„Was stimmt denn bei denen nicht?“

Querdenker wollen sich selbst 14 Tage Lockdown auferlegen - als Protest gegen 3G-Regel

Teilnehmer der Demonstration der Initiative "Querdenken" halten Banner mit der Aufschrift "Nie wieder Lockdown" hoch.
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Eigentlich demonstrieren die Querdenker gegen die Maßnahmen. Nun rufen sie selber zu einem 14-tägigen Lockdown auf.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Der Impffortschritt und die 3G-Reglung sollen einen neuen Corona-Lockdown in Deutschland verhindern. Aus Protest wollen sich ausgerechnet Querdenker nun in einen freiwilligen Lockdown begeben.

Stuttgart/Berlin - Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland musste sich die Bevölkerung bereits zwei Mal in einen Lockdown begeben. Der zweite Lockdown dauerte ganze acht Monate an. Eine hohe Impfquote, der Verzicht auf die 7-Tage-Inzidenz als Richtwert und die 3G-Regelung (geimpft, genesen, negativ getestet) in vielen kulturellen Bereichen sollen eigentlich einen erneuten Corona-Lockdown in Deutschland verhindern.

Ausgerechnet die Gegner der Corona-Maßnahmen fordern aus Protest nun jedoch einen freiwilligen 14-tägigen Lockdown und wollen auf nahezu alles verzichten, wie der Berliner Tagesspiegel berichtet.

Querdenker fordern Lockdown: 150.000 Menschen haben Post auf Telegram gesehen

Die Querdenken-Bewegung hat ihren Ursprung in der Landeshauptstadt Stuttgart und veranstaltete im Laufe der Corona-Krise zahlreiche Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz. Dabei wurden die Maßnahmen der Regierung oftmals mit fragwürdigen Vergleichen kritisiert. Beispielsweise verglich sich eine 11-Jährige auf einer Corona-Demo mit Anne Frank und die Lockdowns wurden mehrfach mit der Situation in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager verglichen. Inzwischen werden die Querdenker bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.

Umso verwunderlicher ist, dass ausgerechnet die Gegner der Maßnahmen nun zu einem freiwilligen Lockdown ab dem 7. September aufrufen. Laut dem Tagesspiegel haben bereits 150.000 Menschen den entsprechenden Aufruf auf der umstrittenen Plattform „Telegram“ gesehen, die oftmals von Corona-Skeptikern und Verschwörungstheoretikern verwendet wird. In ihrem Aufruf geht die eigentlich Maßnahmen-kritische Bewegung jedoch noch einen Schritt weiter als die Regierungen der Bundesländer.

Freiwilliger Lockdown: Verzicht auf Einkaufen, Friseur, Veranstaltungen und Co.

Seit dem 16. August ist in Baden-Württemberg durch die neue Corona-Verordnung wieder nahezu alles erlaubt. Gastronomie-Betriebe, Fitness-Studios, Kinos und andere Einrichtungen dürfen wieder ohne Einschränkungen öffnen. Besucher müssen jedoch den Nachweis über eine der 3G erfüllen. Demnach ist mit einer vollständigen Impfung, einer Genesung oder einem negativen Testergebnis das gesellschaftliche Leben wieder uneingeschränkt möglich. Die Querdenker rufen in ihrem Post auf Telegram jedoch zu dem härtesten Lockdown auf, den es in Deutschland jemals gegeben hat.

Laut einem Twitter-Beitrag, der einen Screenshot des entsprechenden Querdenker-Aufrufs beinhaltet, will die Bewegung ab dem 7. September für 14 Tage unter anderem auf das Einkaufen (inklusive online bestellen), auf Veranstaltungen, Restaurant- und Friseurbesuche, das Arbeiten, das Fahren mit dem Nahverkehr und „alles, was dir sonst noch so einfällt“ verzichten. Damit wäre der von den Querdenkern geforderte Lockdown härter als die beiden zurückliegenden. Während dieser Zeit war das Einkaufen in einem Supermarkt und in allen anderen Geschäften für die Grundversorgung weiterhin möglich.

Der von einem Twitter-User geteilte Aufruf der Querdenker führte zu vielen Kommentaren. „Derzeit will man gegen 3G- und 2G-Maßnahmen protestieren mit einem… Lockdown“, schrieb der Verfasser selbst. „Jetzt, wo alles wieder erlaubt ist, sind sie auch wieder dagegen und machen einen eigenen Lockdown?“, fragte ein anderer Nutzer. „Was stimmt denn bei denen nicht?“

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