Krimi

Schatten der Vergangenheit: Johanna Wokalek im Schwarzwald-«Tatort»

Johanna Wokalek beim Internationalen Filmfestival von Locarno 2017.
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Johanna Wokalek ist Teil des neuen „Schwarzwald“-Tatorts.

Ist der Auszug aus dem Gefängnis ein Grund zum Feiern? So ganz glücklich wirkt Sara Manzer nicht. Und dann klingelt auch noch das Telefon. Im neuen «Tatort» aus dem Schwarzwald müssen die Ermittler das Geschehen von vor vielen Jahren umkrempeln und neu sortieren.

Freiburg (dpa) - 49 Akten mit Kriminalfällen hat der ehemalige Polizist Benno Rose auf seinem heimischen Schreibtisch gestapelt: zu US-Präsident John F. Kennedy, US-Unternehmer Jeffrey Epstein, dem ehemaligen schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme, über das rechtsextrem motivierte Oktoberfestattentat und über Sara Manzer.

Warum Manzer? Zum einen ist die Verlegererbin bei weitem nicht so prominent wie die anderen. Zum anderen saß sie wegen Totschlags an ihrem Vater über Jahre im Knast. Blutverschmierte Kleidung und ihre Fingerabdrücke an der Tatwaffe hatten die damals schwer alkoholkranke junge Mutter verraten. Und vor allem: Die Frau hatte gestanden.

Was von diesem Geständnis zu halten ist, müssen die «Tatort»-Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) in ihrem achten Fall klären. Das Erste zeigt die Folge «Saras Geständnis» am Sonntag um 20.15 Uhr.

Johanna Wokalek («Die Päpstin») spielt Manzer, die sich nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis vorsichtig und zaghaft wieder einem Leben in Freiheit annähert. Weder aufgeregt noch frustriert wirkt sie. Als ein Kollege im neuen Job aufdringlich wird, reagiert sie aber überraschend resolut. Die gebürtige Freiburgerin Wokalek spielt die wohl eindrucksvollste Figur in diesem «Tatort».

Mit Benno Rose bringt sie die gemeinsame Vergangenheit in Verbindung: Er war damals der erste Polizist am Tatort gewesen. Und kurz vor ihrer Entlassung kontaktierte er sie. Er habe neue Informationen über den Tod ihres Vaters. Bei einer Willkommensfeier im Hause ihrer Freundin ruft er Manzer an - und steht im Dunkeln vor dem Haus. Wenig später ist er tot, sein Motorrad wird in Sichtweite der Wohnung gefunden.

Nahezu stoisch steht Manzer den Ermittlern Rede und Antwort. Ihr Umfeld ist stärker besorgt als sie selbst, dass sie wieder eines Mordes verdächtigt wird. In den Gesprächen geht sie auf die Gewalttat an ihrem Vater ein und die Folgen: Journalisten durchwühlten ihre Biografie, diffamierten sie öffentlich, lauerten der Tochter auf dem Schulhof auf. Und Manzer äußert sich auch über ihr Geständnis.

Tobler und Berg ermitteln quasi in zwei Fällen: Zum einen müssen sie den Mord an Rose aufklären, zum anderen ackern sie die alten Unterlagen zum Fall Manzer auf. Dabei stoßen sie auf fragwürdige Verhörmethoden ihres Vorgängers, werden mit illegalen Geldgeschäften des getöteten Verlegers konfrontiert und müssen sich mit einem im Netz kursierenden Video vermeintlicher Polizeigewalt befassen.

All das wird angerissen, spielt aber nur am Rande eine Rolle. Insgesamt entwickelt sich der Fall recht gemächlich, wie es das Publikum von den Schwarzwald-«Tatort»-Krimis gewohnt ist. Die Ermittler kämpfen mit Funklöchern und neuer Technik in Büroräumen, während sie Fotos der Beteiligten an Korkpinnwände heften.

Die turbulenteste Szene ist ein Verfolgungslauf durchs verschneite Freiburg. Nur mit Glück erwischen die Kommissare den Flüchtigen. Ebenso hilft bei der Suche nach dem Laptop des toten Polizisten dann auch nicht das Team der Spurensicherung - sondern Kommissar Zufall.

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