Statement auf Social Media

„Diskriminierung ganzer Gruppen“: Disko-Betreiber stinksauer über PCR-Testpflicht - er lässt seinen Club zu

Eine farbig beleuchtete Discokugel dreht sich über einer Tanzfläche.
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Der „Trödler“ in Engstingen bleibt geschlossen.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Seit Montag darf in Clubs in Baden-Württemberg wieder gefeiert werden. Wegen der PCR-Testpflicht für Ungeimpfte weigert sich der Betreiber einer Engstinger Diskothek jedoch, zu öffnen.

Engstingen - In Baden-Württemberg gilt seit vergangenem Montag eine neue Corona-Verordnung - und mit ihr die PCR-Testpflicht für Ungeimpfte in bestimmten Bereichen. Überall dort, wo sich intensive Körpernähe nicht vermeiden lässt, reicht ein einfacher Schnelltest ab sofort nicht mehr aus. Das gilt auch für den Besuch von Clubs und Diskotheken, die nun wieder geöffnet haben. Dort dürfen bei fehlendem Lüftungskonzept Geimpfte oder Genesene bei einer Maximalauslastung von 70 Prozent feiern. Bei einer guten „Luftwechselrate“ dürfen auch Getestete mitfeiern, allerdings müssen sie einen negativen PCR-Test vorlegen - der kostet rund 70 Euro.

Statt einer Wiedereröffnung gab der Betreiber der Diskothek „Trödler“ in Engstingen eine überraschende Entscheidung bekannt: Wegen der Einschränkungen für Ungeimpfte wird der Club geschlossen bleiben. „Wir verstehen uns als Ort, an dem ganz unterschiedliche Menschen sich treffen, wiedersehen, unterhalten und gemeinsam trinken, essen feiern, tanzen und fröhlich sein können“, schreiben die Betreiber auf ihrer Facebook- und Instagram-Seite. „Alter, Herkunft, Geschlecht, politische Gesinnung, Aussehen, Beruf, Bildungsniveau und ganz, ganz viele Dinge mehr spielen überhaupt keine Rolle.“

Club-Betreiber erzürnt: „Verurteilen diese Regelung aufs Schärfste“

Da man „grundsätzlich niemanden ausschließen oder gar ganzen Personengruppen den Einlass verwehren“ wolle, sehe man die gesetzliche Lage in Baden-Württemberg kritisch. „Einer ungeimpften Person wird die Eintrittsbarriere praktisch so hoch gelegt, dass es Menschen mit normalem Einkommen unmöglich ist, mit dieser Regelung dauerhaft zu uns zu kommen und zu feiern“, so die Betreiber des Trödlers. „Dies kommt aus unserer Sicht einer Diskriminierung einer ganzen Gruppe gleich und das möchten wir wirklich nicht unterstützen, distanzieren uns eindeutig davon und verurteilen diese Regelung aufs Schärfste.“

In ihrem Statement gehen die Club-Betreiber davon aus, dass die Gruppe der Ungeimpften, die gerne feiern gehen, bei 15 bis 20 Prozent liege - „und diese werden wir nicht ausschließen.“ Gegenüber dem Reutlinger Generalanzeiger betonte Trödler-Pächter Josua Grauer, dass durch die Beschränkungen jegliche Spontanität verloren gehe: „Stellen Sie sich vor, fünf Leute sitzen abends zusammen und beschließen, noch spontan in den Trödler zu gehen. Dann stellt sich raus, dass einer ungeimpft ist. Der kann ja so schnell keinen Test mehr machen. Die kommen dann alle nicht.“

„Trödler“ in Engstingen fordert „klare, nachvollziehbare Strategie für die Branche“

Als Konsequenz verkündete Grauer, abzuwarten, ob es nach der nächsten Bundestagswahl eine „klare, nachvollziehbare Strategie für die Branche“ gebe, oder ob es „wieder nur bei Blabla“ bleibe. Er stelle sich darauf ein, Anfang oder Mitte Oktober mehr dazu sagen zu können. Getroffene Regeln müssen mindestens sechs Wochen in Kraft sein, bevor er öffnet, betont der Pächter weiter. „Was wir nicht machen werden, ist Folgendes: Aufmachen, um dann drei bis vier Wochen später wieder zuzumachen, weil unseren Politikern ein neuer Parameter oder was ganz anderes einfällt.“

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