Droht neuer Schul-Lockdown?

Schule in der Corona-Pandemie: SPD-Politiker mit drastischer Warnung

Auch im neuen Schuljahr wird es wegen des Coronavirus keinen verpflichtenden Präsenzunterricht geben.
+
Droht im neuen Schuljahr ein weiterer Schul-Lockdown?
  • Simon Mones
    VonSimon Mones
    schließen

Die Coronazahlen in Baden-Württemberg steigen weiter an. Droht deswegen nach den Ferien ein weiterer Schul-Lockdown? Der SPD-Politker Andreas Stoch hat dazu eine klare Meinung!

Noch sind in Baden-Württemberg Ferien, doch in drei Wochen geht es für die Schüler und Schülerinnen wieder zurück in die Klassenzimmer. Angesichts der steigenden Coronazahlen*, stellt sich jedoch die Frage, ob das neue Schuljahr regulär stattfinden kann oder ob wieder Homeschooling nötig wird.

Geht es nach dem SPD-Fraktionschef Andreas Stoch, sind die Schulen nicht ausreichend für den Herbst gewappnet. Einen weiteren Schul-Lockdown hält er deswegen für möglich, wie echo24.de berichtet. „Wer heute Schulschließungen ausschließt, aber nichts dafür tut, Klassenzimmer sicherer zu machen, der macht den Leuten etwas vor!“, sagte Stoch der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die grün-schwarze Landesregierung müsse die Klassenzimmer besser gegen eine steigende Zahl von Infektionen vorbereiten.

Schule in der Corona-Pandemie: Lucha schließt Schulschließungen aus

Damit vertritt der SPD-Politiker als Sozialminister Manne Lucha (CDU). Dieser hatte in einem Gespräch mit dem Mannheimer Morgen bereits klargestellt, dass es in Baden-Württemberg keine Schulschließungen geben werde. Doch für Stoch kommen viele der Maßnahmen der Landesregierung zu spät, vieles hätte seiner Meinung nach spätestens im Mai geregelt werden müssen.

Bis in den Juni hinein fehlten allerdings weitreichende Beschlüsse, um die Schulen auf den Herbst und Winter vorzubereiten. Sicher ist lediglich das ab September wieder eine Masken-Pflicht gilt*. Die baden-württembergische Landesregierung habe sich unter anderem zu spät entschieden, ein eigenes Programm für die Luftfilter aufzulegen. „Das Ergebnis: Die Schulen werden zum ersten Schultag des neuen Schuljahres noch nicht in der Lage sein, mehr Sicherheit anzubieten“, betont der SPD-Politiker.

Schule in der Corona-Pandemie: Elternvertreter und Lehrerverbände fordern Luftfilter

Allein in Baden-Württemberg gibt es 70 000 Klassenzimmer. Auch Elternvertreter und Lehrerverbände wollen möglichst viele mobile Raumluftreiniger noch während der Sommerferien installiert wissen. Entsprechend fordert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) das zumindest in allen Klassenräumen, die sich schlecht lüften lassen, Luftfilter installiert werden. Dabei kam eine Studie jüngst zu dem Schluss*, dass diese gar nicht so effektiv sind.

„Aber wir sind mächtig durchgeimpft im Lehrerbereich“, sagte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand der dpa. „Das Szenario geschlossener Schulen sehe ich nicht.“ Zudem warnte er davor, „jetzt schon Panikmache mit Blick auf die Bundestagswahl zu betreiben“.

Schule in der Corona-Pandemie: SPD-Politiker Stoch übt Kritik an Landesregierung

Indes warf Stoch der baden-württembergischen Landesregierung vor, erneut in das neue Schuljahr „zu stolpern“. So habe Schwarz-Grün noch kein Mittel gegen die coronabedingten Lernrückstände gefunden. „Die Regierung hat ein mikroskopisch kleines Programm aufgelegt“, sagte der SPD-Politiker. „Da machen andere Staaten und Bundesländer deutlich mehr.“

Die Niederlande investierten bei rund 17 Millionen Einwohnern 8 Milliarden Euro in ihr Bildungssystem, um die Folgen der Pandemie zu bekämpfen. Derweil machten die Schulämter und -leiter deutlich, dass die Schüler und Schülerinnen die Corona-Zeit ohne größere Schäden überstanden hätten, solange sie unterstützt wurden. „Es gibt aber je nach Schulart auch diejenigen, die sehr, sehr stark von Corona betroffen waren und die teilweise über Wochen und Monate gar nichts mit der Schule zu tun hatten“, betonte der SPD-Politiker Stoch. Es müsse mehr Schulsozialarbeit angeboten werden, außerdem müsse die Zahl pädagogischer Assistenten zunehmen.

Schule in der Corona-Pandemie: GEW fordert Einstellungsoffensive

Diesen Plan verfolgt auch die Landesregierung, bereits im Juli hatte diese angekündigt, Tausende Hilfskräfte anzuwerben, um die Lernrückstände aufzuholen. Insgesamt sollten 25.000 bis 30.000 Hilfen im neuen Schuljahr mit Schülerinnen und Schülern Rückstände aufarbeiten, hatte Kultusstaatssekretärin Sandra Boser (Grüne) erklärt. Allerdings rechnet das Kultusministerium erst mit einem Start nach den Herbstferien.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert derweil eine Einstellungsoffensive für Lehrkräfte. „Zum Teil haben angehende Lehrkräfte keine Stelle erhalten“, sagte GEW-Pressesprecher Matthias Schneider. „Wir brauchen die gut ausgebildeten pädagogischen Profis ab dem 13. September nicht in den Arbeitsagenturen, sondern in den Klassenzimmern aller Schularten.“

Eine intensive Begleitung, Förderung sowie Arbeit in Kleingruppen funktioniere nur mit mehr Personal. „Das kann dann auch eine zusätzliche Schulsozialarbeiterin oder eine arbeitslose Gymnasiallehrerin sein, die im nächsten Schuljahr in einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum arbeitet.“ *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare