Polit-Talk im ZDF

Ricarda Lang schießt gegen Ex-AfD-Chef Meuthen: „Sie hatten keine Machtperspektive in Ihrer Partei“

Die Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF).
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In der Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF) traf die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang auf Ex-AfD-Chef Jörg Meuthen.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Als das Gespräch bei Markus Lanz am Mittwoch auf den Parteiaustritt von Ex-AfD-Chef Jörg Meuthen fiel, äußerte sich auch die neue Grünen-Chefin Ricarda Lang - und traf einen wunden Punkt.

Hamburg - Mit der neuen Grünen-Vorsitzenden Ricarda Lang und Ex-AfD-Chef Jörg Meuthen trafen am Mittwochabend in der Talkshow von Markus Lanz zwei Welten aufeinander. Zwar blieb es zwischen den konträren Politikern die gesamte Sendung über ruhig. Als die Sprache jedoch auf Jörg Meuthens Austritt aus der AfD fiel, konnte sich Lang nicht mehr zurückhalten - und warf ihm machtpolitische Berechnung vor.

Meuthen betonte, er sei in einem „schmerzhaften Prozess“ zur Gewissheit gelangt, dass die AfD „als Alternative keine Zukunft“ habe und er den Weg, den die Partei nehme, nicht länger mitgehen könne. Sein Ziel sei es gewesen, die AfD als konservativ-bürgerliche Kraft zu etablieren, doch am Ende sei er mit diesem Vorhaben gescheitert. „Es gab in dieser Partei immer zwei Parteien in einer“, so Meuthen. „Es gibt sie auch heute noch: Die konservativen, bürgerlich-freiheitlichen Kräfte. Und es gibt die anderen - die einen völkisch-nationalistischen Kurs verfolgen.“

Jörg Meuthen bei Markus Lanz: „Höcke ist nicht die hellste Kerze auf der Torte“

„Aber mit genau diesen völkischen Leuten sind Sie doch extrem lange mitgelaufen“, wirft Moderator Markus Lanz sichtlich verwundert ein. „Den Parteiausschluss von Björn Höcke haben Sie verhindert.“ Meuthen erwidert, ihm sei schon im Voraus klar gewesen, dass der Ausschluss nicht funktioniert hätte - obwohl er selbst Höcke gerne der Partei verwiesen hätte. Höcke sei „nicht die hellste Kerze auf der Torte“ und seine Aussagen reine Provokation.

Während Meuthen sich um Kopf und Kragen redet, kann Ricarda Lang ihren Unmut nicht mehr zurückhalten. „Dieser Mann hat über Jahre hinweg widerwärtige Sachen gesagt und Sie sind mit ihm in einer Partei geblieben und haben damit auch diesen Flügel Ihrer Partei gestärkt.“ Dass Meuthen nicht zu einem früheren Zeitpunkt aus der Partei ausgetreten sei, liege nicht daran, dass er plötzlich erkannt habe, dass er in einer rechtsextremen Partei sei. „Das hat nichts mit Rückgrat zu tun, sondern damit, dass Sie keine Machtperspektive mehr in dieser Partei hatten.“

Ricarda Lang empört: „Reinwascherei, nachdem Sie jahrelang Rechtsextreme in der Partei geduldet haben“

„Diese Reinwascherei, nachdem Sie jahrelang Rechtsextreme in der Partei geduldet haben, die nimmt Ihnen niemand ab, Herr Meuthen“, so Lang. Während Meuthen sichtlich pikiert zurückschießt, schaltet sich auch Lanz wieder ein. Der Punkt der Grünen-Chefin sei berechtigt. „Wenn Ihnen das alles so klar war, warum haben Sie damals nicht die Entscheidung getroffen, einfach auszutreten?“, fragt Lanz.

Meuthen betont, er habe stets beharrlich versucht, die Partei auf einen bürgerlich-konservativen Kurs zu bringen - und sei schlichtweg gescheitert. „Ich trete doch nicht als Bundesvorsitzender zurück, nur weil ich einen durchgeknallten Landesvorsitzenden habe.“ Später spricht Meuthen von sich als „Feldherr ohne Truppen“ - was im Grunde bestätigt, dass er keine Machtperspektive hatte - und Ricarda Lang womöglich ins Schwarze getroffen hat.

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