Blutergüsse und Schürfwunden

Mit der Hand aufgezogener Rehbock greift Spaziergänger an - und wird erschossen

Ein Rehbock blickt aufmerksam in die Kamera.
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Wildtiere sollten niemals von Menschen angefasst werden.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Ein Rehbock hat im Todtnauer Wald mehrere Menschen angegriffen und verletzt. An dem Mann, der ihn großgezogen hat, wird Kritik laut. Der meint: „Der Rehbock wollte nur spielen.“

Schlechtnau/Geschwend - Wenn Tiere nicht in der Wildnis aufwachsen, können sie mitunter ungewöhnliche Verhaltensweisen entwickeln. Wurde ein Rehbock im Todtnauer Wald aggressiv, weil er von Menschenhand aufgezogen wurde? Diese Frage stellt sich, nachdem das Tier im April und Mai bei Schlechtnau/Geschwend insgesamt fünf Spaziergänger angegriffen hat - darunter auch ein Kind.

Wie ein Mann aus Schlechtnau der Badischen Zeitung berichtet, geriet er bei einem Spaziergang ins Visier des Rehbocks. „Er ist auf mich zugekommen, hat angefangen zu scharren und ist auf mein Knie los“, so der Mann. „Mit einem Stock habe ich dann versucht, das Tier auf Distanz zu halten.“ Eine Viertelstunde lang habe der Bock ihn attackiert, dann sei er abgehauen. Die Folge: Der Mann hatte massive Blutergüsse und Schürfwunden.

Rehbock von Hand aufgezogen: „Man muss sich nicht wundern, dass er aggressives Verhalten zeigt“

Wie der Betroffene später erfuhr, war er nicht das einzige Opfer des Rehbocks. Bereits in der Vorwoche hatte das Tier offenbar vier weitere Personen, darunter ein Kind, angegriffen. „Der Rehbock wurde mit der Hand aufgezogen. Da muss man sich nicht wundern, dass er nun aggressives Verhalten zeigt“, sagte der Geschädigte gegenüber der Badischen Zeitung.

In Folge der blutigen Attacke meldete sich dann auch der Mann zu Wort, der den Rehbock vor einem Jahr bei sich in Schlechtnau aufgenommen und großgezogen hat. Der sieht die Situation recht nüchtern: „Der wollte nur spielen“, sagte er der Badischen Zeitung. Die Verletzungen des Opfers, zu dem er nach dem Vorfall Kontakt aufgenommen hat, seien „nicht schwerwiegend“, die Situation werde in seinen Augen überdramatisiert.

Rehbock: Mann, der ihn aufgenommen hat, wollte dem Tier eigentlich helfen

Aufgenommen hat der tierliebe Mann den jungen Rehbock nach eigenen Angaben nur deshalb, weil ein Förster aus Lörrach ihn darum gebeten hat. Zuvor war der Rehbock offenbar von Menschen angefasst und wegen des Geruchs dann von der Mutter verstoßen worden. Da der Mann ohnehin viele Tiere wie Rinder, Ziegen und Hühner besitzt, stand für ihn außer Frage, dass er auch noch den Rehbock aufnimmt, wie er der Badischen Zeitung sagte. Da sich die Sache nun so unglücklich entwickelt hat, entschuldigte er sich, das Tier damals überhaupt erst aufgenommen zu haben.

Das Ende vom Lied: Der Rehbock wurde abgeschossen. Gemeinsam mit dem Revierförster hat es der ehemalige Besitzer so entschieden. Dass er im Nachhinein als der Böse dargestellt werde, bedauere er, wie er der Badischen Zeitung sagte. Die eigentlich Schuldigen seien erst die Menschen, die aus Dummheit oder Unwissenheit das Jungtier angefasst hätten.

Rehbock: Revierverteidigung eigentlich nur gegenüber Artgenossen

Ein normaler Rehbock verteidigt sein Revier gewöhnlich nur gegenüber Artgenossen. Ein Tier, das mit Menschen aufgewachsen ist, kann Menschen in Folge als Seinesgleichen ansehen - und auch diesen gefährlich werden.

Immer wieder kommt es in Baden-Württemberg zu Situationen, in denen Förster aus bestimmten Gründen über einen Abschuss von Wildtieren entscheiden müssen. Beispielsweise töteten Jäger in Baden-Württemberg 75.000 Wildschweine, um eine Seuche aufzuhalten*. Von Außenstehenden werden die Abschüsse mitunter kritisch betrachtet. So fürchteten kürzlich Tierfreunde um das Leben eines seltenen Goldschakals* (BW24* berichtete), der in Rastatt in eine Fotofalle getappt war. *BW24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

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