Tiere nicht artgerecht gehalten?

Rentnerin entsetzt: Tierheim fordert 3.253 Euro für Pflege ihrer Vögel - „kann ich nicht bezahlen“

Ein Kakadu sitzt in einem Käfig und wird mit einem Stück Gurke gefüttert
+
Seit Oktober sind ein Kakadu und zwei weitere Vögel im Tierheim Reutlingen untergebracht. Ihre Halterin fordert sie zurück (Symbolbild).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
    schließen

Weil sie wegen einer Coronainfektion im Krankenhaus lag, kamen die Vögel von Monika Simon zur Pflege ins Tierheim. Dafür werden nun über 3.000 Euro fällig.

Reutlingen - Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg waren viele Menschen zu Hause. Die Tierheime waren nach kürzester Zeit wie leer gefegt. Viele holten sich im Lockdown tierische Mitbewohner nach Hause. Dabei zeichnet sich allerdings auch ein trauriger Trend ab: Der illegale Welpenhandel in Baden-Württemberg boomt. Aktuell füllen sich die Stationen schon wieder. Doch auf drei Vögel aus dem Reutlinger Tierheim wartet ein Zuhause.

Zwei Katzen und drei Vögel waren dort untergekommen, nachdem deren Besitzerin Monika Simon mit einer Coronainfektion im Krankenhaus gelandet war. Im Tierheim wurden sie gut umsorgt. Nun, da die 75-Jährige wieder zu Hause und wohlauf ist, möchte sie ihre Tiere wieder zu sich holen. Doch das gestaltet sich aktuell als unmöglich. Der Grund: Die Rentnerin kann die Rechnung für die Pflege der Tiere von 3.253 Euro nicht bezahlen. Aber es steckt wohl noch viel mehr dahinter.

Tiere werden im Reutlinger Tierheim untergebracht - Kosten für Rentnerin nicht tragbar

Die Rentnerin aus Reutlingen infizierte sich im Oktober 2021 mit dem Coronavirus, brach in ihrer Wohnung zusammen, berichtet Bild. Ihre zwei Katzen sowie der Papagei Dodo, die Blaustirn-Amazone Jako und der Kakadu Koko blieben zurück. Eine Nachbarin informierte die Polizei, diese schließlich das Tierheim. Monika Simon wurde in einem Brief mitgeteilt, sie könne die Tiere zu sich holen, „sobald sie aus der Klinik entlassen“ werde.

Das wollte die Rentnerin aus Baden-Württemberg nach 32 Tagen tun. Doch das Tierheim schickte der 75-Jährigen eine Rechnung, die es in sich hatte. Insgesamt 3.253 Euro soll sie dem Tierheim schulden. Aufgelistet werden Tierarztkosten, Unterbringung, Laboruntersuchungen und vieles mehr. Allein die Unterbringung der Vögel kostete pro Tier 20 Euro am Tag. Damit hatte Monika Simon nicht gerechnet. „Dass es so teuer werden würde, wusste ich nicht. Bei meiner Rente von 1.500 Euro im Monat kann ich das nicht bezahlen.“

Sie versteht nicht, warum sie ihre Tiere nicht wiederhaben kann. Schließlich lebt Kakadu Koko seit 30 Jahren bei ihr. Auf Anfrage von Bild wollte sich das zuständige Tierheim nicht dazu äußern. Auf der Internetseite des Tierheims werden die Tiere bereits angeboten. Doch ganz so einfach scheint die Sache doch nicht zu sein. Denn das Tierheim Reutlingen postete auf Facebook eine Stellungnahme, die ein ganz anderes Licht auf den Fall wirft.

Tierheim wehrt sich: Tiere waren verwahrlost und in katastrophalem Zustand

Wie der Tierschutzverein schreibt, sieht er sich nach dem Bild-Artikel gezwungen, sich zur Sache zu äußern. „Wir waren bestrebt, eine Lösung mit der Tierhalterin herbeizuführen und haben bewusst auf eine Darstellung der Haltungssituation verzichtet, auch um die Privatsphäre der Halterin zu schützen“, heißt es da. „Nachdem durch den Artikel nun Zweifel an unserem Bestreben, eine Lösung für Mensch und Tier zu finden, entstanden sind und zur Erklärung unserer Motivation, müssen wir nun Details schildern, die wir lieber mit der Halterin direkt besprochen hätten.“

Wie das Tierheim weiter schildert, fanden Polizei und Mitarbeiter des Heims die Tiere in einem katastrophalen Zustand vor. „Leider ist artgerechte Haltung alles andere als das, was wir vorgefunden haben“, so das Tierheim. Die Vögel seien separat in verschmutzten und viel zu kleinen Käfigen gehalten worden, ohne Möglichkeit auf Freiflug. Zudem hätten die Tiere weder Wasser noch Futter gehabt. Besonders dramatisch: ein Graupapagei lag bereits tot am Boden. Laut Angaben des Tierheimes war er verhungert, was eine Tierärztin nach eingehender Untersuchung des toten Tieres bestätigte.

Alle Tiere zeigten durch die Fehlhaltung Verhaltensauffälligkeiten, rupften sich zum Beispiel Federn aus. Auf einem Foto des Tierheimes ist das Leid der Tiere zu sehen. Auf das angebotene Futter stürzten sich die Vögel förmlich. „Dieser Zustand kann nicht von einem Tag kommen, an dem die Tiere unversorgt waren“, sind sich die Tierschützer sicher. Mit solchen Fällen sehen sich Tierheime in Baden-Württemberg immer wieder konfrontiert. In Stuttgart wurden 144 Katzen und Vögel aus einem Animal-Hoarding-Fall aufgenommen.

Tierschützer nach Lösung bestrebt: „Unser Angebot sich bei uns zu melden hatte sie nicht angenommen“

Das Tierheim äußerte sich außerdem dazu, warum die Tiere bereits im Internet gelistet sind. „Die Vögel sind trotz unklarer Eigentumssituation bereits im Internet, weil es mit erheblichen Problemen verbunden ist, einen geeigneten Platz für die Tiere zu finden. Aus diesem Grunde wurden sie bereits vorgestellt, um mögliche Interessenten für den Fall, dass die Situation sich klärt, zu finden.“

Außerdem habe man versucht, mit Monika Simon eine Einigung zu treffen. „Der Frau wurde angeboten sich im Tierheim zu melden, um die Sache vor Ort zu klären, sie selbst hatte sich erst lang nach ihrem Krankenhausaufenthalt bei uns gemeldet“, so das Tierheim. „Unser Angebot sich bei uns zu melden hatte sie nicht angenommen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Vögel bald wieder ein liebevolles Zuhause finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare