Schreck bei Mittagsspaziergang

Vermehrt große Schlangen in Baden-Württemberg gesichtet - viele Menschen reagieren fatal

Ringelnatter kriecht durch Gras.
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Im Juni und Juli treffen vermehrt Menschen auf Ringelnattern.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Als sie mit ihrem Hund am Remsufer vorbei spazierte, machte eine Frau in Schorndorf eine überraschende Entdeckung. Unweit von ihr schlängelte sich eine imposante Ringelnatter durchs Wasser.

Schorndorf - Einer riesigen Schlange zu begegnen - damit rechnen im beschaulichen Baden-Württemberg wohl die wenigsten. Eine Frau aus Schorndorf in der Nähe von Stuttgart wollte am vergangenen Dienstag einen entspannten Mittagsspaziergang mit ihrem kleinen Hund an der Rems machen. Etwa auf Höhe der Wieslaufmündung - ganz in der Nähe vom SG-Stadion im Sportpark Rems - blieb die Passantin verwundert stehen.

Was schlängelte denn da im Wasser herum? Es stellte sich heraus, dass da ein besonders eindrucksvolles Exemplar einer Ringelnatter ein Bad in der Rems nahm. Der Zeitungsverlag Waiblingen berichtete über die unerwartete Begegnung mit der Schlange.

Schlangen in Baden-Württemberg: Ringelnattern sind harmlos und keine Gefahr für Menschen

Die Ringelnatter, so erklärt der Naturschutzbund NABU Baden-Württemberg, ist eine von fünf der weltweit 2.700 Schlangenarten, die aktuell noch in Baden-Württemberg beheimatet sind. Die Schlangen können bis zu 1,30 Metern lang werden und sind vor allem im Oberrheingebiet, im Schwarzwald, in den Neckar- und Tauber-Gäuplatten sowie im Keuper-Lias-Land anzutreffen. Erkennbar sind die meist hell- bis dunkelgrauen Schlangen an dunklen Tupfern auf ihrem Rücken sowie dem meist gelben namensgebenden „Halsring“.

Wichtig zu wissen: Ringelnattern sind für den Menschen weder gefährlich noch giftig. Wenn sich jemand vor den Schlangen in Baden-Württemberg fürchten muss, dann hauptsächlich Frösche oder eher selten Kleinsäuger. Nur wenn sich die Tiere bedroht fühlen, blähen sie sich auf, zischen heftig und führen mit geschlossenem Maul Scheinbisse aus, wie Nabu erklärt. Obwohl sie völlig harmlos sind, werden die Schlangen aus Furcht, sie könnten giftig sein, in Baden-Württemberg immer wieder von Menschen getötet - dabei stehen die scheuen Ringelnattern unter Artenschutz.

Da sie tagaktiv sind und ihr Lebensraum mittlerweile sehr eingeschränkt ist, kommt es in Baden-Württemberg gerade im Juni und Juli immer wieder zu Begegnungen zwischen Mensch und Schlange. In dieser Zeit suchen die Ringelnattern nach passenden Stellen, wo sie ihre Eier ablegen können. Das führt sie nicht selten auch mal in einen Garten. Aber keine Sorge: Nach Ablage der Eier verschwindet die Natter wieder und überlässt das Brüten der Erdwärme.

Da sie sowohl an Land als auch im Wasser leben, halten sich Ringelnattern gerne in der Nähe von Seen, Bächen oder Flüssen auf. Am Flussufer kam es auch zur Begegnung mit der Spaziergängerin in Schorndorf, die jedoch schnell merkte: Die Tiere sind wirklich sehr scheu. Gerade noch rechtzeitig konnte sie ein Erinnerungsfoto knipsen, da war die Schlange auch schon verschwunden.

Dass es sich bei der Schlange in Schorndorf zu dieser Jahreszeit um keinen Einzelfall in Baden-Württemberg handelt, zeigt eine Geschichte, die sich unlängst bei Schwäbisch Gmünd ereignete. Wie die Remszeitung berichtete sorgte im Landschafts– und Familienpark Himmelsgarten eine ungewöhnlich große Population von Ringelnattern Anfang Juli für Aufsehen. Die Schlangen hatten sich offenbar in dem eingezäunten Teich am Wasserspielplatz angesiedelt und bei einigen Eltern kurzzeitig Besorgnis ausgelöst. Nachdem klar wurde, dass durch die friedlichen Schlangen keine Gefahr drohte, beruhigten sich alle jedoch auch wieder schnell.

Baden-Württemberg: Im Sommer trifft man neben Ringelnattern auch immer wieder Blindschleichen

Übrigens: Nicht nur Ringelnattern sind in Baden-Württemberg derzeit häufig anzutreffen. Auch Blindschleichen kreuzen immer wieder die Wege von Menschen - sogar mitten in der Stadt. Ebenfalls in Schorndorf auf dem Weg von der Vorstadtstraße in Richtung Bahnhof entdeckte eine Passantin am Mittwoch ein besonders großes Exemplar der Eidechsen, die aufgrund ihrer fehlenden Gliedmaßen fälschlicherweise oft für Schlangen gehalten werden.

„Erst dachte ich, das ist vielleicht ein dickes Seil“, erzählt die junge Frau BW24. Sie war dem Tier am Ende einer Unterführung über den Weg gelaufen. „Bei genauem Hinschauen hat es jedoch angefangen, sich zu bewegen und die Zunge rausgestreckt.“ Wie Ringelnattern sind auch Blindschleichen absolut ungefährlich, sorgen aber bei vielen Menschen auf den ersten Blick für einen Schreck. Die junge Frau in Schorndorf machte ebenfalls ein schnelles Foto, ging dann aber schnell weiter.

In Schorndorf begegnete eine Passantin einer Blindschleiche in einer Unterführung.

Obwohl sich viele vor Schlangen fürchten, hat ein Aufeinandertreffen zwischen Mensch und Tier, meist eher für das Tier negative Folgen. Im Juni machten Fußgänger auf einer Straße in Mühlheim einen grausigen Fund: Eine Kornnatter, die in der freien Wildbahn hierzulande nicht anzutreffen sind, war brutal misshandelt worden und starb schließlich an einem Knoten im Körper. Tierschutzvereine der Region erstatteten daraufhin Anzeige bei der Polizei.

Was Menschen Tieren antun können zeigte zudem jüngst ein Fall in Stuttgart. Bei sommerlichen Temperaturen schloss ein Fremder die Heckklappe eines Autos. Darin befand sich ein wehrloser Hund, der daraufhin durch einen Hitzschlag starb.

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