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„Menschenverachtend“: Polizei Karlsruhe erntet nach lebensgefährlichem Unfall eines Radfahrers Shitstorm

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Von: Nadja Pohr

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Ein Polizeiwagen fährt in Karlsruhe am Bundesgerichtshof vorbei.
Die Polizei Karlsruhe wird auf Twitter für eine Meldung zu einem Unfall kritisiert, in der ein lebensgefährlich verletzter Radfahrer eindeutig als Schuldiger bewertet wird (Symbolbild). © Uli Deck/dpa

Für die Meldung über einen Unfall zwischen einem Radfahrer und einer Autofahrerin wird die Polizei Karlsruhe in den sozialen Medien schwer verurteilt.

Karlsruhe - Immer wieder kommt es im Straßenverkehr zu schweren Unfällen zwischen Radfahrern und Autofahrern. Die baden-württembergische Landeschefin des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) alarmierte deshalb bereits im vergangenen Jahr, dass es immer noch zu gefährlich sei, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Der Verband verfolgt die „Vison Zero“, sprich: gar keine Unfälle - davon ist man jedoch noch weit entfernt.

In Karlsruhe kam es am 21. Mai zu einem Unfall, bei dem ein Radfahrer schwer verletzt wurde. Ein 58-Jähriger wurde beim Linksabbiegen von einer 65-jährigen Autofahrerin erfasst. Dabei wurde der Radfahrer von dem Mercedes-Benz der Dame aufgeladen, auf die Straße geschleudert und erlitt lebensgefährliche Verletzungen am Kopf. Einen Helm hat er nicht getragen. Über die Schuldfrage des Unfalls wird im Netz jedoch heftig diskutiert - die Polizei erntet dafür sogar einen regelrechten Shitstorm.

Schwerer Unfall zwischen Auto und Fahrrad in Karlsruhe: Social-Media-User hinterfragen Polizeiaussagen

Wie die Polizei Karlsruhe mitteilte, habe der Radfahrer nicht auf den Verkehr hinter sich geachtet und trage damit die Schuld am Unfall. Der 58-Jährige habe jedoch mit einem Handzeichen deutlich gemacht, dass er links abbiegen wollte. Auf Twitter sehen die Nutzer daher das Vergehen klar bei der Autofahrerin. „Es ist schon eher die Aufgabe des rückwärtigen Verkehrs, darauf zu achten, was vor ihm passiert“, schreibt ein User. „Wieso soll der Radler den Verkehr hinter sich beobachten, wenn die Autofahrer einfach nur nach vorne gucken müssen, also dahin, wo sie hinfahren wollen?“, fragt sich auch eine weitere Nutzerin.

„Ihr habt euch verdammt nochmal neutral zu äußern und in eurer Meldung ist eindeutig eine einseitige Schuldzuweisung festzustellen. Selbst wenn er sich nicht umgeschaut hat, ist die auffahrende Fahrerin Unfall-verursachend“, wettert ein User. Einige werfen der Polizei sogar vor, dass sie Täter und Opfer absichtlich umkehren würden. „Fahrradfahrer haben immer Schuld, lernt man bei Twitter in den Polizeitweets“, kommentiert ein Nutzer. „Victim blaming vom feinsten. Echt Menschenverachtend.“

Polizei Karlsruhe wehrt sich gegen Kritik - auch Radfahrer können Schuld haben

Die Beamten wehren sich gegen die Kritik an der Mitteilung und den Ermittlungen. Es gebe durchaus auch Unfälle, die durch Radfahrer verursacht werden, schreiben sie unter anderem. Doch die Community lässt nicht locker. Für die Twitter-User ist die Polizeimitteilung unglücklich formuliert. Sie würde demnach die „motorisierte Gewalt“ bestärken, was man zuletzt auch in Stuttgart kritisierte.

Die Polizei Karlsruhe bleibt jedoch dabei, dass der Radfahrer den Fehler begangen hat, denn auch Zeugen würden belegen, dass die Autofahrerin sich nicht falsch verhalten habe. Der Radler selbst konnte noch nicht vernommen werden, da er im Krankenhaus liegt. Dennoch werde zur Sicherheit auch ein Gutachter in dem Fall hinzugezogen, schreiben die Beamten auf Twitter.

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