Paxlovid

Neues Medikament aus BW macht Hoffnung im Kampf gegen Corona - „Dann ist die Impfpflicht quasi vom Tisch“

Corona-Pille Paxlovid von Pfizer. Anti-Covid-Pille: Regierung kauft eine Million Packungen.
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Das Corona-Medikament „Paxlovid“ (Archivbild) wird zweimal täglich über (maximal) fünf Tage oral eingenommen.
  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Das in Baden-Württemberg produzierte Corona-Medikament „Paxlovid“ wird in Deutschland ausgeliefert. Ab sofort können Ärzte es via Rezept verschreiben.

Freiburg – Medikamente sind ein essenzieller Baustein in der Pandemiebekämpfung. In der Vergangenheit waren es aber vor allem Mittel, die auf Basis von Antikörpern wirken. Das Problem ist, dass solche besonderen Therapien ausschließlich stationär in Kliniken eingesetzt werden können – für die ambulante Behandlung sind sie weniger geeignet. Anders verhält es sich bei dem neuen Corona-Medikament „Paxlovid“ von Pfizer, das in Freiburg produziert und von Karlsruhe aus nach ganz Deutschland ausgeliefert wird.

Das Besondere an Paxlovid ist, dass es in Form einer Tablette eingenommen wird und somit auf die ambulante Therapie ausgelegt ist. „Apotheken können das Arzneimittel bei Vorliegen einer ärztlichen Verschreibung bestellen und an Patienten abgeben“, erklärt eine Sprecherin von Pfizer auf SWR-Anfrage. Das Medikament kombiniert zwei Wirkstoffe, die beide auf Enzym-Basis wirken. Heißt: Das Medikament von Pfizer verhindert, dass sich das Coronavirus im Körper weiter vermehren kann.

Studie zu Paxlovid zeigt: Medikament reduziert Risiko für schweren Verlauf

Paxlovid ist in erster Linie für Infizierte mit Vorerkrankungen interessant, die Gefahr laufen, einem schweren Krankheitsverlauf zu unterliegen. Laut Pfizer soll das Corona-Medikament das Risiko von sehr schweren Verläufen um 89 Prozent senken. Im Rahmen einer für die Zulassung notwendigen Studie hatten 697 Covid-Patienten Paxlovid erhalten – 682 ein Placebo. Dabei zeigte sich, dass die Probanden, die Paxlovid erhalten hatten, seltener wegen ihrer Infektion stationär behandelt werden mussten.

HandelsnamePaxlovid
HerstellerPfizer Inc.
WirkstoffklasseProteaseinhibitor
Produktion/VersandFreiburg/Karlsruhe
In der EU bedingt zugelassen seit28. Januar 2022

Von 679 Infizierten mussten im Rahmen der Studie fünf Personen trotz Behandlung in ein Krankenhaus. In der Kontrollgruppe seien es stattdessen 44 gewesen, teilte der Konzern mit. Das Präparat ist also nicht grundsätzlich für jeden Infizierten geeignet. Vielmehr ist es für Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen gedacht, die einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf unterliegen - wie ältere Menschen oder Personen mit Immunerkrankungen.

Neues Corona-Medikament von Pfizer wird in Freiburg produziert und verpackt

„Ärzte können das Medikament verschreiben und damit besonders Hochrisikopatienten vor schweren Covid-19-Verläufen schützen, zum Beispiel Menschen im hohen Alter, mit chronischen Erkrankungen oder Krebs“, sagte Daniel Kalanovic, medizinischer Direktor bei Pfizer in Deutschland, nach der Zulassung von Paxlovid in der Europäischen Union. Die weltweite Produktion und Verpackung von Paxlovid findet SWR-Informationen zufolge am Pfizer-Standort in Freiburg statt.

Für Deutschland seien für dieses Jahr rund eine Million Packungen vorgesehen, von denen etwa 35 Prozent noch im ersten Halbjahr ausgeliefert werden sollen, teilte eine Sprecherin von Pfizer mit. Der Inhalt einer Packung reicht für die Behandlung eines Patienten. Laut Beipackzettel nimmt ein Patient zweimal täglich drei Tabletten über (maximal) fünf Tage oral ein. Paxlovid muss im frühen Stadium der Infektion eingenommen werden, damit das Risiko für einen schweren Verlauf sinkt.

Paxlovid unterscheidet sich sehr stark von bisherigen Therapie-Ansätzen

Wie genau Paxlovid wirkt und was sich Experten von der Anti-Covid-Pille* versprechen, schreibt HEIDELBERG24* in einem Service-Artikel. Der Unterschied zu allen bisher verfügbaren Therapien ist, dass Paxlovid schon im frühen Stadium der Infektion eingesetzt wird und aufgrund der Tatsache, dass es auf Basis von Enzymen wirkt, unabhängig der Virusvariante eingesetzt werden kann. Wie wichtig neue Therapieansätze sind, zeigt die aktuelle Lage zum Coronavirus in Baden-Württemberg.

Auf Facebook stehen viele Nutzer dem Medikament positiv gegenüber. „Na also, es wird doch. Impfung plus Medikament könnte langsam in Richtung Normalität führen - Hoffnung“, schreibt eine Frau. „Dann ist die Impfpflicht quasi vom Tisch“, hofft ein Mann. Doch es gibt auch zahlreiche kritische Stimmen. „Wer das glaubt kann schon mal anfangen zu buddeln“, heißt es in einem zynischen Kommentar. Auch „traue dem nicht“ und „herrlich, da fließt das Geld wieder“, ist zu lesen.

Stand 23. Februar sind laut Landesgesundheitsamt (LGA) mehr als zwei Millionen bestätige Fälle in Baden-Württemberg bekannt – das sind 31.807 mehr, als am Vortag. Die 7-Tage-Inzidenz liegt mit 1.494,3 weiter über der 1.000er-Marke, ist aber im Vergleich zur Vorwoche gesunken. Gestiegen ist stattdessen die Anzahl der Covid-19-Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden müssen – von 283 in der Vorwoche auf aktuell (Stand 23. Februar) 291 Fälle. *BW24 und HEIDELBERG24 sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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