Polizei sprach erst von „Streitereien“

Polizist ruft „Ausländer raus“ und droht Mann mit Erschießung

Ein polizist mit maschinengewehr
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Ein Freiburger Polizist soll einem Mann mit Erschießung gedroht haben.
  • Berkan Cakir
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Mehrere Männer verfolgen in Freiburg einen Letten und rufen immer wieder „Ausländer raus“. Unter den Männern ist auch ein Polizist, der dem 36-Jährigen mit Erschießung droht.

Freiburg - Ein lettischer Staatsbürger soll in Freiburg von mehreren Männern rassistisch beleidigt und bedroht worden sein. Der 36-Jährige sei am 12. Juni von einer Gruppe eine halbe Stunde verfolgt worden. Dabei sollen ihm die vermutlich betrunkenen Männer zunächst „Ausländer raus“-Parolen zugerufen haben, teilte die Polizei am Dienstag mit. Zudem soll ihm einer der Männer immer wieder mit Erschießung gedroht haben. Über den Vorfall hatte zuerst die Antifa in Freiburg berichtet.

Die Drohungen soll ein Polizeibeamter ausgesprochen haben, der privat mit der Gruppe unterwegs gewesen sein soll. Das Polizeipräsidium in Freiburg bestätigte, dass gegen den Beamten wegen Bedrohung ermittelt werde. Man prüfe zudem dienstrechtliche Schritte.

Rassistischer Vorfall in Freiburg: Der 36-Jährige berichtet von Angstzuständen

Rassistische Anschuldigungen gegen die Polizei gibt es immer wieder, auch in der Landeshauptstadt Stuttgart. Nach der Krawallnacht in Stuttgart sah sich die Polizei mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Medienberichten zufolge sollte „Stammbaumforschung“ betrieben werden, um mehr über die mutmaßlichen Täter zu erfahren. Außerdem sorgte ein rassistisches Chat-Video für Aufsehen, in dem ein Polizist gegen „Merkels Fachkräfte“ hetzte.

Der 36-jährige Lette, der seit 2014 in Freiburg lebt, bestätigte einige Tage später gegenüber dem SWR den Vorfall in der Freiburger Innenstadt. Immer noch sei er geschockt. Er habe bisher nie solche Worte gehört, ihm sei noch nie mit Erschießung gedroht worden. „Wenn ich aufstehe, sehe ich das Gesicht des Mannes vor mir, der mir mit Erschießung gedroht hat“, so der Mann im Gespräch mit dem SWR. Er wolle sich bei einem Psychologen Hilfe holen.

Rassistischer Vorfall in Freiburg: In der Pressemitteilung erwähnte die Polizei nichts von den Vorwürfen

Bedrückend käme für den Mann hinzu, dass in der ersten Version der Polizeimeldung nichts über die mutmaßlich rassistischen Äußerungen gestanden haben soll. Es sei lediglich von „Streitereien“ die Rede gewesen. Erst nach einem größeren Medienecho reagierte die Freiburger Polizei und ergänzte die Meldung. „Inhalt und Motivation von Äußerungen sind aktuell Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, heißt es nun.

Die Reaktion der Polizei, die auch gegen den 36-Jährigen wegen Beleidigung ermittelt, kann der Betroffene nicht nachvollziehen. Weil der Mann, der ihm gedroht habe, Polizist sei, habe er ständig die Angst, dass etwas passieren könnte.

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