„Entbehrung und Leid“

Klage gegen Tripsdrill: Greifvögel im Park angebunden „Leben voller Leid“

Ein Greivogel sitzt angekettet auf einem Baumstamm
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In Wildparks werden Greifvögel häufig angeleint gehalten. Peta hat daher gegen mehrere Parks, unter anderem gegen das Wildparadies Tripsdrill, Klage eingereicht.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Tierschutzorganisation Peta erhebt schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Wildparks Tripsdrill. Werden die Greifvögel artgerecht gehalten? Peta hat Klage eingereicht.

Cleebronn/Heilbronn - Bär, Luchs und Co. begegnet man in Deutschland in der freien Wildbahn normalerweise nicht. Viele der ausgerotteten Arten wie Schakal und Wolf kehren zwar nach Baden-Württemberg zurück, zu Gesicht bekommt man die seltenen Tiere aber noch lange nicht.

Wer sich für die heimischen Wildtiere interessiert, kann in einer Sehenswürdigkeit in Baden-Württemberg, dem Wildtierparadies des Freizeitparks Tripsdrill, den sonst so scheuen Tieren besonders nahekommen. Auf dem Gelände des Tierparks leben über 60, meist einheimische Tierarten. Doch nicht alle werden laut der Tierschutzorganisation Peta artgerecht gehalten. Die Tierschützer haben nun Klage gegen den Park in Baden-Württemberg erhoben.

Peta zieht gegen Tripsdrill vor Gericht: „Leben voller Leid“ für Greifvögel und Eulen

Der Staatsanwaltschaft Heilbronn liegt eine entsprechende Strafanzeige vor. Wie die Bietigheimer Zeitung berichtet, geht es in der Anklage speziell um die Haltung der Greifvögel im Park. Diese werden an Baumstämme gekettet den Besuchern zur Schau gestellt. Dies sei ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, so Peta. Nicht nur gegen Tripsdrill, auch gegen andere Parks in Sababurg, Willingen, Edersee, Wachenheim, Tambach, Springe und Gangelt klagen die Tierschützer. Sie fordern ein generelles Verbot der Haltung von Vögeln sowie „das Ende der Anbindehaltung von Greifvögeln und Eulen“.

„Für die Greifvögel und Eulen bedeutet das ein Leben voller Entbehrung und Leid. Nach unserem Ermessen ist dies nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar“, sagt Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta. In einem Video der Tierschützer, dessen Aufnahmen zwischen Juni und Oktober 2021 entstanden sein sollen, zeigen eine solche Haltung im Wildpark Tripsdrill und in anderen Wildtierparks. Bussarde, Adler und Eulen sind darauf zu sehen. Immer wieder versuchen die Tiere, sich in die Lüfte zu erheben. Wegen der kurzen Seile können die Tiere jedoch nicht fliegen, werden am Boden gehalten. „Bei dieser sogenannten Anbindehaltung sind die Wildvögel meist stunden- oder gar tagelang mit einem kurzen Lederriemen an einen Holzblock gefesselt“, schreibt Peta.

Tripsdrill weist Vorwürfe zurück - Kritik von Peta sei „sehr ideologisch geprägt“

Der Park ist sich jedoch keiner Schuld bewusst und weist die Vorwürfe von Peta von sich. „Wir sehen der Sache eher gelassen entgegen“, sagt Birger Meierjohann, Sprecher von Tripsdrill der Bietigheimer Zeitung. Man müsse bedenken, dass Peta jeglicher Form von Zoo-Tierhaltung sehr kritisch gegenüberstehe, argumentiert er weiter. „Die Kritik ist daher sehr ideologisch geprägt.“

Im Wildparadies Tripsdrill werden die Greifvögel auch für Flugshows eingesetzt.

Dennoch betonte er gegenüber der Zeitung, die Tierpfleger würden sich mit Herzblut um die Tiere kümmern. Die Anbindehaltung würden viele fälschlicherweise als Quälerei interpretieren. „Für Greifvögel ist es ein erheblicher Kraftaufwand, zu fliegen. Daher wird nur geflogen, wenn es notwendig ist: zur Balz, zur Jagd und zur Flucht.“ Die Tiere erhielten zudem auch Freiflug. Das sei auch nach den Mindestanforderungen zur Haltung der Greifvögel und Eulen vorgeschrieben und mindestens jeden zweiten Tag der Fall, so der Sprecher weiter. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn prüft nun, ob eine Straftat vorliegt.

In Trossingen im Schwarzwald kam es dieses Jahr durch Tierquäler zu einem schrecklichen Vorfall: In einem Wildtiergehege wurden zwei Tiere verstümmelt und zu Tode gequält.

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