„Tüten mit Spaß“

Cannabis verharmlost? Kunde empört sich über Werbung von Ritter Sport

Ritter-Sport-Werbung mit der Aufschrift „Tüten mit mehr Spaß findet man nur in Amsterdam“.
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Wegen dieses Plakats wirft ein Kunde Ritter Sport vor, Cannabis-Konsum zu verharmlosen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Ritter Sport nutzt für seine Werbung häufig knackige Slogans, die bei Kunden meist gut ankommen. Ein Plakat des Schokoproduzenten geht einem Kritiker nun jedoch zu weit.

Waldenbuch - Der Schokoladenhersteller Ritter Sport aus Waldenbuch im Kreis Böblingen* macht gerne mal mit markigen Werbesprüchen auf sich aufmerksam (BW24* berichtete). Seine bunt verpackte Schokolade, die Ritter Sport als einziger Hersteller im Quadrat herstellen darf*, präsentiert das Unternehmen auf zahlreichen Kanälen wie Facebook und Instagram - häufig mit einem flotten Spruch. Nun wurde Ritter Sport ausgerechnet eine Plakatwerbung zum Verhängnis. Ein Kritiker sieht darin eine Verharmlosung von Cannabis.

Eigentlich wollte Ritter Sport mit dem Plakat auf lustige Weise für eine neue, umweltfreundliche Verkaufsstrategie werben. Beworben werden Papiertüten, in die der Schokoladenhersteller seit April dieses Jahres seine Ritter Sport Minis packt - um Plastik zu vermeiden. Der Slogan: „Tüten mit mehr Spaß findet man nur in Amsterdam.“ Im Voraus der Werbe-Aktion durften Ritter-Sport-Fans über verschiedene Plakatmotive zur Kampagne abstimmen. Rund ein Drittel hatte sich für das „Tüten mit Spaß“-Motiv entschieden. Ein Kunde findet das jedoch alles andere als witzig.

Ritter-Sport-Werbung in der Kritik: „Drogen und Sport passen einfach nicht zusammen“

„Mit Bedauern habe ich gerade Ihre Werbung für die Minis in der gelben Papiertüte sehen müssen“, richtet sich ein enttäuschter Kunde in einer E-Mail, die der Stuttgarter Zeitung vorliegt, an Ritter Sport. „Es wird von Ihnen suggeriert, dass Cannabis mit Spaß gleichzusetzen ist. Was der Konsum von Cannabisprodukten jedoch auslösen kann, ist ja hinlänglich bekannt. Auch wenn es seit Langem politische Diskussionen über eine Legalisierung von Cannabis gibt, ist und bleibt es eine Droge und ist noch immer verboten“, schreibt der Kunde in seiner Mail an den Schokoladenhersteller.

Die Marke Ritter Sport habe es doch nicht nötig, in dieser Weise Werbung für ihre Produkte zu machen, so der Mann weiter. „Zumal Sie sich auch im sportlichen Bereich sehr engagieren. Drogen und Sport passen aber nicht zusammen. Ich möchte Sie eindringlich bitten, diese Werbung zeitnah zum Thema zu machen und eine andere Wortwahl zu finden.“

Ritter Sport reagiert: „Sind uns bewusst, dass der Slogan polarisiert“

Auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung, warum dieser Slogan ausgewählt wurde, antwortete die Pressestelle von Ritter Sport: „Uns ist bewusst, dass die Grenzen von Humor bei diesem Thema eng gesteckt sind und dass der Umgang damit durchaus polarisiert.“ Ritter Sport arbeite in seiner Kommunikation seit jeher selbstbewusst und kantig. „Oft sind unsere Headlines geprägt von Wortspielen, die mit einem Augenzwinkern zu verstehen sind. Wir wollten das Thema keinesfalls verharmlosen.“ Die Kritik nehme man jedoch ernst, so Ritter Sport - und versprach dem Kunden in einer Antwort-Mail, in Zukunft größere Sensibilität bei derartigen Themen walten zu lassen.

Erst kürzlich machte das Unternehmen aus Waldenbuch Schlagzeilen, weil es ein Ritter-Sport-Produkt nicht Schokolade nennen* durfte. Die Sorte „Cacao y nada“ enthielt keinen raffinierten Zucker und war laut deutschem Lebensmittelrecht deshalb keine Schokolade. Zudem wurde vor Kurzem bekannt, dass Ritter Sport Bio-Produkte aus dem Sortiment streicht*. Kunden seien nicht bereit, für die entsprechenden Gütesiegel-Standards mehr Geld zu bezahlen, hieß es vonseiten des Unternehmens. *BW24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

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