Wegen Menschenrechtsverletzungen

Razzien in Baden-Württemberg: Asylbewerber aus Gambia sollen Menschen gefoltert, misshandelt und ermordet haben

Spezialkräfte der Polizei gehen mit Schutzwesten und Sturmhauben eine Straße entlang.
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In mehreren Landkreisen in Baden-Württemberg kam es zu Razzien: Sieben Asylbewerber aus Gambia stehen unter Verdacht, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben (Symbolbild).
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Die Polizei ging in dieser Woche in mehreren Landkreisen in Baden-Württemberg und Hessen gegen Asylberwerber aus Gambia vor. Sie stehen unter Verdacht, in ihrem Heimatland Oppositionelle gefoltert und ermordet zu haben. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt nun gegen die Männer.

  • In Baden-Württemberg kam es in mehreren Landkreisen zu Razzien gegen sieben Männer aus Gambia.
  • Die Asylbewerber stehen unter Verdacht, in ihrem Heimatland Gambia an Folter und Misshandlungen von Gefangenen beteiligt gewesen zu sein.
  • Der Generalbundesanwalt ermittelt nun im Sinne des Völkerstrafgesetzbuchs gegen die gambischen Asylbewerber.

Karlsruhe - In mehreren Landkreisen in Baden-Württemberg und Hessen führte die Polizei am vergangenen Mittwoch Razzien gegen Asylbewerber aus Gambia durch. Sie sollen in ihrem Heimatland unter anderem Oppositionelle gefoltert und an Misshandlungen und Morden beteiligt gewesen sein. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in Karlsruhe wurde bestätigt, dass mehrere Wohnungen und Unterkünfte durchsucht wurden, um Beweise für die Menschenrechtsverletzungen zu finden. Zu Razzien kam es in Ludwigsburg, Sigmaringen und Rastatt, dem Rhein-Neckar-Kreis, Reutlingen und im Rems-Murr-Kreis. Verhaftet wurde bislang keiner der Beschuldigten.

Zu einer Razzia in Baden-Württemberg kam es auch schon Mitte Juni. Bei dem Großeinsatz im Großraum Stuttgart durchsuchte die Polizei mehr als 20 Objekte und nahm Mitglieder einer organisierten Verbrecherbande fest. Eine Großfamilie betrieb in Stuttgart eine Maschinerie des Verbrechens: Ihr wird organisierte Kriminalität und der Handel mit Rauschgift vorgeworfen. Zu der Hierachie des Rauschgiftrings gehörten auch Minderjährige.

Die Asylbewerber aus Gambia sollen Recherchen von WDR und NDR sowie der Süddeutschen Zeitung zufolge einer gefährlichen Einheit des gambischen Militärs angehört haben, die dem Regime von Yahya Jammeh unterstand. Dieser kam 1994 in dem westafrikanischen Land durch einen Putsch an die Macht und regierte es ab 1996 als Staatspräsident etwa 20 Jahre lang. Sein Regierungsstil wurde von vielen Kritikern als autoritär und diktatorisch missbilligt. Menschenrechtsorganisationen berichteten während der Amtszeit von Yahya Jammeh immer wieder von Menschenrechtsverletzungen, etwa Verschleppung, Folter, Einschüchterung und willkürlichen Verhaftungen - insbesondere nach einem gescheiterten Putsch in der Zeit zwischen 2014 und dem Regierungswechsel Anfang 2017.

Razzia in Baden-Württemberg: Asylberwerber sollen in ihrer Heimat an Folter und Misshandlungen von Gefangenen beteiligt gewesen sein

Den Verdacht ihrer Beteiligung an den Menschenrechtsverletzungen sollen die Asylbewerber aus Gambia laut WDR, NDR und SZ selbst geschürt haben. Während ihrer Anhörungen sollen sie gegenüber dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angegeben haben, Mitglieder einer berüchtigten Militäreinheit und an Folter, Misshandlungen und Morden von Inhaftierten in Gefängnissen beteiligt gewesen zu sein.

Einer der Beschuldigten soll einen Gefangenen angeblich mit Stromstößen gefoltert haben. Ein anderer steht unter Verdacht, Beihilfe zur Tötung geleistet zu haben. Die mutmaßlichen Taten der Asylbewerber aus Gambia liegen wohl schon einige Zeit zurück und fallen vermutlich in die Regierungszeit des ehemaligen Präsidenten Yahya Jammeh. Mindestens seit 2017 befinden sie sich bereits in Deutschland, zuletzt in Süd-Hessen und Baden-Württemberg. Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe ermittelt nun gegen die sieben Männer aus dem westafrikanischen Land nach dem Völkerstrafgesetzbuch wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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