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Restaurant in Ulm: Roboter ersetzt menschliche Bedienung - „er wird nicht müde und braucht keine Pause“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Im Asia Garden im Ulmer Blautalcenter bringt seit kurzem ein Roboter die Speisen. Ist das die Zukunft der Gastronomie? BW24 hat mit Inhaber Yong Qiu gesprochen.

Ulm - Für Gastronomen wird es immer schwieriger, Fach- oder Aushilfskräfte zu finden. Die Corona-Pandemie hat das Problem noch verstärkt. Yong Qiu, Inhaber des Asia Garden im Ulmer Blautalcenter, kennt das Dilemma nur zu gut - und weiß sich mit einem neuen Ansatz zu helfen. In seinem Restaurant bedient seit kurzem ein Roboter die Kunden. Er misst die Wege aus, weiß genau, wo Tische und Stühle stehen, und wird per Knopfdruck zu den Tischen geschickt. Dort entnehmen die Kunden Essen und Getränke, bevor der Roboter wieder brav in die Küche rollt.

Mit dem smarten Gehilfen ersetzt Yong Qiu eine menschliche Aushilfe, wie er im Gespräch mit BW24 erklärt. Voll aufgeladen kann der Roboter bis zu zwölf Stunden am Tag arbeiten. Bei einer Lebensdauer von acht Jahren und einem Einkaufspreis von 18.000 Euro liegt der Kostenpunkt für den rollenden Kellner bei monatlich knapp 200 Euro - deutlich weniger, als Qiu für eine Aushilfskraft aus Fleisch und Blut bezahlen müsste „Der Roboter als Servicekraft hat noch andere Stärken“, sagt Qiu - und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Er ist nie müde, er ist umgänglich, er braucht keine Pause und verursacht keine Nebenkosten.“

Kellner auf Rollen begeistert Restaurant-Gäste: „Die meisten zücken ihr Handy und machen Fotos“

Auch für die Kunden im Asia Garden ist der Kellner auf Rollen eine echte Attraktion. „Die meisten zücken begeistert ihr Handy und machen Fotos, wenn sie den Roboter sehen“, freut sich Qiu. In China seien die schlauen Helfer längst keine Besonderheit mehr. „Seit rund drei Jahren sind die Bedienungsroboter in China populär und werden in Restaurants und Cafés eingesetzt“, sagt der Gastronom. „Bereits eine Million dieser Roboter wurde dort verkauft.“ Die Firma „Keenon“, für die Qiu Roboter vertreibt, hat in China schon 300.000 Einheiten an den Mann gebracht und bietet sie seit kurzem auch auf dem deutschen Markt an.

Qiu ist überzeugt, dass die Serviceroboter sich bald auch in Deutschland durchsetzen. „Ich rechne hier in den kommenden Jahren mit großem Einsatzpotenzial“, sagt er. „Insbesondere, weil der Gastronomie die Angestellten wegbrechen.“ Sein eigenes Restaurant will der „Asia Garden“-Inhaber in Zukunft komplett durchtechnologisieren. „In der Küche sollen langfristig Küchenroboter Arbeiten übernehmen“, sagt er. „Zudem möchten wir eine elektrische Speisekarte einführen, bei der Kunden per iPad bestellen können.“

Von Desinfektionsroboter bis Shopping Guide: Angebot an Servicerobotern wächst

Neben dem Bedienroboter findet man im Angebot von Qius Robotershop weitere Arten von Robotern. „Wir haben zum Beispiel einen Roboter, der sich zu Werbezwecken eignet. Der kann bei uns im Blautalcenter herumlaufen, Kunden ansprechen oder einen Monitor mit Werbung tragen“, so Qiu. In China weit verbreitet sei zudem eine Art von Roboter, die als Zimmerservice in Hotels in Erscheinung tritt. „Die Zimmerservice-Roboter senden Signale an die Aufzüge im Hotel, sodass die Türen sich öffnen. So können sie jedes Stockwerk erreichen und den Hotelgästen Essen aufs Zimmer bringen.“ Egal, um was es geht: Hört man Qiu zu, so existiert offenbar für jegliche Dienstleitung ein Roboter. Vom Desinfektionsroboter bis zum Shopping Guide - es gibt keine Serviceleistung, die die „Keenon“-Roboter nicht übernehmen könnten. Das Potenzial von Robotern hat auch ein Start-up aus Metzingen erkannt, das derzeit einen Haushaltsroboter entwickelt.

Auch, wenn die Roboter Qiu in seinem Restaurant eine große Hilfe sind - einen Menschen werden sie in einer Hinsicht nie ersetzen können: Bei den rollenden Kellnern bleibt das Zwischenmenschliche auf der Strecke. Wie Qiu betont, beschäftige er deshalb selbstverständlich auch „echte“ Bedienungen. „Sie begrüßen die Gäste, kassieren ab und sorgen für die emotionale Bindung.“

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