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Forsches Robbenbaby bezaubert in Heidelberg

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Die junge Mähnenrobbe Yuna bewegt sich im Außengehege des Heidelberger Zoos. Das Jungtier kam Mitte Juli zur Welt und muss nun das Schwimmen lernen.
Die junge Mähnenrobbe Yuna bewegt sich im Außengehege des Heidelberger Zoos. Das Jungtier kam Mitte Juli zur Welt und muss nun das Schwimmen lernen. © Uwe Anspach/dpa

Große Kulleraugen, reizende Barthaare und witzige Action - Robben gehören zu den Publikumslieblingen von Zoos in aller Welt. Der Heidelberger Tiergarten kann nun mit einem süßen Mähnenrobbenmädchen aufwarten.

Heidelberg (dpa/lsw) - Sie planscht, taucht, rast pfeilschnell durchs Wasser - die kleine Mähnenrobbe Yuna lernt im Außenbecken des Heidelberger Zoos schwimmen. Das Robbenbaby ist nun einen Monat alt und zeigt erstaunliches Talent. «Sie ist extrem fit, und man kriegt sie kaum aus dem Wasser raus», sagt Revierleiterin Bianca Weißbarth. Yunas Bruder Kano klammerte in diesem Alter noch und war viel unselbständiger. Yuna hingegen scheint kein Mama-Kind zu sein. Sie spielt weiter mit ihrer grünen Lieblingsboje, auch wenn die Mutter sich bereits zurückgezogen hat. Für ausgiebiges Baden ist die «kleine forsche Prinzessin» - wie Pflegerin Weißbahrt sie liebevoll nennt - bestens ausgestattet. «Sie ist ein Wonneproppen mit Babyspeck.» Das Wasser ist um die zwölf Grad kalt - was Yuna dank Polsterung ganz und gar nicht stört.

Derzeit ist Yuna aber noch auf ihre Mutter und deren Milch angewiesen. Erst mit einem halben Jahr wird sie sich für Fisch interessieren. Sie und ihre Familie brauchen Salzwasserfisch, eine heimische Forelle würden die aus Südamerika stammenden Flossenfüßler nicht vertragen. Am Tag verzehrt die Truppe unter Führung des Bullen Atos im Sommer 30 Kilogramm. Einige Kilos davon benutzt der Zoo auch für die publikumswirksame Fütterung der Tiere.

Weißbarth und ihr Team lassen die Tiere sich um die eigene Achse drehen, Ringe aus der Tiefe holen und sich auf den Vorderflossen kerzengerade aufrichten «Ganz ungefährlich ist das Training nicht, das sind ja schließlich Raubtiere», sagt Weißbarth aus leidvoller Erfahrung. Eine alte Seelöwin biss ihr in die Hand. Das hindert die Mittdreißigerin aber nicht daran, stolz ein buntes Tattoo auf ihrem Oberarm zu zeigen: Darauf balanciert eine Zirkusrobbe einen Ball auf der Schnauze. Sie liebt ihre Schützlinge, sie sind intelligent, verspielt und an Menschen nicht nur als Futterquelle interessiert, findet die Expertin.

Yuna wäre in freier Wildbahn kurz nach der Geburt Risiken ausgesetzt; und zwar durch den eigenen Vater. Da Robbenweibchen sofort nach der Geburt ihres Nachwuchses wieder schwanger werden können, versuchen die Bullen alles, um an die begehrten Weibchen zu gelangen. «Dabei übersehen die bis zu 500 Kilogramm schweren und bis zu 2,5 Meter langen Männchen schon mal ihren Spross und trampeln ihn tot, in der freien Natur passiert das tausendfach», erläutert Weißbarth.

Deshalb können Atos und seine Tochter derzeit nur durch ein spezielles Gitter kommunizieren. Der Zoo will Mutter Kelo außerdem ein Jahr Erholung gönnen, bevor die nächste elfmonatige Schwangerschaft kommt. Deshalb wird Atos erstmal ein Zölibat verordnet.

Beim Spiel im Wasser wird auch klar, woher die Mähnenrobben ihren Namen haben: Das männliche Tier hat im Brustbereich eine Art Fell. Sobald sich eine ähnliche Behaarung bei Kano ausbildet, muss er die Heidelberger Gruppe und seine Schwester Yuna verlassen; sonst ist Zoff zwischen ihm und seinem Vater vorprogrammiert.

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