Aktion mit politischer Botschaft

37.000 Kreidekreuze tauchen auf Marktplatz in Schorndorf auf - sie deuten auf eine Katastrophe hin

Die Pflastersteine auf dem Marktplatz in Schorndorf sind mit 37.000 Kreidekreuzen bemalt.
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Die Pflastersteine des oberen Marktplatz in Schorndorf waren am Freitag über und über mit Kreidekreuzen bemalt.

Unbekannte haben den Marktplatz in Schorndorf bei Stuttgart für die Verbreitung einer politischen Botschaft genutzt. Auf den Pflastersteinen des Platzes waren am Freitag kleine Kreidekreuze gemalt. Erst eine Pressemitteilung konnte den Hintergrund der Aktion klären.

  • Unbekannte haben die Pflastersteine auf dem Marktplatz in Schorndorf bei Stuttgart mit Kreidekreuzen bemalt.
  • Die Aktion soll auf ein Thema aufmerksam machen, das angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg zurzeit wenig Beachtung bekommt.
  • Sie wollen damit einen Antrag der SPD-Fraktion im Gemeinderat unterstützen.

Schorndorf - Eigentlich ist Schorndorf im Rems-Murr-Kreis als die Geburtsstadt von Gottlieb Daimler und weniger für politischen Aktivismus bekannt. Doch am vergangenen Freitag hatten Unbekannte mit einer Botschaft auf sich aufmerksam gemacht. Sie bemalten die Pflastersteine auf dem oberen Marktplatz in Schorndorf bei Stuttgart mit 37.000 kleinen, weißen Kreidekreuzen. Was dahinter steckte, klärte eine Pressemitteilung, die dem Zeitungsverlag Waiblingen (ZVW) zugestellt wurde.

Die Unbekannten, die die Kreidekreuze auf dem Marktplatz in Schorndorf bei Stuttgart hinterlassen hatten, beschreiben sich in der Pressemitteilung demnach als „loses Bündnis von Unterstützern des Antrags der SPD-Fraktion im Gemeinderat, Schorndorf zum sicheren Hafen zu erklären“. Jedes Kreidekreuz stehe dem „Bündnis“ zufolge für einen „der 37.000 Flüchtlinge, die unter zum Teil unmenschlichen Bedingungen noch immer in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln ausharren müssen.

Kreidekreuze in Schorndorf bei Stuttgart: Bündnis erinnert an Krise abseits der Corona-Pandemie

Angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg und der ganzen Welt bekommt die Lage, in der sich viele Flüchtlinge momentan befinden, nur wenig Beachtung. Doch auch Flüchtlinge sind von der Corona-Pandemie betroffen. Mit den Kreidekreuzen auf dem Marktplatz in Schorndorf wollen die Unbekannten auch in der Region Stuttgart darauf aufmerksam machen. „Im berüchtigsten Lager Moria leben aktuell über 19.000 Männer, Frauen und Kinder auf engstem Raum - das Lager wurde ursprünglich für 3.000 Menschen errichtet. Die humanitäre Lage ist katastrophal, auf 1.300 Menschen kommt ein Wasserhahn. Seife ist nicht vorhanden, die Corona-Pandemie ist für die Menschen eine ganz besondere Bedrohung“, heißt es laut ZVW in der Pressemitteilung.

Sicherer Hafen: Kreidekreuze auf dem Marktplatz in Schorndorf unterstützen Antrag

Mit den 37.000 Kreidekreuzen auf dem Marktplatz in Schorndorf, das 26 Kilometer östlich von Stuttgart liegt, will das „Bündnis“ einen Antrag der SPD-Fraktion im Gemeinderat von Schorndorf unterstützen. Darin fordert sie, dass die Stadt sich der Initiative „Seebrücke – schafft sichere Häfen“ anschließt. „Zahlreiche Hilfsorganisation rufen die EU dazu auf, die Menschen aus den Lagern zu holen. Bisher scheitern die Vorstöße zu weiten Teilen. So hat Deutschland bisher lediglich 48 unbegleitete Minderjährige aufgenommen - ein Tropfen auf den heißen Stein", mahnen die Unbekannten in der Pressemitteilung weiter.

Das „Bündnis" verwies in seiner Mitteilung auch auf den bundesweiten Aktionstag unter dem Motto #nooneleftbehind am 23. Mai. Ob die Kreidekreuze auf dem Marktplatz in Schorndorf Wirkung gezeigt haben, wird sich am 28. Mai herausstellen. Dann berät der Gemeinderat in Schorndorf, ob sie die Stadt zum "sicheren Hafen" erklären und weitere Flüchtlinge aufnehmen. Die AfD-Fraktion lehne den Antrag wenig überraschend ab, so die ZVW.

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