Zerschlagung von Real

Real vor dem Ende: Edeka darf 44 Filialen übernehmen

Kunden gehen über den Parkplatz vor einer Real-Filiale
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Real ist an vielen Standorten bald Geschichte - Kaufland übernimmt
  • Julian Baumann
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Edeka will viele frühere Real-Filialen übernehmen. Das Bundeskartellamt gab nun grünes Licht. Das Filialnetz von Real schrumpft nun dramatisch.

Hamburg/Neckarsulm - Im vergangenen Jahr gab das Bundeskartellamt grünes Licht für die Zerschlagung der Lebensmittelkette Real. Die meisten der rund 270 früheren Filialen werden schon bald unter einem neuen Banner wiedereröffnen. Die Supermarktkette Kaufland aus dem baden-württembergischen Neckarsulm (Kreis Heilbronn) hat den Zuschlag für die höchste Anzahl an Märkten erhalten.

Der Lebensmittelhändler Kaufland darf 92 Real-Märkte übernehmen. Ursprünglich meldete das Unternehmen die Übernahme von 101 Filialen an, das Bundeskartellamt gab diesem Vorhaben aufgrund einer zu großen Marktmacht allerdings nicht statt. Kaufland gehört wie auch der Discounter Lidl zur Schwarz-Gruppe und zählt damit zu den größten Lebensmittelhändlern in ganz Europa.

Neben Kaufland wird auch Edeka mit Sitz in Hamburg viele ehemalige Real-Filialen übernehmen und auch ein weiterer unerwarteter Konkurrent will zuschlagen. Das Bundeskartellamt schob dem Vorhaben von Edeka nun jedoch zum Teil einen Riegel vor und untersagte die Übernahme von 28 Real-Märkten, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Grund für diese Maßnahme ist, dass Edeka durch die Übernahme eine zu große Marktmacht erlangen würde.

Übernahme von Real: Kaufland startete bereits - Edeka muss kleiner planen

Im Zuge der Zerschlagung der Lebensmittelkette Real werden jedoch nicht alle Filialen unter neuem Namen wiedereröffnen. 10 Real-Filialen schließen endgültig, da Kaufland nicht interessiert ist. Dazu zählt auch ein Markt in Villingen-Schwenningen. Kaufland hatte schon im Vorfeld der Übernahme für leere Regale bei Real gesorgt. Denn das Unternehmen sortierte radikal aus.

Inzwischen ist die Übernahme der Real-Filialen durch Kaufland schon angelaufen. Die ersten Real-Märkte öffneten bereits als Kaufland mit drastischen Änderungen für Kunden und Mitarbeiter. Einige ehemalige Real-Kunden sind von der Übernahme durch das baden-württembergische Unternehmen auch alles andere als begeistert.

Neben vielen weiteren Standorten wird Kaufland auch den ehemaligen Real-Markt in Hamm übernehmen. Die Kunden waren von dem bereits laufenden Umbau genervt. „Kaufland haben wir ja genug hier in der Ecke. Hätte mich über einen Edeka auch mehr gefreut“, schrieb eine Kundin auf Facebook. Edeka hatte ursprünglich die Übernahme von 72 Real-Filialen angekündigt. Das Bundeskartellamt gab letztendlich nur der Übernahme von 44 Märkten statt und meldete bei den restlichen 28 Bedenken wegen einer zu großen Marktmacht an, wie die dpa berichtet.

„Das Bundeskartellamt sieht nach vorläufiger Einschätzung und eingehender Analyse in den regionalen Absatzmärkten von 28 dieser Standorte eine drohende erhebliche Behinderung des wirksamen Wettbewerbs durch den Zuerwerb der dortigen Real-Standorte durch die Edeka-Gruppe“, heißt es in einem Schreiben, das das Kartellamt am Mittwoch vorlegte. Diese Einschätzung habe das Amt Edeka und dem bisherigen Eigentümer von Real, SCP, mitgeteilt. Man befinde sich nun in Gesprächen mit den Unternehmen über mögliche Wege zur Lösung der Wettbewerbsprobleme.

Real-Übernahme durch Edeka: Eigentümer bleibt trotz Bedenken des Kartellamtes optimistisch

Das russische Investmentunternehmen SCP zeigt sich trotz des „Nein“ des Bundeskartellamtes optimistisch, dass Edeka eine größere Zahl der früheren Real-Filialen übernehmen werde. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass das Bundeskartellamt für 44 der 72 von Edeka angemeldeten Standorte absatzseitig keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken sieht“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Das Amt hatte allerdings schon im Vorfeld der Übernahmen durch Kaufland und Co. Bedenken über eine zu große Marktmacht der großen Lebensmittelketten geäußert. Deshalb hatte sich SCP dazu verpflichtet, auch mittelständischen Unternehmen eine Übernahmechance für ehemalige Real-Filialen zu bieten.

Durch die Bedenken des Bundeskartellamtes bekommt Edeka demnach nur grünes Licht für die Übernahme von 44 Real-Filialen. Dem Lebensmittelhändler Globus wurden bis zu 24 Real-Standorte zugesichert. Obwohl Kaufland nicht wie angemeldet 101 Märkte übernehmen kann, bekam das baden-württembergische Unternehmen dennoch den Zuschlag für die meisten Filialen. Auch für den ehemaligen Real-Standort in Hamm, auch wenn sich manche Kunden lieber einen Edeka gewünscht haben.

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