Badeverbot und Gesundheitsgefahr

Badesee in Baden-Württemberg mit Fäkalien und Bakterien verseucht - Besucher gehen trotzdem schwimmen

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
    schließen

Der Plüderhäuser Badesee ist eine beliebte Anlaufstelle im Sommer. Vor einer Woche musste er wegen Fäkalkeimen und Blaualgen geschlossen werden. Badegäste gab es trotzdem.

  • Der Plüderhäuser Badesee musste vor einer Woche wegen einer zu hohen Konzentration von Blaualgenbakterien und Fäkalkeimen geschlossen werden.
  • Trotz Badeverbot und Gesundheitsgefahr gehen einige Menschen dennoch darin Schwimmen.
  • Blaualgen können gesundheitsschädliche Stoffe bilden, die besonders für Kleinkinder gefährlich sind.

Rems-Murr-Kreis - Das Wetter in Stuttgart und Baden-Württemberg sorgt derzeit immer wieder für Hitzewellen, die den Südwesten überrollen. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad im Schatten zieht des viele Menschen daher an die vielen Gewässer, die das Ländle zu bieten hat. Das schließt Freibäder mit ein, die jedoch wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg nur limitiert zugänglich sind. Die begehrten Eintrittskarten müssen zum Teil bereits Tage vorher bestellt werden.

Das hat zur Folge, dass sich Menschen auch an solchen Ufern ins vermeintlich erfrischende Wasser begeben, wo es eigentlich gar keine ausgeschriebenen Badestellen gibt. Manche Flüsse und Seen können so jedoch aufgrund von Strudeln, Krankheitserregern und Untiefen zur Todesfalle werden. Zudem warnte die EU, dass ein beliebter Badesee in Kehl (Baden-Württemberg) mit Fäkalien verseucht ist und gesperrt werden musste.

Badeverbot am Plüderhäuser Badesee: Manche Menschen gehen trotzdem Schwimmen

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Im Pläuderhauser Badesee sind Fäkalkeime entdeckt worden. Das bestätigte Ludwig Kern, Bauamtsleiter der Gemeinde, am Freitag (14.08.) gegenüber unserer Redaktion. Bereits seit dem 6. August gilt ein sogenanntes Badeverbot am Plüderhäuser Badesee. Die Fäkalkeime alleine wären kein Grund, den See zu sperren, so Kern. Dafür wäre die Konzentration, die gemessen wurde, zu niedrig. Allerdings war die Blaualgen-Konzentration ist im gesamten See in den vergangenen Tagen stark gestiegen und überschreitet nach wie vor den zulässigen Höchstwert. 👉 mehr dazu lest ihr auf zvw.de (Link in der Bio) 📸 ZVW/Gabriel Habermann #plüderhausen #plüderhausenbadesee #badeseeplüderhausen #zvwnews #zeitungsverlagwaiblingen #remsmurrkreis #remsmurr

Ein Beitrag geteilt von Zeitungsverlag Waiblingen (@zeitungsverlag_waiblingen) am

Auch im Rems-Murr-Kreis gibt es einen solchen Badesee, der wegen gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe im Wasser schließen musste. Wie die Gemeinde Plüderhausen auf ihrer Internetseite bekannt gab, suchen „durch die coronabedingte begrenzte Öffnung der Freibäder [...] sehr viele Menschen Erholung und Badespaß in Plüderhausen“. Bereits vor Wochen seien bereits Blaualgen im Wasser festgestellt worden - damals nur in kleinen Mengen, die nicht gesundheitsgefährdend gewesen seien.

Blaualgen können gesundheitsschädliche Gifte entwickeln.

Das hat sich inzwischen geändert. Aufgrund von Regenfällen stieg die Konzentration der Cyanobakterien auf ein bedenkliches Niveau an. Nachdem das Gesundheitsamt Proben entnommen und untersucht hatte, verhängte die Gemeinde Plüderhausen ein Badeverbot für den See. Grund dafür sei, dass das Baden aufgrund einer Überschreitung der Höchstwerte der von den Bakterien gebildeten Gifte „als gesundheitsgefährdend eingestuft“ werden musste, wie die Gemeinde mitteilt.

Wie die Stuttgarter Nachrichten mitteilten, ergab die Untersuchung einer Probe vom 10. August zudem, dass sich auch Fäkalkeime im Wasser befunden haben, deren Konzentration über dem vorgeschriebenen Grenzwert liegt. Dies spreche laut Landesgesundheitsamt für eine fäkale Verunreinigung des Sees, verursacht etwa durch Badende, Wasservögel oder abgeschwemmte Gülle.

Symptome nach Kontakt mit beziehungsweise Verschlucken von Blaualgen beziehungsweise mit Toxinen kontaminiertem Wasser (ernsthafte Gefahr vor allem für Kleinkinder bei Verschlucken größerer Mengen):

Haut- und Schleimhautreizungen 

Bindehautentzündungen

Ohrenschmerzen

Durchfall

Fieber

Atemwegserkrankungen

allergische Reaktionen

Quelle: Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW)

Manche Besucher scheint dies jedoch nicht davon abzuhalten, ein paar Runden im Plüderhäuser See zu schwimmen - dem von der Gemeinde bereits verhängten Badeverbot zum Trotz. Vor allem am Wochenende lockte der Badesee in Baden-Württemberg wieder einige Besucher an. Bürgermeister Andreas Schaffer erzählte den Stuttgarter Nachrichten, dass er mit einem der Badegäste gesprochen habe, der die Lage „völlig entspannt" sehe. Auf die Frage, weshalb das Badeverbot nicht durchgesetzt würde, meinte Andres Schaffer, dass der Aufwand viel zu groß sei und dass das jeder letztlich selber wissen müsse. Die meisten Leute seien zudem nur zum Sonnenbaden da gewesen. Der Großteil ging nicht ins Wasser.

Badegäste schwimmen im Plüderhäuser Badesee trotz Verbot und gesundheitsschädlichen Bakterien und Fäkalkeimen

Seit Wochen machen Badeseen Schlagzeilen, an denen sich Tausende Personen tummeln - ohne Einhaltung der Schutzmaßnahmen gegen Covid-19. Mitte Juli stürmten etwa 10.000 Menschen an einen Badesee in Baden-Württemberg, wobei die Gemeinde im Chaos versank. Durch die hohe Zahl an Badegästen scheint zudem auch jene der Todesopfer zu steigen. Allein vergangenes Wochenende starben an Badeseen in Baden-Württemberg fünf Menschen - schuld ist auch Corona.

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare