Für viele ist Zukunft offen

Real wird zerschlagen: 34.000 Mitarbeitern droht ein ungewisses Schicksal

Beleuchteter Real-Markt im Dunkeln, davor Einkaufswägen in einem Glashäuschen.
+
Während viele Real-Standorte von Kaufland oder Globus übernommen werden, droht anderen die endgültige Schließung.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen

Real verschwindet an vielen Standorten von der Bildfläche und wird durch Kaufland, Globus oder Edeka ersetzt. Das hat auch für die Angestellten fatale Konsequenzen.

Neckarsulm - Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass der Düsseldorfer Handelskonzern Metro die Supermarkt-Kette Real mit ihren bundesweit 279 Filialen verkaufen will. Nachdem die russische Investorengruppe SCP Real übernommen hatte, verkaufte sie 92 Märkte an Kaufland. Edeka kündigte ursprünglich eine Übernahme von 72 Real-Märkten an, darf nun jedoch nur 44 Real-Märkte übernehmen. Neben Kaufland und Edeka werden 24 Real-Märkte zu Globus. Für andere Real-Standorte gab es keine Perspektive mehr, sie machen für immer dicht.

Bis 2022 soll der Verkauf von Real komplett abgewickelt sein. Doch wie geht es mit den 34.000 Beschäftigten in den 256 Real-Märkten weiter, die dann unter neuer Leitung laufen? Laut der WAZ müssen die neuen Inhaber der Real-Standorte wie Kaufland, Edeka oder Globus die Real-Mitarbeiter zunächst für ein Jahr übernehmen. Was danach passiert, ist ungewiss. Sicher ist bislang offenbar nur die Übernahme der Angestellten, deren Märkte jetzt von Kaufland übernommen werden.

Real-Übernahme: „Kaufland kann am ehesten Weiterbeschäftigung gewährleisten“

„Aus der Sicht der Beschäftigten kann Kaufland die übernommenen Real-Märkte am ehesten zukunftsfest aufstellen und Vereinbarungen wie Weiterbeschäftigung, Tariflohn und Mitbestimmung gewährleisten“, sagte Orhan Akman, Fachgruppenleiter Einzelhandel im Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi, gegenüber der WAZ. Laut einer Pressemitteilung von Verdi hatte Kaufland ursprünglich für den Fall der Übernahme von 101 Real-Filialen weitreichende Absicherungen und Verbesserungen für die mehr als 12.000 betroffenen Real-Beschäftigten zugesichert. Letztendlich übernahm Kaufland dann aber nur 92 Märkte, weil laut Kartellamt sonst eine zu große Marktmacht bestanden hätte.

Verdi forderte im vergangenen Jahr von Kaufland, Edeka und Globus eine verbindliche Zusicherung, um den betroffenen Beschäftigten „ein Mindestmaß an Sicherheit und Zukunftsperspektive zu geben“, so die Gewerkschaft. Edeka befindet sich aktuell noch in Diskussionen mit dem Kartellamt. Da der Lebensmittelhändler mehr als die zugesicherten 44 Filialen übernehmen will, geht er im Kampf um die Real-Standorte zum Äußersten. Da erst bis zum Sommer 2022 alle Real-Filialen verkauft werden sollen, muss auch der russische Investor SCP bis dahin noch 50 Märkte selbst betreiben.

Real-Märkte werden zu Kaufland: Mitarbeiter müssen sich an Änderungen gewöhnen

Schon jetzt weht für viele ehemaligen Real-Angestellten ein neuer Wind. Nachdem vielerorts Real-Märkte als Kaufland neu eröffnet haben, müssen sich die Mitarbeiter an Änderungen gewöhnen. So ist beispielsweise das Kassensystem eine technische Umstellung. „Für uns alle ist das jetzt erst einmal Neuland, weil manche Abläufe anders sind“, sagt der Leiter eines Real-Marktes in Paderborn, der nun als Kaufland wiedereröffnet hat, dem Westfalenblatt. „Handel ist Wandel, das gehört dazu.“ Die Mitarbeiter der Filiale werden von Kaufland-Personal umgeschult.

Das Konzept von Kaufland unterscheidet sich deutlich von dem der Kette Real, die sich als Warenhaus mit einer sehr breiten Auswahl an Produkten präsentierte - gemäß dem Slogan „Einmal hin - alles drin“. Ganz anders das System Kaufland: Der Händler legt den Fokus auf Frische-Abteilungen: Obst- und Gemüse, Molkereiprodukte, Fleisch, Wurst und Käse. In Paderborn habe man „das Angebot an Bioprodukten, vegetarischen und veganen Lebensmitteln sowie solche für eine spezielle, beispielsweise glutenfreie, Ernährung erweitert“, berichtet der Verkaufsleiter gegenüber dem Westfalenblatt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare