Konkurrenz wächst

Wende bei Real-Übernahme: In letzter Sekunde greift eine neue Supermarkt-Kette ein

Ein Mann schiebt seinen Einkaufswagen vor einem Real Supermarkt.
+
Neben Kaufland, Edeka und Globus zeigt ein weiterer Konkurrent Interesse an den ehemaligen Real-Märkten.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Real wird zerschlagen und Kaufland übernimmt 92 Filialen. Den Rest teilen Edeka und Globus unter sich auf. Jetzt hat jedoch ein eher unerwarteter Konkurrent Interesse.

Neckarsulm - Bereits im Dezember 2020 gab das Bundeskartellamt grünes Licht für die Zerschlagung der Warenhauskette Real. Das Unternehmen hatte neben der Wirtschaftskrise auch massiv unter der Übernahme durch das russische Investmentunternehmen Sistema zu leiden. Der Lebensmittelhändler Kaufland, der wie auch der Discounter Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, hatte im Vorfeld angekündigt, rund 100 Real-Märkte übernehmen zu wollen. Das Bundeskartellamt genehmigte dieses Vorhaben allerdings nicht. Wenig später bekam Kaufland dann doch grünes Licht und darf nun bis zu 92 Real-Märkte übernehmen. Die Warenhauskette aus dem baden-württembergischen Neckarsulm (Kreis Heilbronn) ist jedoch nicht der einzige Interessent.

Neben Kaufland dürfen auch die Lebensmittelhändler Edeka und Globus ehemalige Real-Filialen übernehmen. Inzwischen steht jedoch fest: 10 Real-Filialen schließen für immer, da Kaufland nicht interessiert ist. Dazu gehören auch Real-Märkte in Baden-Württemberg, etwa in Villingen-Schwenningen. Während Kaufland bis zu 92 Real-Märkte, Edeka bis zu 72 und die Supermarktkette Globus 24 Filialen übernehmen darf, betritt nun ein weiterer Konkurrent die Bühne, wie t-online.de berichtet. Dabei handelt es sich um die Bünting-Gruppe aus dem Nordwesten Deutschlands.

Kaufland-Übernahme von Real-Märkten: Neuer Konkurrent meldet Interesse an

Die großangelegte Umstrukturierung der ehemaligen Filialen der Real-Kette ist an vielen Standorten in Deutschland bereits in vollem Gange. Bei vielen Real-Filialen gibt es bereits leere Regale, denn Kaufland sortiert vor der Übernahme radikal aus. So etwa im nordrhein-westfälischen Hamm, wo der Real-Markt bereits im Februar als Kaufland-Filiale neu eröffnen soll. Die Warenhauskette Kaufland kündigte in einem Schreiben an, bis Mai 26 Real-Filialen umbauen zu wollen. Insgesamt betrieb der Mischkonzern Real, der neben Lebensmitteln auch eine große Auswahl an sogenannten „Non-Food“-Waren anbot, 279 Filialen in Deutschland. Durch die bisherige Zusicherung an Kaufland, Edeka und Global sind demnach noch ein paar Real-Märkte verfügbar.

Die Bünting-Gruppe, die im Nordwesten Deutschlands mit Märkten wie „Famila“ und „Combi“ vertreten ist, meldete nun Interesse an bis zu 13 Real-Märkten an und tritt damit in Konkurrenz zu Kaufland und Co. Ein Sprecher der Bünting-Gruppe bestätigte diese Absicht auf Anfrage von t-online.de. „Wir haben die Real-Filialen ins Auge gefasst, die im Vertriebsgebiet von Bünting liegen“, so der Sprecher. Die Kernregionen der Bünting-Gruppe liegen zwischen der Nordseeküste und dem Münsterland, sie reichen von der holländischen Grenze im Westen bis nach Ostwestfalen, wie auf der Unternehmensseite geschrieben steht.

Übernahme der Real-Märkte auch für mittelständische Unternehmen: „Stärkung des Mittelstandes“

Die Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm ist das größte Handelsunternehmen Europas und kontrolliert als Muttergesellschaft die Handelssparten Lidl und Kaufland. Allein Lidl ist mit knapp 11.000 Filialen in 32 Ländern der größte Lebensmitteldiscounter der Welt und auch Kaufland ist neben Deutschland in sieben weiteren Ländern mit Filialen vertreten. Die Vormachtstellung der Schwarz-Gruppe war auch der Grund, warum Kaufland statt den beabsichtigten 101 Real-Märkten nur maximal 92 übernehmen darf. „Die Schwarz-Gruppe baut durch die Übernahme ihre starke Marktposition beim Einkauf von Lebensmitteln weiter aus“, hieß es im Dezember in einer Erklärung des Bundeskartellamtes.

Die Übernahme der Real-Märkte durch Kaufland sei nur deshalb genehmigt worden, weil sich der bisherige Besitzer dazu verpflichtet hatte, auch mittelständischen Unternehmen eine Übernahme-Chance zu gewähren. „Wir sorgen damit für eine Stärkung des Mittelstandes als wichtige Absatzalternative für die Hersteller und Lieferanten von Lebensmitteln in Deutschland“, heißt es in der Erklärung weiter. Aus diesem Grund hat nun auch die Bünting-Gruppe, die überregional für ihren ostfriesischen Tee bekannt ist, Interesse an den Märkten verkündet. „Das Kartellamt hat ja Mittelständlern im Verteilungsprozess ein stärkeres Gewicht eingeräumt. Deshalb haben auch wir Interesse“, sagte der Sprecher.

Während Kaufland bereits mit den Umstrukturierungen und den Neuausrichtungen der ehemaligen Real-Filialen begonnen hat, ist die Übernahme durch die Bünting-Gruppe noch nicht in trockenen Tüchern. „Es ist allerdings noch nichts spruchreif“, sagte der Sprecher dem Portal. „Am Ende werden es sicherlich deutlich weniger Standorte sein, die wir tatsächlich umflaggen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare