Über mehrere Monate

Hunderte Tonnen Straßenschutt mitten im Schwarzwald abgeladen - Bürgermeister wird angezeigt

Dieter Berger steht an einer Abbruchkante eines Erdrutsches im Kleinen Wiesental.
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Mitten im Schwarzwald haben Unbekannte mehrere hundert Tonnen Straßenschutt abgeladen (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Mitten im Schwarzwald luden Unbekannte hunderte Tonnen Straßenschutt ab. Gegen den Bürgermeister einer Gemeinde wurde bereits Anzeige erstattet.

Lörrach - Das Land Baden-Württemberg ist für mehrere Dinge bekannt. Beispielsweise für die sparsamen Schwaben, die Erfindung des Automobils in der Landeshauptstadt Stuttgart oder für kulinarische Spezialitäten wie Maultaschen und Kässpätzle. Als beliebtes Ausflugs- und Erholungsgebiet ist jedoch vor allem der Schwarzwald weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. In den vergangenen Monaten luden Unbekannte an mehreren Orten im Landkreis Lörrach Straßenschutt ab, berichtet die Badische Zeitung.

Laut Angaben der Bewohner handelt es sich bei den illegalen Entsorgungen im Schwarzwald um mehrere Lastwagenladungen Straßenschutt, die innerhalb der vergangen Monate abgeladen wurden. Schutthaufen sind auch im Schwarzwald keine Seltenheit, aufgrund der ungewöhnlich großen Menge von mehreren hundert Tonnen nahm nun jedoch auch die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen die Ermittlungen auf. Proben des abgeladenen Materials weisen auf eine erhebliche Schadstoffbelastung hin.

Kreis Lörrach: Bürgerinitiative zeigt Bürgermeister an - Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Die mehrere hundert Tonnen Straßenschutt wurden nicht etwa an einem, sondern über weite Teile verteilt an mehreren Orten im Kreis Lörrach abgeladen. Unter anderem auch im Naturschutzgebiet Belchen, schreibt die Badische Zeitung. Die Bürgerinitiative „Schwarzwald Vernunftkraft“ hatte aufgrund der illegalen Abladungen Anzeige gegen mehrere Personen aus der Gemeinde Kleines Wiesental erhoben. Darunter auch gegen den Bürgermeister des Ortes, Bernd Schönbett, da dieser laut der Initiative von der Sache gewusst habe. Die Staatsanwaltschaft habe daraufhin „Vorermittlungen wegen des Anfangsverdachts einer umweltgefährdenden Straftat“ aufgenommen, bestätigte ein Sprecher.

Der Bürgermeister der Gemeinde Kleines Wiesental wehrt sich gegen die anhaltenden Anschuldigungen. Unklar sei zwar, wie viel er von den illegalen Abladungen des Straßenschutts gewusst habe, schreibt die Badische Zeitung. Allerdings kann es als sicher angesehen werden, dass Bernd Schönbett zumindest von der Existenz der Schutthaufen im Schwarzwald wusste. „Das Material hält die Grenzwerte ein“, habe er im Juli nach Untersuchungen der Umweltbehörde im Landratsamt gesagt. Zudem seien die Abladungen laut dem Rathauschef der Gemeinde im Kreis Lörrach genehmigt worden.

Schutt im Schwarzwald: Umweltschützer vermuten illegale Abladung durch Baufirmen

Obwohl der Bürgermeister der Gemeinde die Abladungen von Straßenschutt im Schwarzwald als genehmigt bezeichnete, ist die Staatsanwaltschaft anderer Meinung. Ende August verkündete sie, dass ein „konkreter Verdacht auf Straftaten“ bestehe und leitete in mehreren Fällen tiefere Ermittlungen ein. In diesem Fällen habe die Staatsanwaltschaft „Anfangsverdacht des unerlaubten Betreibens einer genehmigungsbedürftigen Anlage nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Die Umweltschützer vermuten hinter den illegalen Aktivitäten im Schwarzwald Baufirmen, die von der Gemeinde beauftragt wurden und ihren Schutt anschließend im Wald ab luden. „Hierbei wird derzeit ermittelt, wer für diese Ablagerungen konkret verantwortlich ist“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Anfang September wiesen Naturschützer und die Umweltbehörde bei einem weiteren Test nach, dass das abgeladene Material nicht wie behauptet schadstofffrei sei. Wann die Staatsanwaltschaft Ergebnisse vorweisen könne, sei unklar. Die Naturschützer gehen jedoch von einem langen Verfahren aus, da immer wieder neue Ermittlungsansätze auftauchen würden.

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