee liegt auch einer der schönsten Seen Baden-Württembergs im Schwarzwald. Die Natur im Südwesten Baden-Württembergs gefällt aber bei weitem nicht nur dem Menschen. Zuletzt war ein neuer Wolf im Schwarzwald aufgetaucht. Die Tiere fühlen sich dort zusehends wohl, weil sie in der unberührten Natur geschützt sind vor der menschlichen Zivilisation.

Die Verantwortlichen bemühen sich, die Anziehungskraft des Schwarzwaldes bestmöglich zu erhalten. Das passiert beispielsweise über die von Übernachtungsgästen verlangte Kurtaxe. Doch viele Touristen kommen nur für Kurzausflüge. Wenn sie ihre Verpflegung mitbringen, lassen Wanderer und Co. deshalb kaum Geld in der Region, sondern im schlimmsten Fall sogar noch Müll. Deshalb werden Forderungen nach einem „Umwelteuro“ für Tagestouristen laut. Die Idee kommt aber nicht bei allen Beteiligten gut an.

Eintritt für den Schwarzwald: Tourismus-Chef fordert „Umwelteuro“ für Tagestouristen

Wie problematisch ein zu hoher Touristenansturm für die Erhaltung der Natur im Schwarzwald werden kann, zeigte sich zuletzt Anfang des Jahres. Die Schneemassen zogen jede Menge Ausflugsgäste an. So sehr, dass sogar Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Schwarzwald-Touristen in die Schranken weisen wollte.

Thorsten Rudolph, Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, sieht diese Entwicklung und fragt sich angesichts der vielen Attraktionen, die der Schwarzwald zu bieten hat: „Muss das immer für alle kostenfrei sein?“ Denn abgesehen von unschönen Hinterlassenschaften wie Müll belasten Touristen die Natur im Schwarzwald schlicht auch durch Abnutzung, deren Beitrag zur Wertschöpfung sei „gleich Null“, wie Rudolph der Stuttgarter Zeitung erklärte. Wege, Loipen und Lifte müssten aber instandgehalten werden. Rudolph setzt sich laut Deutscher Presseagentur deshalb für die Einführung eines „Umwelteuro“ ein, der in Infrastruktur, Klimaschutz und Nachhaltigkeit investiert werden könnte.

Umwelteuro für Schwarzwald: Keine Schranke für Natur, sondern Geld für Infrastruktur

Besonders das Coronavirus in Baden-Württemberg hatte im Schwarzwald zuletzt gezeigt, dass die Infrastruktur durch die mangelnden Einnahmen aus dem Tourismus leidet. Auch wenn die Inhaberin einer Ferienwohnung im Schwarzwald Nicht-Geimpfte als Gäste ablehnt, dürfte sich der Großteil der im Tourismussektor arbeitenden Menschen wieder auf Ausflügler freuen. Denn die Kurtaxe von Übernachtungsgästen leistet einen wichtigen Beitrag, den Schwarzwald weiterhin als beliebtes Urlaubsziel zu erhalten.

Thorsten Rudolph, will deshalb auch keinesfalls mit allen Mitteln Geld von Tagestouristen verlangen. Ein möglicher „Umwelteuro“ werde „natürlich nicht mit einem Zollhäuschen oder einer Schranke“ von Tagestouristen verlangt, so Rudolph. „Wir wollen kein Geld damit verdienen. Wir wollen dafür sorgen, dass auch die nachfolgenden Generationen noch eine intakte Umwelt vorfinden“, erklärte der Tourismus-Chef der Deutschen Presseagentur.

Entsprechend würde Wandern auf einfachen Waldwegen auch in Zukunft kostenfrei bleiben. „Wir werden für normale Natur nichts verlangen“, betonte Rudolph. Es gehe um Orte mit besonderer Infrastruktur, etwa um Aussichtspunkte oder besonders günstig gelegene Parkplätze.

Tagestouristen im Schwarzwald: „Umwelteuro“ selbst bei Beteiligten umstritten

Die Betreiberin einer Skischule im Schwarzwald hält einen Eintritt für die dortige Natur ebenfalls für utopisch. „In der freien Natur kann man nicht auch noch abkassieren“, erklärte sie der Stuttgarter Zeitung. Anders sieht sie es jedoch beim „Umwelteuro“ für die Infrastruktur im Südwesten Baden-Württembergs. Alleine das Spuren der Loipen im Winter sei „ein Mordsaufwand“.

Doch selbst Beteiligte aus dem Tourismussektor, die zuletzt schwer durch das Coronavirus in Baden-Württemberg getroffen wurden, sind nicht restlos für einen Eintritt von Tagestouristen für den Schwarzwald. Der Chef eines großen Familienhotels hat trotz Einbußen im vergangenen Jahr beispielsweise die Übernachtungspreise nicht erhöht. Thorsten Rudolph hatte dazu geraten. Denn der Hotelier fürchtet, dass sich ein Aufschlag auf Übernachtungspreise in den kommenden Jahren rächen könnte.

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