Pilotprojekt in Chile

Deutschland investiert 8,3 Millionen Euro in Porsches Plan, den Verbrenner zu retten

Ein Porsche Panamera Turbo S auf der Michelin Raceway Road in Atlanta, Georgia (USA).
+
Porsche entwickelt einen umweltfreundlichen Kraftstoff in Chile - Deutschland unterstützt mit 8,3 Millionen Euro (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Die Porsche AG will einen umweltfreundlichen Antrieb entwickeln und damit den Verbrenner retten. Wirtschaftsminister Peter Altmaier sicherte dem Sportwagenhersteller 8,3 Millionen Euro Finanzierung zu.

Stuttgart - In der deutschen Automobilindustrie liegt der Fokus immer stärker auf der E-Mobilität und der Herstellung von E-Autos. Die Porsche AG (BW24* berichtete) stellte im vergangenen Jahr ihren ersten vollelektrischen Sportwagen vor. Seitdem feiert der Hersteller aus der Landeshauptstadt Stuttgart* große Erfolge mit dem Modell. Der Taycan ist inzwischen nicht nur das meistverkaufte Porsche-Modell in Europa*, sondern knackte im vergangenen Jahr auch einen E-Auto-Meilenstein*. Die VW-Tochter verkaufte 2020 über 20.000 Einheiten des Taycan. Vor wenigen Tagen erschien dann auch ein Taycan-Einsteiger-Modell*.

Trotz des großen Erfolges des Taycan war die Porsche AG in Bezug auf E-Autos noch skeptisch*. Der Sportwagenhersteller entwickelt seit einiger Zeit einen alternativen Antrieb, der weder E-Auto noch Wasserstoff* ist. Bill Gates sprach von den E-Fuels bereits von einer Technologie, die sogar das E-Auto verdrängen könnte*. Während andere Autobauer die Verbrenner-Produktion nach und nach einstellen oder komplett ins Ausland verlegen, hält Porsche an der Technologie fest. In einem Pilotprojekt will der Hersteller erneuerbare Energie für Verbrenner entwickeln. Deutschland sicherte der Porsche AG einen Finanzzuschuss von rund 8,3 Millionen Euro zu, wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet.

Porsche AG: Pilotprojekt in Südamerika für erneuerbare Energien soll den Verbrenner retten

Die Porsche AG ist weltweit für die beliebten Sportwagen bekannt, die nicht nur eine hohe Geschwindigkeit und Luxus aufweisen, sondern oftmals auch einen hohen Energie- oder Benzinverbrauch haben. In einem Projekt in Chile will der Hersteller aus Stuttgart nun mit dem Partner Siemens Energy einen klimaneutralen Treibstoff erzeugen, der langfristig auch in den Serienfahrzeugen Verwendung finden soll. Dabei setzt Porsche jedoch nicht auf einen völlig neuen Antrieb, sondern will durch grünen Wasserstoff einen synthetischen Kraftstoff für die Verbrennermotoren entwickeln, wie die NZZ berichtet.

Den Standort Chile haben die Unternehmen Porsche AG und Siemens Energy für ihr Pilotprojekt aus gutem Grund gewählt. Man habe das südamerikanische Land gewählt, um das enorme Potenzial für erneuerbare Energien vor allem auf der südlichen Halbkugel und die hervorragenden Windbedingungen im Süden Chiles zu nutzen. Wie real das Projekt mit dem Namen „Haru Oni“ ist, zeigt auch eine Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Er sicherte der Porsche AG eine Anschubfinanzierung in Höhe von 8,3 Millionen Euro zu. Bei dem Projekt in der Provinz Magallanes handele es sich um den Versuch, „regenerierbaren Energiebedarf für grünen Wasserstoff zu decken, der über die Kapazitäten in Deutschland hinausgeht“, so Altmaier laut der NZZ. Doch wie genau soll der grüne Wasserstoff in Chile entstehen?

Porsche AG: Pilotprojekt „Haru Oni“ - so entsteht der umweltfreundliche Kraftstoff für Verbrenner

Mit dem Projekt in Chile verfolgt die Porsche AG das Ziel, eine Brücke zu schlagen, weg vom reinen Benzinmotor hin zu umweltfreundlichen Alternativen. Mit dem elektrisch betriebenen Taycan hat der Stuttgarter Hersteller bereits vorgelegt. Der grüne Wasserstoff soll nun jedoch auch Verbrennermotoren befeuern, ohne ein schlechtes Umweltgewissen zu erzeugen, wie die NZZ berichtet. Um den Wasserstoff zu erzeugen, wird Windenergie verwendet um mittels der Elektrolyse Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten. Im zweiten Schritt werde dann CO2 aus der Luft gefiltert.

In einer Pilotanlage in Chile wollen Porsche und Siemens einen synthetischen Kraftstoff aus Windenergie gewinnen.

In einer ersten Pilotphase wollen die Porsche AG und Siemens Energy bereits im nächsten Jahr rund 130.000 Liter E-Fuel erzeugen. Die Kapazität soll nach dieser Phase beständig erweitert werden. Bis 2024 sollen bereits 55 Millionen Liter möglich sein, bis 2026 rund 550 Millionen Liter E-Fuel pro Jahr. Der Hauptabnehmer für den entstehenden grünen Treibstoff ist Porsche selbst, gefolgt von dem Mineralölunternehmen Enap aus Chile und dem italienischen Energieunternehmen Enel. Bis es so weit ist, muss das Projekt allerdings noch einige Phasen durchlaufen.

Das Pilotprojekt in Chile befindet sich aktuell noch in der Planungsphase. Die Porsche AG setzt ihren Hauptfokus allerdings weiterhin auf die E-Mobilität. „Elektromobilität hat bei Porsche höchste Priorität“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume laut der NZZ. „E-Fuels für Automobile sind dazu eine sinnvolle Ergänzung – wenn sie an Orten auf der Welt produziert werden, wo nachhaltige Energie im Überschuss vorhanden ist.“ Die E-Fuels sollen jedoch keine Konkurrenz für die E-Mobilität im Hause Porsche werden, macht Blume deutlich. Bei dem Stuttgarter Sportwagenhersteller ist das Entwicklungsbudget für Batterie-Fahrzeuge aktuell deutlich größer. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare