Arbeit unter Corona-Bedingungen

SAP-Personalchef: „Die Pandemie sorgt für eine Vermenschlichung der Arbeitswelt“

SAP-Personalchef Cawa Younosi.
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Trotz Corona-Krise geht es den Mitarbeitern bei SAP besser als je zuvor, sagt Personalchef Cawa Younosi.
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Den Mitarbeitern des Softwareunternehmens SAP gehe es jedoch besser als je zuvor, sagt dessen Personalchef.

Walldorf - Das Coronavirus in Baden-Württemberg beeinflusst das Leben im Südwesten nun bereits seit über einem Jahr und hat auch die Arbeitswelt komplett auf den Kopf gestellt. Viele Arbeitnehmer verlagerten ihren Alltag vom Büro in die eigenen vier Wände und manche Unternehmen lösten dadurch sogar den Mietvertrag für Büroräume auf. Auch bei den bekannten Unternehmen in der Landeshauptstadt Stuttgart ist seit dem Ausbruch der gefährlichen Lungenkrankheit vieles anders. Bei Daimler finden die großen Weltpremieren der neuen Fahrzeugmodelle nur noch virtuell statt und der Konzern spart viel Geld durch den Wegfall der vielen Dienstflüge.

Ola Källenius, der Daimler-Chef, sagt vorher, dass sich die Arbeit nach der Pandemie für immer verändern wird. Er vermisse die vielen Dienstflugreisen nicht. Viele Arbeitnehmer haben jedoch zunehmend Probleme im Home Office. Der direkte Austausch mit den Kollegen findet nur noch über eine Webcam statt oder entfällt ganz und die tägliche Arbeitsroutine inklusive Arbeitsweg fällt für viele seit Monaten aus. Der Personalchef des Softwareunternehmens SAP mit Hauptsitz im baden-württembergischen Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) sagte in einem Interview mit dem NWX Magazin, es gehe den Mitarbeitern im Unternehmen besser als je zuvor.

Arbeitswelt in der Corona-Krise: SAP-Personalchef sieht Vorteile - „weil alle im selben Boot saßen“

Durch die anhaltende Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg wird der direkte Austausch mit Kollegen durch die Webcam zwar unpersönlicher, Arbeitnehmer geben jedoch auch mehr von sich Preis. Wenn man beispielsweise im Büro sitzt, sehen die Teamkollegen einen Mitarbeiter des Unternehmens, der seiner Arbeit nachgeht. Bei virtuellen Konferenzen aus der eigenen Wohnung ist jedoch vielleicht auch die Küche, ein Bücherregal, Bilder an den Wänden oder Ähnliches zu sehen, dass normalerweise eher persönlich ist. Der Personalchef von SAP sieht jedoch genau darin einen Vorteil, wie er im Interview mit dem NWX Magazin sagte.

Die Corona-Pandemie habe auch für die SAP-Mitarbeiter eine hohe Belastung bedeutet, sagte Cawa Younosi, „Head of People Germany“ bei SAP. Er habe jedoch „eine enorme Vermenschlichung der Kultur erlebt“. „Die Mitarbeitenden waren nicht mehr nur SAPlerinnen und SAPler, sondern auch Väter, Mütter, Tierbesitzer, Pflegende, und so weiter“, erklärt der Personalchef des Softwaregiganten. „Wir haben zusammen gelacht und geweint und es gab in dem Sinn keine Hierarchie, weil alle im selben Boot saßen.“

Eine solche Krise fordere auch Umdenken in den Unternehmen, sie müssen sich gezwungenermaßen an die neue Situation anpassen. Das sei bei SAP gut gelungen, sagte Younosi dem NWX Magazin. Die Corona-Pandemie habe dazu geführt, dass die Mitarbeiter „improvisiert haben, kreativ wurden und irgendwie den Betrieb am Laufen halten wollten“.

SAP: Platz für die Familie - „sitzen ja nicht in der Fabrik und machen Ziegelsteine“

Durch die Corona-Pandemie hat sich nicht nur die Arbeitswelt verändert, sondern bei vielen auch das Familienleben. Durch Home Schooling und Online-Unterricht sind in vielen Familien die Kinder auch tagsüber zu Hause. Damit muss das Job- und das Familienleben abgestimmt werden. In vielen Unternehmen würden die Angestellten dennoch Vollzeit arbeiten, sagt SAP-Personalchef Cawa Younosi im Gespräch mit dem NWX Magazin. „Wenn ich von anderen Unternehmen höre, dass Leute ständig zehn Stunden oder mehr arbeiten müssen, kann ich nur den Kopf schütteln“, macht er deutlich. „Wir sitzen ja nicht in der Fabrik und machen Ziegelsteine und je länger ich arbeite, desto mehr Ziegelsteine kann ich schaffen.“

Gerade in der Corona-Zeit habe die Familie deshalb bei SAP im Zweifel Vorrang vor der Arbeit. „Deshalb haben wir uns bereits zu Beginn der Pandemie dazu entschieden, dass unsere Mitarbeitenden keine Gehaltseinbußen befürchten sollen, wenn parallel zum Homeschooling nicht die volle Arbeitsleistung erbracht werden kann“, erklärt Younosi. Für das Miteinander trotz „Social Distancing“ hat sich der Softwarekonzern nach Angaben des Personalchefs einiges einfallen lassen. „Wir machen unzählige Aktionen wie virtuelles Grillen, Weintasting, Schokoladentasting und Malwettbewerbe“, sagte er dem NWX Magazin. Vor Corona habe man nur die Mitarbeiter eines Standorts vor Ort angetroffen, nun könne man alle virtuell treffen und es werde „viel inklusiver“.

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