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Privatperson verängstigt Anwohner mit regelmäßigen Falschparker-Anzeigen – „Man lebt in ständiger Panik“

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Von: Julia Hawener

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Autos parken auf dem Gehweg.
Zugeparkte Gehwege können zur Gefahr für Fußgänger werden. In Freiburg zeigen immer mehr Privatpersonen solche Falschparker an. © dpa/Uli Deck

Die Straßen sind eng und die Parkplätze begrenzt: Gerade in großen Städten parken Autofahrer deshalb trotz Verbot auf Gehwegen. In Freiburg gibt es nun immer mehr Privatanzeigen wegen solcher Delikte.

Freiburg – Bei der täglichen Parkplatzsuche müssen Autofahrer besonders in großen Städten viel Geduld beweisen. Denn die Flächen sind dort meist begrenzt. Immer wieder lassen sich Mensch deshalb dazu hinreißen, ihr Auto in verbotenen Bereichen abzustellen. So sind Falschparker etwa in Stuttgart ein häufig wiederkehrendes Aufregerthema. Erst vor Kurzem wandte sich ein Bürger mit einem wütenden Tweet an die Stadtverwaltung, weil die „Situation außer Kontrolle“ sei.

Auch in Freiburg in Baden-Württemberg sorgen nicht ordnungsgemäß abgestellte Autos für Ärger. Ein häufiges Delikt dort: Autos, die auf Gehwegen parken. Davon haben einige Freiburger wohl nun endgültig genug. So seien beim Ordnungsamt etwa 2.000 Anzeigen durch Privatpersonen wegen Falschparkens innerhalb eines halben Jahres eingegangen, wie der SWR berichtet. Deutlich mehr als in der Vergangenheit. Das liege auch daran, dass sich einige Bürger das Melden der Parksünder zur Aufgabe gemacht hätten.

Aktivisten gehen mit Privatanzeigen gegen örtliche Falschparker vor – „Man lebt in ständiger Panik“

Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator oder Kinderwagen können zugeparkte Gehwege zur Gefahr werden. Denn sie können nicht einfach schnell auf die Straße ausweichen. Deshalb ist das Halten und Parken auf Gehwegen laut Straßenverkehrsordnung grundsätzlich verboten – außer ein Verkehrszeichen erlaubt es explizit. Wer sein Fahrzeug illegal abstellt, muss mit einer Bußgeldstrafe von 55 Euro rechnen. Das bekamen laut dem SWR zuletzt auch vermehrt die Anwohner der Lugostraße im Freiburger Stadtteil Wiehre zu spüren. Alleine dort habe es 200 Privatanzeigen von September bis November gegeben.

In der Nachbarschaft des Stadtteils kennt man den Grund für den Anstieg der Bußgeldbescheide: Eine Privatperson, die nicht namentlich genannt werden will, sieht die Verkehrssicherheit durch die Falschparker eingeschränkt und erstattet immer wieder Anzeige. Die Anwohner dort seien deshalb frustriert, genervt und fühlen sich von einem Denunzianten gegängelt, sagt Anwohnerin Aglaia Kageneck gegenüber dem SWR. „Man lebt in der ständigen Panik, dass wenn nur ein Reifen den Gehsteig berührt, man sofort wieder eine 55 Euro-Strafe bekommt. Man fühlt sich nicht mehr wohl“, sagt die Freiburgerin. Erschwerend komme hinzu, dass durch die Enge der Straße Feuerwehr- und Rettungswägen stecken bleiben, wenn alle Autos korrekterweise ganz auf der Straße parken.

„Wenn auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Auto parkt, dann muss ich bis zu diesem Fahrzeug mindestens 3,05 Meter freilassen“, sagt Stefan Herz vom Amt für öffentliche Ordnung in Freiburg dem SWR. Das hat jedoch zur Folge, dass deutlich weniger Autos insgesamt am Straßenrand parken können. In der Freiburger Stadtverwaltung sei man sich dieser Parkplatzproblematik durchaus bewusst und suche derzeit nach einer langfristigen Lösung.

„Völlig daneben“ – Privatanzeigen gegen Falschparker lösen Debatte im Netz aus

Im Netz ist die Meinung gespalten. Einige können nachvollziehen, weshalb bestimmte Anwohner immer häufiger privat Anzeige gegen die Falschparker erstatten. „Gehwege sind zugeparkt, Einfahrten werden frech zugestellt...irgendwann reicht es den Leuten“, schreibt etwa ein Nutzer auf Facebook. „Das eigentliche Problem sind die Autofahrer, die parken wie sie wollen, ohne Rücksicht auf Menschen, die den Gehweg benötigen“, kommentiert ein anderer, während ein Mann zustimmend schreibt: „Wenn ich falsch parke, sollte ich mich über mein Fehlverhalten ärgern und nicht darüber, dass es bemerkt und geahndet wird.“

Weitere Nutzer halten es für falsch, wenn Privatpersonen sich das Ahnden der Falschparker zur Aufgabe machen. „Sorry, aber einfach Leute anzuzeigen, obwohl man selbst gar nicht benachteiligt ist, ist für mich völlig daneben. Parken auf dem Gehweg war 50/60/70 Jahre erlaubt und ist leider in engen Straßen oft gar nicht anders möglich“, schreibt eine Userin, die auch nochmal auf den allgemeinen Parkplatzmangel verweist. „Vollkommen in Ordnung, wenn es nicht den Beigeschmack von Denunziantentum hätte“, kommentiert ein Nutzer. Wieder andere kritisieren, dass Privatpersonen sich überhaupt erst dazu verpflichtet fühlen müssen, Falschparker zu melden. „Warum macht das Ordnungsamt nicht seine Arbeit?“, fragt sich etwa ein User.

Nicht nur zu enge Straßen und fehlende Parkplätze lösen bei den Freiburgern derzeit Frust aus. Ab dem 1. April müssen die Anwohner der baden-württembergischen Stadt deutlich mehr für ihre Parkausweise zahlen – genauer gesagt zwölfmal so viel wie bisher.

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