Oberbürgermeister-Wahl in Tübingen

Boris Palmer bekommt Gegenkandidatin in Tübingen – Sofie Geisel will „neuen Politikstil“

  • Jakob Koch
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Im Oktober wird in Tübingen ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Boris Palmer tritt erneut an. Die SPD stellt Sofie Geisel auf.

Tübingen – Der Tübinger SPD-Vorstand will mit Sofie Geisel bei der Wahl zum Oberbürgermeister (OB) eine Kandidatin gegen Amtsinhaber Boris Palmer ins Rennen schicken. Die 50-Jährige ist Teil der Geschäftsführung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Geisel betonte am Freitag bei einer Pressekonferenz, sie wolle Tübingen zu einem Ort des Dialogs machen.

„Wer Konflikte und Zukunftsthemen nachhaltig gestalten will, muss zuhören und Brücken bauen“, sagte Geisel. „Mein Angebot ist ein neuer Politikstil für diese Stadt.“ Als SPD-Kandidatin nominiert werden soll Geisel nach ihrer Vorstellung bei einer Mitgliederversammlung am Samstag.

Wahl zum Oberbürgermeister in Tübingen: Boris Palmer tritt als unabhängiger Kandidat an

Amtsinhaber Palmer (Grüne Baden-Württemberg) will bei der OB-Wahl am 23. Oktober zwar erneut antreten, dieses Mal aber als unabhängiger Kandidat - wegen eines laufenden Verfahrens zum Ausschluss aus seiner Partei. Bei der Urwahl eines OB-Kandidaten der Tübinger Grünen am 3. April wird daher nur der Name der Ortsvorsteherin des Tübinger Stadtteils Weilheim, Ulrike Baumgärtner, auf der Liste der Bewerber stehen. Sie hatte ihre Kandidatur schon im vergangenen Jahr angekündigt.

Die Grünen-Mitglieder können bei der Urwahl aber auch andere Namen auf einem freien Feld eintragen, theoretisch auch Boris Palmer. Laut Marc Mausch von den Tübinger Grünen müsste sich der seit 2007 amtierende OB aber bis zum Beginn der Urwahl bereiterklären, eine mögliche Wahl auch anzunehmen. Bisher habe er dies nicht getan. In diesem Fall würden Stimmen mit Palmers Namen für ungültig erklärt.

Sofie Geisel tritt im Oktober gegen Boris Palmer an. (bw24.de-Montage)

Die Bundes-Grünen-Führung wollte die Ankündigung von Boris Palmer nicht inhaltlich kommentieren, als unabhängiger Kandidat bei der Tübinger Oberbürgermeister-Wahl anzutreten. „Die Entscheidung über eine Kandidatur, das ist seine eigene Entscheidung, die trifft er für sich alleine“, sagte die designierte Parteivorsitzende Ricarda Lang im Januar. „Und am Ende ist es eine Entscheidung, die die Tübingerinnen und Tübinger zu treffen haben, aus meiner Sicht.“ Palmer hatte kürzlich mit einem Feminismus-Aufruf verärgert - „Ihr Geschwätz ist mittlerweile mehr als unerträglich“.

Boris Palmer: Ausschluss aus der Partei droht – „Das Problem kann nur ein Parteitag lösen“

Dem bundesweit bekannten, in seiner Partei seit Jahren umstrittenen 49-jährigen Rathauschef droht der Ausschluss, weil ihm die Grünen kalkulierte Tabubrüche und Entgleisungen vorhalten. Ein Landesparteitag hatte Anfang Mai 2021 beschlossen, das Ordnungsverfahren gegen den wegen seiner Provokationen umstrittenen Rathauschef anzustrengen. Das Landesschiedsgericht wird womöglich im März offiziell beginnen, über den Rauswurf Palmers zu verhandeln. Das Verfahren ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil im Herbst in Tübingen die OB-Wahl ansteht. Der nächste Landesparteitag sei für Ende September geplant.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte Anfang Februar eine neue Abstimmung bei einem Grünen-Landesparteitag über das Ausschlussverfahren gegen den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ins Gespräch gebracht. „Wir haben einen Parteitagsbeschluss zu diesem Ausschlussverfahren, das hat der Palmer selber befürwortet. Das Problem kann nur ein Parteitag lösen“, sagte Kretschmann damals. Er bekräftigte seine Kritik an dem Verfahren: „Das ist nicht der Weisheit letzter Schluss.“ (dpa)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa und Bernd Weißbrod/dpa

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