Organisation schlägt Alarm

Erschreckende Szenen von Tierquälerei: Heimliche Aufnahmen bringen Schlachthof in Erklärungsnot

Eine Szene aus den heimlich gefilmten Aufnahmen im Schlachthof Biberach.
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Schlachthof Biberach: Heimliches Video bringt Betreiber in Erklärungsnot.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Organisation Soko Tierschutz deckte jetzt mit einem heimlich gefilmten Video erneut Tierquälereien in einem Schlachthof in Baden-Württemberg auf - die Betreiber in Biberach müssen sich verantworten.

Biberach - Die Organisation Soko Tierschutz aus München deckte in den vergangenen Wochen und Monaten mehrere Verstöße gegen die ordnungsgemäße Tierhaltung in Schlachtbetrieben in Baden-Württemberg auf. Ein heimlich gefilmtes Video zeigte schockierende Szenen in einem Schlachthof in Gärtringen (Kreis Böblingen). Unter anderem sollen die Tiere mit nicht ausreichender Betäubung geschlachtet und außerdem geschlagen und getreten worden sein. Das Landratsamt schloss den Betrieb vorübergehend. Ende Oktober deckte die Soko Tierschutz erneut Tierquälereien in einem Schlachtbetrieb in Baden-Württemberg auf. Heimliche Videoaufnahmen aus dem Kreis Waldshut zeigten Schlachtung, die fassungslos macht.

Nun hat die Münchner Tierschutzorganisation durch ein heimlich gefilmtes Video erneut katastrophale Zustände in einem Schlachtbetrieb in Baden-Württemberg festgestellt. Laut einer Pressemitteilung der Soko Tierschutz sei das Material im Zeitraum zwischen dem 5. Oktober und dem 16. November in einem Familienbetrieb und Metzgerschlachthof in Biberach an der Riß entstanden.

Schlachthof Biberach: Soko Tierschutz deckt „rechtswidrige Gewalt“ und „mangelhafte Betäubung“ auf

„Der Tierschutz und speziell die Betäubung der Tiere in Baden-Württembergs Schlachthöfen ist katastrophal“, schreibt die Soko Tierschutz zu Beginn der Pressemitteilung über den Schlachthof Biberach. Die heimlich gefilmten Aufnahmen zeigen die Schlachtung von etwa 1.500 Schweinen und 75 Rindern.

Bei den Rinderschlachtungen präge technisches Versagen und die Überforderung und Inkompetenz das leidvolle Bild der Tiere. So müssen die Rinder nach Angaben der Organisation mehrfache Schussversuche ertragen und leisten durch die fehlende Fixierung minutenlang verzweifelten Widerstand.

Insgesamt beschreibt die Soko Tierschutz basierend auf dem Filmmaterial Szenen von „rechtswidriger Gewalt“ und „mangelhafter Betäubung“ in dem Schlachthof Biberach. So sei beispielsweise das Bolzenschussgerät unzuverlässig, ein Ersatzgerät gebe es nicht. Die Mitarbeiter setzen wie auch in Gärtringen routiniert und rechtswidrig Elektroschocker ein. Die Münchner Organisation beschreibt eine besonders erschreckende Szene: Durch die Elektroschocker bricht ein Rind nach längeren Treibversuchen unter extremen Schmerzensschreien scheinbar leblos zusammen. Das Tier werde anschließend leblos geschossen und direkt in die Verarbeitung gegeben. Einem anderen Rind werde direkt nach der Betäubung die Vorderläufe abgetrennt.

Schlachthof Biberach: Tierschutzorganisation fordert Rücktritt von Minister Hauk

Die Schweineschlachtungen im Schlachthof Biberach laufen laut der Pressemitteilung der Soko Tierschutz ebenso grausam ab. So seien auf den Videoaufnahmen blutende Tiere zu sehen, die verzweifelt Widerstand leisten. In dem kompletten Zeitraum sei nur eine einzige Nachbetäubung dokumentiert - rund 10 Minuten nach dem ersten Versuch. Daneben beschreibt die Organisation auch mutmaßliche Schlachtungen, bei denen die Tiere zumindest noch teilweise bei Bewusstsein sind. Daneben runde das offenbar überforderte Personal das Chaos und die Tierqual ab.

Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum in Baden-Württemberg, gab ein Schlachthof-Monitoring bekannt, das laut der Soko Tierschutz die Lage jedoch noch verschlimmert hat. „Das zeigt, dass Minister Hauk die Lage alles andere als im Griff hat und nicht bereit ist, die Tiere vor der heimischen Schlachtbranche zu schützen“, heißt es in der Pressemitteilung. „Soko Tierschutz fordert Herrn Minister Hauk darum zum Rücktritt auf. Das Politik-Versagen beim Tierschutz der grün - schwarzen Koalition in Baden - Württemberg hat Höllenqualen für Zehntausende Tiere zu verantworten. Damit muss endlich Schluss sein.“

Laut Angaben der Soko Tierschutz habe man Strafanzeige gegen die Betreiber des Schlachthof Biberach erstattet, das Beweismaterial sei bereits den Behörden übergeben worden.

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