Letzte Etappe der Welt-Tournee

Frau will mit seltenem Porsche durch die Antarktis fahren - „Grenzen überschreiten“

Renee Brinkerhoff, Project 356 World Rally Tour, 1956 Porsche 356 A, 2021, Porsche AG
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Renée Brinkerhoff, vierfache Mutter aus Colorado, vor dem präparierten Porsche 356.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Mit einem Porsche, der auf Schnee und Eis fahren kann, bricht die Amateur-Rallyefahrerin Renée Brinkerhoff im Dezember zu einer Tour in der Antarktis auf.

Tromsø - Der Anblick des Porsche, mit dem die Rallyefahrerin Renée Brinkerhoff bald zu einer außergewöhnlichen Mission aufbricht, erinnert mehr an ein Fantasie-Gefährt als an ein echtes Fahrzeug: Die Hinterreifen des Porsche 356 wurden durch Raupenketten ersetzt, vorne wurden ein paar Skier montiert. Was aussieht wie eine Requisite aus einem Science-Fiction-Film, ist voll funktionsfähig - und Brinkerhoffs Begleiter auf der letzten Etappe ihrer „Project 356 World Rally Tour“. Nach Rennen auf sechs Kontinenten ist die Arktis nun der letzte Kontinent ihrer Tour.

Wie die Porsche AG mitteilt, liegen 573 Kilometer vor Brinkerhoff und ihrem Team von „Valkyrie Racing“. Durch seine Präparation soll der 65 Jahre alte Porsche-Sportwagen (Baujahr 1956) fähig sein, den rauen Bedingungen der Arktis standzuhalten. „Wir wollten Grenzen überwinden und neue Rekorde aufstellen“, erklärt Renée Brinkerhoff. „Wir hoffen, mit unserer Antarktis-Expedition genau das zu erreichen.“ Mit den Langstreckenrallyes verfolgt das Team einen guten Zweck: „Unser eigentliches Ziel war es, unsere Rennaktivitäten weltweit sichtbar zu machen, um unsere Kampagne gegen den Kinderhandel wirksam zu unterstützen“, erklärt Brinkerhoff. 

Expedition mit humanitärem Anliegen

Mit ihrer Rally Tour auf unterschiedlichen Kontinenten will Renée Brinkerhoff auf die von ihr gegründete Stiftung „Valkyrie Gives“ aufmerksam machen (benannt nach Kriegerinnen in der nordischen Mythologie). Die Stiftung setzt sich für Frauen und Kinder ein, die von Menschenhandel bedroht sind. Bereits eine halbe Million Dollar hat die Stiftung bislang gesammelt. Nachdem sie im Alter von 57 Jahren bei ihrem ersten Rennen als Fahrerin in der Carrera Panamericana erfolgreich war, erkannte Brinkerhoff, dass diese Leistung eine mächtige Plattform war, um anderen zu helfen, die gefährdet und benachteiligt waren.

Mit dem Porsche durch die Arktis: Fahrzeug wurde für extreme Bedingungen ausgerüstet

Bei guten Wetterbedingungen wird das Rennteam seine Arktis-Tour am 5. Dezember starten und noch vor Jahresende abschließen. Der präparierte Porsche 356 ist bereits mit dem Schiff von einer Werkstatt in England unterwegs nach Südamerika. Nach seiner Ankunft in Chile wird er auf dem Luftweg in die extreme Umgebung von Union Glacier in der Antarktis transportiert. Ende November wird sich dann auch das Team in Chile treffen, um die lang erwartete und ursprünglich für Ende 2020 geplante Reise anzutreten.

Auf seinem Instagram-Kanal teilt das „Valkyrie-Racing-Team“ Eindrücke von der Vorbereitung auf die Tour:

Da die Tour um mehr als 18 Monate verschoben worden ist, konnte der Sportwagen mit Sechszylinder-Saugmotor komplett überarbeitet werden, um ihn für das arktische Terrain auszurüsten. Kieron Bradley, der selbst viel Expeditionserfahrung mitbringt, betreute den Umbau als leitender Fahrwerksentwicklungsingenieur. Das Gesamtgewicht des Porsche 356 erhöhte sich durch die zusätzlichen Skier und Raupen. Eigentlich ist ein schwereres Gewicht für das Vorhaben problematisch, da ein Fahrzeug bei niedrigerem Gewicht besser auf dem Eis fahren kann. Jedoch ist es gelungen, das Gewicht pro Quadratzoll, also den „Fußabdruck“, auf unter vier Prozent des normalen Bodendrucks zu reduzieren.

Präparierter Porsche: „Wir sind zuversichtlich, dass sich das neue Design bewähren wird“

„Der von uns entwickelte Ski muss 40 bis 50 Prozent der Arbeit übernehmen, indem er den Schnee verdichtet und präpariert, sodass die Raupeneinheit darauf fahren kann – wobei der untere Schild die Richtung vorgibt. So wird verhindert, dass die Raupen im lockeren Schnee versinken“, erklärt Kieron Bradley. Eine weitere Herausforderung im Rahmen von Bradleys Arbeit bestand darin, dass die Skier und Raupen leicht abnehmbar sein müssen. Denn nur so können die Spike-Eisreifen montiert werden, ohne die Spureinstellung zu verändern.

„Wie so oft, wenn ich mit meinem 356 ein neues Terrain betrete, hatte ich bisher keine Gelegenheit, das Auto zu testen“, sagt Brinkerhoff. „Der Test wird kommen, wenn wir am Union Glacier sind. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich das neue Design bestens bewähren wird. Wie mir Jason und Kieron gesagt haben, gibt es kein vergleichbares Gelände auf der Erde und daher keinen Ort, an dem ein Test durchgeführt werden kann.“

Porsche in der Arktis: Abschluss einer Tour über alle sieben Kontinente

Mit dem Abschluss der Tour wird Renée Brinkerhoff fast 32.186 Kilometer über alle sieben Kontinente und Langstreckenrallyes wie Peking-to-Paris, East African Safari Classic Rally und La Carrera Panamericana gefahren sein. Neben Brinkerhoff wird auch der britische Forscher Jason de Carteret als Navigator im Porsche 356 an der Polartour teilnehmen. De Carteret hat bereits mehr als 50 Expeditionen geleitet, unter anderem zum Nord- und Südpol. 

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